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Wandern, paddeln, kutschieren

Abenteuer-Urlaub in Deutschland – mit Kindern durchs Ruppiner Land

Boltenmühle
An der Boltenmühle kam nicht nur Theodor Fontane, sondern auch Friedrich der Große vorbei.Foto: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

Bunte Buchenwälder, sanfte Hügel, idyllische Seen: Vom Landstrich zwischen Neuruppin und Rheinsberg schwärmte schon der Schriftsteller Theodor Fontane. Die Region ist perfekt geeignet für Familien.

Die Jungs sind kaum zu halten. Adrian beugt sich aus der Kutsche und streckt den Arm raus. Jakobs Stimme überschlägt sich fast: „P-i-i-i-i-i-lze!“

Kutscher Jürgen Strache, der bislang seine Anekdoten referiert hat, schreckt auf: „Schön, wenn sich Kinder so für die Natur begeistern!“ Er gibt Chico und Hercules, den beiden schwarzglänzenden Wallachen, mit Zügel und Stimme das Signal, anzuhalten. Die Kinder springen ab und huschen unter die Bäume.

Essbar oder nicht? Zur Sicherheit ist ein Pilzbestimmungsbuch im Rucksack, und die Eltern der beiden Jungs haben ein bisschen Erfahrung. Auf der Familienwanderung durch die Ruppiner Schweiz im Bundesland Brandenburg soll noch ein großes Pilzwunder kommen.

Neuruppin – los geht es in Fontanes Geburtsort

Unser Vorhaben startet in Neuruppin. Von dort soll es nach Rheinsberg gehen. Den 25-Kilometer-Marsch haben wir dem Nachwuchs zuliebe auf drei Tage verteilt – mit jeweils rund acht Kilometern. Das schaffen auch ein 6- und ein 10-Jähriger.

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Die alt-preußische Kleinstadt ist der Geburtsort von Theodor Fontane sowie vom Baumeister Karl Friedrich Schinkel. Der Architekt baute Schlösser und klassizistische Gebäude wie am Fließband, etwa das Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt. Bis Alt-Ruppin wandern wir noch an der Straße entlang, dann gehts endlich in den Wald. Auf dem Weg liegt der Molchowsee – im Herbst menschenleer. Er ist Teil einer Seenkette, die über Rhin und Binenbach verbunden ist. Die Gewässer sind das Herz der Ruppiner Schweiz, eine hügelige, bewaldete Endmoränenlandschaft.

Angeln und Paddeln als willkommene Abwechslung

Auf dem Steg werfen die Kinder Angeln aus – eine willkommene Abwechslung nach gut fünf Kilometern Marsch. Es ist nicht mehr weit bis Molchow, einem sogenannten Rundlingsdorf, um dessen Dorfplatz sich die Gehöfte gruppieren.

Die baufällige Molchower Brücke wurde vor Jahren abgerissen. Die Bewohner warten seitdem auf den Neubau. Für uns steigert dies am nächsten Morgen den Familienspaß. Um ans Frühstück zu kommen, müssen wir ins Paddelboot steigen.

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Schräg gegenüber im Hafen des „ River Café“ streifen die Kinder die Schwimmwesten ab. Sie mampfen bald belegte Brötchen und Früchte von einer Etagere. Zurück am anderen Ufer, wartet schon Kutscher Strache.

Wandern in der Kutsche – wie einst Fontane

Schon Fontane reiste im Pferdewagen durch die Gegend und veröffentlichte später seine Reisetexte als „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ – also wollen wir bei unserer Wanderung ein Auge zudrücken und genießen die Fahrt in der Wagonette.

Fast hätten sich die Eltern entspannt, doch dann plötzlich wieder: „Pi-i-i-i-lze!“ Die Jungs springen zielstrebig vom Wagen. Am Ufer entdecken sie Steinpilze in Rekordgröße, etwa 30 Zentimeter groß. Und strahlen über das ganze Gesicht.

Die Boltenmühle ist unser Nachtlager. Hier kam nicht nur Fontane entlang. „Es heißt, Friedrich der Große habe gesagt, wenn er nicht König von Preußen gewesen wäre, dann wär‘ er gern Müller an der Boltenmühle geworden“, erzählt Strache zum Abschied. Vor dem Waldhotel plätschert heutzutage immer noch Wasser über ein Mühlrad.

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Am nächsten Tag steht es zunächst schlecht um den Wanderwillen der Kinder. Doch zwischen Zechow und Rheinsberg, wo zu Fontanes Zeiten noch kaum Bäume standen, motiviert sie der Pilzreichtum: Maronen und Krause Glucken finden wir in Massen.

Rheinsberg markiert den Endpunkt unserer Wanderung – das passt auch geografisch. Die Stadt liegt in der äußersten Ecke des Ruppiner Landes – einst Zollstation, als noch Salz und Tabak geschmuggelt wurden. Aber wir hätten ohnehin nichts Verdächtiges im Gepäck.

Anreise: Mit der Bahn bis Neuruppin; wer sein Auto dort parkt, kann ab Rheinsberg mit dem Bus 764 später zurückfahren.

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