Wanderparadies

Das Bodetal – die spektakuläre Schlucht im Harz

Blick vom Hexentanzplatz Thale in das Bodetal
Blick vom Hexentanzplatz Thale in das Bodetal
Foto: dpa Picture Alliance

Das Bodetal zählt zu den schönsten Schluchten in Deutschland. Hier zeigt der Harz sich von seiner wildesten Seite – den Besucher erwartet ein Wandererlebnis der Extraklasse. Doch das ist nicht immer ganz ungefährlich...

Der Harz bietet zahlreiche tolle Möglichkeiten für unvergessliche Wanderungen, doch die spektakulärste führt durch dieses Tal, das der Bode-Fluss, der ihm seinen Namen gab, über Jahrmillionen in den Fels gegraben hat. Ein guter Einstieg für den Weg beginnt in Thale, wo sich gewaltige, mehrere hundert Meter hohe Fels-Steilwände erheben, die einen Ehrfurcht erbietenden Talkessel formen, durch den der Weg immer entlang des Flusses führt. Die ganze Urgewalt dieses Naturphänomens begreift nur, wer vor der Wanderung (oder auch an einem anderen Tag) zu einem der beiden Aussichtspunkte aufsteigt, nämlich entweder dem Hexentanzplatz oder der Roßtrappe.

Bodetal-Seilbahn

Wem der Aufstieg zu anstrengend ist, kann auch die Bodetal-Seilbahn nutzen
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Um diese beiden Felsplateaus rankt sich auch eine der schönsten Harz-Legenden, die von der Prinzessin Brunhilde erzählt, welche zu Pferd versuchte, ihrem aufdringlichen Verehrer Bodo zu entkommen. Ihr gelang schließlich wie durch ein Wunder auf dem Rücken ihres Gauls der Sprung über die Bode-Schlucht, während Bodo in den tief unten rauschenden Fluss stürzte, wo er noch heute lauern soll – dieser wurde dann nach ihm Bode genannt. Skurril: Ein flaches Loch in einem Felsen beim Aussichtspunkt Hexentanzplatz wird heute gerne als Huf-Abdruck von Brunhildes Roß gedeutet.

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Eine teuflische Brücke

Vom Hauptbahnhof Thale ist der Weg ins Bodetal bestens ausgeschildert – und für wohl nicht wenige bereits nach kurzer Zeit schon wieder vorbei, oder zumindest unterbrochen, denn das Gasthaus Hirschgrund liegt derart sensationell und einladend am Fluss, dass man hier einfach verweilen möchte. Warum auch nicht, eine schöne alte Steinbrücke überspannt die rauschende Bode, das Gasthaus serviert zudem auch selbst geräucherte Forellen.

Wer sich dennoch lösen kann, gelangt bereits nach kurzer Zeit zur sogenannten Teufelsbrücke, bei deren Errichtung der Sage nach der Leibhaftige selbst geholfen haben soll – als Gegenleistung verlangte er die erste Seele, die über die Brücke gehen würde. Der listige menschliche Baumeister trieb sodann eine Ziege vor sich her, und trickste Luzifer damit aus.

Die Teufelsbrücke am Goetheweg

Die Teufelsbrücke am Goetheweg
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Wohl nirgendwo im Bodetal ist die Wanderung beeindruckender als hier, wo ringsum die steilen Felswände aufragen und das Wasser der Bode so laut rauscht, dass man kaum sein eigenes Wort versteht – der Weg steigt zudem hinter der Teufelsbrücke recht steil an, so dass man schon wenige hundert Meter weiter einen einmaligen Blick auf das Tal und den Fluss genießen kann. Die wilde Bode ist hier der ganz klare Hauptdarsteller, sie windet sich, schießt in Stromschnellen dahin und stürzt über kleine Wasserfälle ihrer Mündung entgegen.

Wilde Natur

Wer Glück hat und sich ruhig verhält, kann vielleicht eines der Mufflons beobachten, die weit oben in den Hängen herum kraxeln – die wilden Schafe sind hier im Harz genauso zu Hause wie der Luchs oder schöne Vögel wie die Wasseramsel und die Gebirgsstelze. Der Wanderer mit offenen Augen entdeckt entlang des Wegesrandes zudem viele Pflanzen wie den wild blühenden Baldrian oder Bärlauch, aus dem man leckeres Pesto zubereiten kann – bzw. könnte, denn in diesem Naturschutzgebiet ist das Pflücken von Pflanzen natürlich verboten.

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Der Weg ist das Ziel – ein Sinnspruch, der hier wirklich voll zutrifft, denn die Strecke durch das Bodetal kann je nach Tempo und Endpunkt auch den ganzen Tag in Anspruch nehmen, doch dafür gibt es auch überall etwas zu entdecken. Aus dem tiefgrünen Wald plätschern kleine Bachläufe mit herrlich frischem Wasser, knorrige alte Bäume spenden an einem warmen Tag Schatten, und immer wieder gibt es schöne Aussichtspunkte wie die Sonnenklippe, an denen man rasten kann.

Auch die Roßtrappe ist ein beliebtes Ausflugsziel im Bodetal
Foto: dpa Picture Alliance

Orte wie aus dem Märchen

Wie aus einem Märchenbuch entsprungen wirken malerische kleine Orte wie Treseburg oder Altenbrak, wo das Leben genauso gemächlich zu verlaufen scheint wie hier auch das Wasser der Bode, die jetzt deutlich breiter ist, dafür aber auch langsamer – ein entspanntes Tempo, dem man sich, ob bewusst oder unbewusst, einfach anpasst. Hier kann man ab April nicht selten auch Fliegenfischer beobachten, denn die Bode ist ein erstklassiges Angel-Gewässer. Wer für sein Essen jedoch nicht selbst in den Fluss steigen möchte, kann zum Beispiel im „Gasthaus Bodeblick“ in Treseburg eine herrliche Forelle essen, jedoch sind sämtliche Restaurants hier aufgrund ihrer privilegierten Lage nicht ganz billig.

Bezaubernde Architektur im Ort Treseburg
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In Altenbrak, einem Ort, den schon der Dichter Theodor Fontane in seinen Werken verewigt hat, läuft das Bodetal so langsam aus, von hier aus kann man aber immer noch weiter wandern bis zur Talsperre Wendefurth oder der Rappbodetalsperre. An letzterer wartet eine Schwindel erregende Hängebrücke auf Besucher, die einige Zeit sogar die längste der Welt war, sowie eine Zipline über das tiefe Tal – unbedingt vorher buchen bei der Firma „Harzdrenalin“.

Bitte beachten Sie: Das Bodetal ist nur in der wärmeren Jahreszeit sicher zu begehen, da besonders im Winter immer wieder die Gefahr von Steinschlag droht. Auf der Webseite des Wanderparadieses können Sie sich bereits vorab alle relevanten Informationen holen.

 

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