22. Juni 2026, 13:14 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Seine Freizeit verbringt TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann seit Jahren am liebsten in der Natur bei langen, herausfordernden Wanderungen. Seine jüngste Expedition war dennoch ein ganz besonderes Abenteuer, denn zum ersten Mal war sein neuer bester Freund, Border-Collie-Mischling Misiek, dabei. Wie das Wandern mit Hund so ein Abenteuer verändert, aber auch auf wunderbare Weise bereichern kann, verrät er hier.
Ich will es mal ganz ehrlich sagen: Als meine Freundin mir im Dezember 2025 Bilder von einem, zugegebenermaßen, bezaubernden Hund zeigte, den sie zumindest im Herzen längst adoptiert hatte, war ich erstmal ziemlich skeptisch. Wir leben in einer geräumigen, aber nicht übermäßig großen Wohnung. Als Dorfkind war ich bis dahin aber immer der Meinung gewesen, so ein Hund würde unbedingt einen Garten brauchen. Ich selbst fühle mich in vier Wänden oft regelrecht eingesperrt. Ich suche so oft wie möglich teils mehrwöchige Aufenthalte in der freien Natur als Ausgleich. Wie würde es da erst einem Vierbeiner gehen? Aber dann pflanzte meine Liebste, geschickte Diplomatin in eigener Sache, einen Traum in mein Herz. Ich könnte doch auf meine Wanderabenteuer den Hund künftig ganz einfach mitnehmen.
Sofort begann das Kopfkino: Ich sah mich mit meinem neuen besten Freund durch die Wildnis streifen wie Paul Bunyan. Oder, in meinem Fall, vielleicht eher Rübezahl. Ich erträumte mir, wie wir gemeinsam Abenteuer bestehen würden. Vielleicht sogar, ein langgehegter Wunsch, irgendwann einmal zusammen durch ganz Deutschland wandern zu können. Ich denke, es ist müßig zu sagen, dass die Adoption von Misiek, so der Name unseres Hundes, danach eher eine Formsache war. Wir fuhren an die polnische Grenze zu den bisherigen Besitzern, machten einen ersten Spaziergang mit dem „kleinen Bären“ (polnisch = Misiek, sprich Mischek) und waren hoffnungslos verliebt. Nur eine Woche später zog er dann bei uns ein. Und ich verlor keine Zeit, mit dem „Training“ zu beginnen.
Grenzen kennen lernen
Nun bin ich jemand, für den Wetter eine andere Bedeutung haben mag als für andere Menschen. Mein Bedürfnis nach der Natur ist so groß, mitunter quälend übermächtig, dass ich einfach immer rausgehe, wenn nicht gerade wirklich die Welt untergeht. Und so liefen wir bereits im Februar 2026 die ersten Touren über 16 Kilometer. Testgebiet war meine Heimat Berlin-Spandau, wo es zum Glück trotz Innenstadtnähe noch ziemlich viel Natur gibt. Natürlich hatten wir uns bis dahin langsam gesteigert. Misiek hatte zuvor einem alten Mann gehört und trottete anfangs auch bei normalen Gassirunden mitunter so gemächlich hinter mir her, dass ich mich immer wieder umdrehte, um zu sehen, ob er überhaupt noch da war. Doch innen drin, da war ich sicher, hatte er irgendwo noch sein Wolfsblut, um mal mit Jack London zu sprechen.
Meine erste Empfehlung daher an Sie, lieber wanderbegeisterter Leser mit Hund: Nehmen Sie sich vor der ersten großen Tour genug Zeit, Ihr Tier, seine Leistungsbereitschaft und vor allem Leistungsfähigkeit genau kennenzulernen. Ein Hund wird im Regelfall alles dafür tun, um seinem Besitzer zu „gefallen“. Und da kommt wieder das Wolfsblut ins Spiel. Schwäche zeigen heißt im Rudel untergehen. Daher wird sich Ihr Hund vielleicht nicht anmerken lassen, dass er längst über sein Limit hinaus ist. Wo Menschen meckern oder einfach abbrechen würden, mag Ihr treuer Vierbeiner einfach weiter neben Ihnen her trotten. Vor allem eine mehrtägige Wanderung sollte daher in sinnvollen Streckenabschnitten geplant werden, die sowohl für Sie als auch für Ihr Tier gerne anstrengend, aber eben nicht überfordernd sind.
Pausen und Futter als Motivation
Zudem müssen Sie nun unbedingt und überall bedenken, dass Sie eben nicht mehr alleine unterwegs sind. Ein Hund hat zwangsläufig kürzere Beine als Sie, weswegen ihn das Laufen im freien Gelände im Regelfall mehr Kraft kosten wird. Daher sollten auf der Strecke im Laufe eines Tages auch immer wieder längere, gerne auch mehrstündige Pausen zur Regeneration eingeplant werden. Mir war das vorher selbst gar nicht klar, aber ein ausgewachsener Hund schläft im Normalfall täglich bis zu 18 Stunden oder gar länger. Die Gelegenheit, unterwegs zumindest sozusagen „Powernaps“ einzulegen, sollte man ihm daher unbedingt geben. Es mag anfangs schwer mit dem Ego vereinbar sein (zumindest ging es mir so), aber planen Sie von vornherein kürzere Tagesdistanzen, damit am Ende alle happy sind.
Bei Misiek und mir klappte das auf unserer ersten gemeinsamen Tour zum Glück sehr gut. Das Wetter war nämlich derart grauenhaft, dass ich unterwegs immer wieder für längere Pausen in Gaststätten flüchtete. So saßen wir den Regen und sogar einen Schneesturm (Mitte Mai 2026 wohlgemerkt) trocken und gemütlich aus, und danach ging es aufgewärmt und gestärkt weiter. Nutzen Sie solche kleinen oder längeren Pausen immer wieder, um dem Hund ein bisschen Futter und Wasser anzubieten. Verteilen Sie kleinere Einheiten geschickt als „Motivation“ über den Tag, und am Ende der Etappe kommt dann das große Festessen für Ihren Fell-Freund.
Nicht zu viel packen
Das Stichwort Futter führt uns zum nächsten Thema, nämlich Ihrer Packliste. So ein Wanderrucksack sollte meiner Meinung nach vor allem für eine mehrtägige Tour nicht mehr als zwölf Kilogramm wiegen, und das ist schon unter normalen Umständen verdammt schwer einzuhalten. Alleine Zelt, Schlafsack und Isomatte sowie das Eigengewicht eines guten Rucksacks betragen oft schon fünf Kilo (eher mehr). Dazu kommen dann noch Ausrüstung zum Kochen, der eigentliche Proviant sowie Kleidung und Kleinigkeiten. Nun müssen Sie aber auch noch das Futter für Ihren Hund bedenken.
Zudem sollten Sie eine Decke und ein Handtuch zum Säubern für Ihren Liebling dabei haben. Auch er mag es nach einer langen Tour gerne möglichst bequem und wird mitunter ganz schön dreckig sein. Für Sie kann das aber eine Chance sein, denn meiner Erfahrung nach neigt man auch bei Outdoor-Abenteuern vor allem anfangs dazu, viel zu viel einzupacken. Einfache Faustregel: Was am Ende Ihrer Tour noch da bzw. sauber ist, muss beim nächsten Mal nicht mehr mit. Für mich persönlich ist es ein sehr befreiendes Gefühl, zu erfahren, auf wie viel ich eigentlich verzichten kann, wenn es darauf ankommt. Ihr Hund dagegen sollte auf nichts verzichten müssen, daher sollten Sie alle seine eventuellen Bedürfnisse im Vorfeld gut durchdenken. Sie sind nicht nur ein Freund für das Tier, sondern vor allem auch ein Schutzbefohlener.
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Zeichen erkennen, notfalls umplanen
Insofern müssen Sie unterwegs auch bereit sein, Zeichen zu erkennen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Bei mir war das am Ende nicht weniger als eine komplette Umstellung der eigentlich geplanten Tour mit Misiek. Ich hatte vor, mit ihm fünf Nächte im Freien zu verbringen. Doch während ich in der Natur im Regelfall einen sehr gesunden Schlaf finde, konnte Misiek das „Abenteuer“ überhaupt nicht genießen. Stundenlang saß er vor der Schutzhütte, in der ich mich niedergelassen hatte, und bellte nachts oft unvermittelt in die Dunkelheit. Sein Geruchssinn ließ ihn vermeintliche Gefahren wittern, an Schlaf war für ihn nicht zu denken. Irgendwann um 6 Uhr morgens lag er fiepend und wimmernd da, und mir war klar: Noch so eine Nacht würde ich ihm nicht antun.
In diesem Sinne war es hervorragend, dass wir zu unserer Tour im eigenen Auto angereist waren. Dieses diente uns dann in der Folge als Unterschlupf vor schlechtem Wetter wie auch als ungewöhnliche Schlafstatt. Ein Auto hat zudem den Vorteil, dass man Touren anders planen bzw. leicht umplanen kann. Statt langer Strecken machten Misiek und ich in der Folge einfach Rundwanderungen, die jeweils zum Wagen zurückführten. Und davon dann auch gerne mehrere am Stück, was sich am Ende mehr als einmal auch zu 16 Kilometern Strecke summierte. Ich gestand es mir nur ungerne ein, aber am Ende gefiel mir diese neue Art zu wandern fast besser als jene 25-Kilometer-pro-Tag-„Strafexpeditionen“, die ich mitunter in der Vergangenheit gemacht hatte.
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Das gemeinsame Tempo
Ein Thema für Sie und Ihren Hund wird mitunter sein, auf der Strecke ein für beide verträgliches gemeinsames Tempo zu finden. Ihr Vierbeiner nimmt seine Welt vor allem über den Geruchssinn wahr. Das bedeutet, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit sehr oft anhalten wird, um irgendwo zu schnüffeln. Gönnen Sie ihm diese Pausen und nutzen Sie sie selbst, um Luft zu holen, oder die Landschaft bewusster in sich aufzunehmen. Für die gemeinsame Tour empfehle ich, dem Hund eine längere Schleppleine anzulegen. So kann er sich unabhängig von Ihnen relativ frei bewegen. Mitunter zog es Misiek aber auch abseits vom eigentlichen Weg auf die Fährten von Wild, und in einem solchen Fall ist es gut, den Hund zurückziehen zu können. Er ist sonst schneller weg, als Sie gucken können. Und im absoluten Nirgendwo des Waldes nach ihm zu brüllen und zu beten, dass er wieder auftaucht, ist kein schönes Gefühl.
Vielleicht haben auch Sie kürzlich meinen Text bei TRAVELBOOK gelesen, warum ich am liebsten alleine auf lange Wanderungen gehe. Diesen schrieb ich vor meiner ersten Tour mit Misiek, und ihn würde ich auf ein solches Abenteuer jederzeit wieder mitnehmen. Schon vorher war ich als Vollzeit im Homeoffice Arbeitender immer für ihn da, aber diese Wanderung schweißte uns noch einmal ganz besonders zusammen. Einfach nur, ihn fröhlich durch die Landschaft traben und schnüffeln zu sehen, machte mich glücklich. Das Vertrauen zwischen uns wuchs in diesen Tagen noch einmal. Und auch, ohne dass ich seine Leine stets fest im Griff hatte, blieb er immer in meiner Nähe. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Wanderungen mit Ihrem Hund für Sie auch so schön werden.