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TRAVELBOOK-Autor berichtet

Warum ich meine Reisen fast nie plane

Reisen
Wer seine Reisen vorab nicht oder nur wenig plant, bewahrt sich die Möglichkeit auf spontane Erlebnisse und Begegnungen (Symbolfoto) Foto: Getty Images
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

12. Mai 2026, 10:16 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Für TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann ist die Möglichkeit zu Spontaneität eines der Dinge, die seine Lebensqualität enorm bereichern. Das gilt auch und besonders auf Reisen, weswegen er sie kaum bis überhaupt nicht vorbereitet und plant. Über die Magie des „sich-einfach-treiben-lassens“, das Leben im Moment und die magischen Erlebnisse, die ihm diese Einstellung immer wieder beschert.

Ich denke, ich kann zu Recht sagen, dass ich ein Leben führe, von dem andere träumen. Ich arbeite seit 2013 als Freiberufler und bin seitdem mehr oder weniger vollständig Herr meiner eigenen Zeit. Niemand, den ich fragen müsste, ob ich morgen frei haben oder Urlaub machen darf. Die Möglichkeit zu Spontaneität war für mich schon immer einer der bedeutendsten Faktoren, die für mich Lebensqualität bedeuten. Wie oft habe ich schon an einem Tag eine Landkarte angeschaut oder eine Website mit Flugpreisen, nur um am nächsten bereits auf dem Weg in ein neues Abenteuer zu sein? Besonders auf Reisen ist mir diese Möglichkeit zur Kurzentschlossenheit stets eine der wichtigsten Begleiterinnen gewesen – denn wer nicht plant, findet irgendwann von alleine die Grauzone, in der die unvergesslichsten Abenteuer passieren.

Jetzt mögen Sie, lieber Leser, vielleicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wie kann man nur so naiv sein? Gerade eine Reise will doch möglichst genau und akkurat vorbereitet sein. Damit auch ja nichts schiefgeht in der Fremde. Aber das Unbekannte ist für mich besonders dann spannend, wenn ich mich unvorbereitet, oder besser, unvoreingenommen, darauf einlassen kann. Die Geschichten, die das Leben schreibt, können meiner Meinung nach nicht stattfinden, wenn man sich vorher selbst schon ein festes Skript, eine Blaupause, gemacht hat. Einer meiner Lieblingssprüche ist ein Zitat, das ich einmal irgendwann las: „Der Reisende sieht, was er sieht. Der Tourist sieht das, was er zu sehen gekommen ist.“ Welcher von beiden wären Sie lieber? Ich glaube, die Antwort zu kennen.

Unsicherheit verhindert Abenteuer

Heutzutage hat jeder dank des Internets die Möglichkeit, sich sekundengenau auf eine Reise vorzubereiten. Da werden Ideen im Kopf geboren, die man dann nur ob der Online-Bewertungen von irgendwelchen völlig Fremden mit subjektivem Geschmack wieder verwirft. „Ach, XY sagt ja, da war es gar nicht so toll. Vielleicht müssen wir da gar nicht hin.“ So oder so ähnlich scheinen vor allem junge Leute heutzutage Reisen zu planen – mit dem Effekt, dass sie dann alle treffsicher an genau denselben Orten landen, nur weil das Netz die eben empfiehlt oder hochhypt. Ich habe das bereits 2016 auf einer längeren Südamerika-Reise erlebt, auf der ich an beliebten Orten wochenlang immer wieder dieselben Menschen traf.

Nun scheint Planung ja für viele Menschen auch Sicherheit zu bedeuten, weswegen ich das mit diesem Text auch auf gar keinen Fall jemandem ausreden möchte. Ich versuche nur, einen Impuls zu geben. Lassen Sie sich doch einmal ganz unvoreingenommen auf ein Abenteuer ein, ohne sich vorher ein Bild gemacht zu haben, welches von einem Bildschirm stammt. Sie werden überrascht sein, dass Sie auch ohne vorherige Reservierung vor allem an touristisch beliebten Orten garantiert ein Zimmer oder ein Restaurant finden. Die Unsicherheit, die aber wohl viele Menschen daran hindert, sich auf ein solches „Wagnis“ einzulassen, ist seit jeher mein Kraftstoff auf Reisen. Denn wo die Komfortzone aufhört, beginnt das Unbekannte, das Abenteuer.

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Den Einheimischen vertrauen

Sicher, irgendeinen Anlaufpunkt brauche natürlich auch ich für meine Reisen. Der beschränkt sich dann allerdings meist darauf, zu wissen, in welcher Stadt ich ankommen werde. Bei jeder Reise möchte ich einen Ort oder ein Land mit allen fünf Sinnen erleben: sehen, hören, schmecken, fühlen, riechen. Ich probiere kategorisch immer auch das ungewöhnlichste einheimische Essen und suche betreffs Empfehlungen für tolle Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten das Gespräch mit den Einheimischen. Denn wer würde einen Ort besser kennen als die Menschen, die dort wohnen? Auf Bali brachte eine solche Unterhaltung 2025 gleich eine ganze Verkettung glücklicher Umstände mit sich.

Ich wartete vor einem Supermarkt auf meine Freundin und kam dabei ins Reden mit einem Local. Er empfahl mir als lohnenswertes Ziel den Bergort Bedugul, von dem definitiv kein Reiseführer uns vorher berichtet hatte. Vor Ort fanden wir dann noch ein Stück echtes Bali mit atemberaubend schönen Tempeln. Dazu ein sehr ungewöhnliches Restaurant und den größten Botanischen Garten in ganz Indonesien. Von diesem holte uns bei strömendem Regen der Fahrer Bihi ab. Er erzählte uns von einem Strand, an dem man mit Delfinen schwimmen konnte. Nach einem unvergesslichen Tag mit den Tieren brachte er uns dann noch an einige der wenigen Wasserfälle auf Bali, an denen wir fast alleine waren. Es sind solche Erlebnisse, die mich bis heute glauben lassen, dass Reisen auch ohne große Planung geht.

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Völlig frei ins Unbekannte

Einen ganzen Spontan-Urlaub verbrachte ich 2023 eine Woche lang in dem wunderschönen Balkan-Land Bosnien. Da ich als Freiberufler immer zumindest ein wenig aufs Budget achten muss, stand ich vor der Reise vor einer Wahl. Sehr günstig waren Flüge nach Irland und eben Bosnien. Klar, nichts wie ab nach Irland, war mein erster Gedanke. Das wären sicher ebenfalls unvergessliche Tage geworden. Doch mein Bauch flüsterte mir, mich stattdessen lieber für die große Unbekannte zu entscheiden. Ein paar Klicks später war ich restlos begeistert von der Aussicht auf eine Woche in der Natur. Denn Bosnien besteht gefühlt wirklich nur aus Bergen, Wäldern und Wasser. Also nur den Flug gebucht, und alles Weitere würde sich schon finden.

Und genau so war es dann auch. Ich fragte vor Ort bei der Ankunft in Banja Luka nach lohnenswerten Reisezielen im Land. Diese waren dann dank der sehr guten und günstigen Fernbusse bequem und schnell zu erreichen. Ich bestaunte in Jajce den höchsten innerstädtischen Wasserfall auf europäischem Boden. Stand in der Altstadt von Mostar gegen Mitternacht bei knapp 30 Grad auf der weltberühmten Steinbrücke. Und besuchte im Sutjeska-Nationalpark sowohl den höchsten Berg des Landes als auch den ältesten Regenwald unseres Kontinents. An jedem Stopp waren es jeweils spontane Gespräche mit Menschen, die mich dann einen Schritt weiter führten. Der Fakt, dass es für mich Post-Corona der erste Trip war, auf dem ich mich wieder völlig frei fühlte, machte Bosnien endgültig zu einem Abenteuer, das ich nie vergessen werde.

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Erinnerungen fürs Leben

Vielleicht könnten Sie diese Art von Spontaneität bei Interesse auch selbst einmal üben. Dafür fängt man am besten klein an, und zwar direkt vor der Haustür. Erst kürzlich machte ein Freund von mir etwas ziemlich Cooles. Er klickte auf der Suche nach einem Ort für eine Campingnacht einfach völlig willkürlich auf Google Maps. Ein wenig so wie die Geschichte, bei der jemand seine Reise nach der Stelle plante, an der ein geworfener Dartpfeil in einer Landkarte stecken blieb. Ich fand die Idee so toll, dass ich ihn bat, mir seinen Standort zu schicken. Am nächsten Tag fuhr ich mit meiner Freundin genau dort hin. Die Krönung des Ganzen war dann aber, dass das Navi uns an eine falsche Stelle führte. Und wir nur deshalb eine tolle Rundwanderung bei Sonnenschein zu einem Aussichtsturm machten. Durch einen Wald, den ich als ein fantastisches Pilzrevier vermute.

Was ich sagen will, ist, dass Spontaneität beim Reisen in Deutschland oder gar Ihrem Bundesland bei allem Abenteuer immer noch vergleichsweise sehr viel Sicherheit bietet. Abenteuer light sozusagen. Und warum auch nicht? Irgendwo muss man ja anfangen. Ja, meine mehrtägigen Wandertouren führen mich mitunter in die wildeste Einsamkeit der Natur. Dennoch weiß ich, dass der nächste Ort dabei immer nur ein paar Kilometer entfernt ist, sollte ich aus irgendeinem Grund abbrechen müssen (oder, Gott bewahre, Sehnsucht nach „Zivilisation“ haben). Sie werden schnell merken, dass Ihnen jede noch so kleine spontane Tour ein großes Stück neues Selbstvertrauen gibt. Ihr Instinkt, der beste Ratgeber eines jeden Menschen, wird Ihnen schon sagen, wie weit Sie gehen können, ohne sich unwohl zu fühlen.

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Natürlich ist das wiederum eine völlig subjektive Meinung, aber für mich ist Planung das Gegenteil von Spontaneität, ja, ihr Feind. Planung mag manchen eine gewisse Sicherheit geben, würde aber meinen Horizont für das tatsächlich Mögliche erheblich einschränken. Außerdem spart es mitunter enorm viel Zeit, eine Reise nicht im Voraus in jedem Detail durchzudenken. Und wenn dann unterwegs unvorhergesehene Sachen passieren – und das werden sie – bringt es einen nicht so aus dem Konzept, weil man sich leichter den neuen Gegebenheiten anpassen kann. Noch so einer meiner Lieblingssprüche geht in etwa so: „Wer nichts erwartet, kann nicht enttäuscht werden, sondern nur überrascht.“ Und genau diese Überraschungen sind es ja, die aus einer Reise eine Erinnerung fürs ganze Leben machen.

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