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Hätten Sie das gedacht?

Laut Untersuchung! Das ist der dreckigste Gegenstand in Ihrem Gepäck

Welches ist der dreckigste Gegenstand im Gepäck?
Der dreckigste Gegenstand im Gepäck ist wahrscheinlich nicht das, was Sie dafür halten Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

9. März 2026, 18:47 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Reisende wissen sicherlich, dass etwa auf den Rollen ihres Rollkoffers der Schmutz der Orte haftet, die sie besucht haben – diesen sollte man also besser nicht unbedacht durch die Wohnung schieben. Tatsächlich ist jedoch ein eher unscheinbarer Reisegegenstand im Durchschnitt noch deutlich stärker mit Keimen belastet. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Untersuchung. Raten Sie mal!

Das ist laut Untersuchung der dreckigste Gegenstand im Gepäck

Auch wäre wohl naheliegend, dass nicht zuletzt die Kleidung, mit der man eine Reise antritt, voller Mikroorganismen ist. Deshalb waren neben anderen Gegenständen auch Schuhe und Mäntel Teil der betreffenden Untersuchung von JRPass.com. Mit dem Experiment wollte das Unternehmen aufzeigen, welche Dinge, die man typischerweise auf Reisen mit sich führt, besonders dreckig, also keimbelastet, sind. Die Ergebnisse wurden im Februar in einem Marketing-Report veröffentlicht und anschließend von Medien wie „Travel + Leisure“ aufgegriffen.

Heute sind sich viele Reisende durchaus bewusst, dass Koffer, die auf der Straße und auf verschmutzten Gepäckbändern transportiert werden, stark mit Keimen belastet sein müssen. Auch darüber, dass sich auf häufig genutzten Oberflächen schnell Mikroorganismen ansammeln können. Deshalb gehört Desinfektionsmittel für viele längst ins Reisegepäck. Ein Gegenstand, der ebenfalls stark mit Keimen belastet sein kann, wird jedoch wohl nur von den wenigsten Menschen gereinigt. Und das, obwohl er während einer Reise immer wieder angefasst und weitergereicht wird. Doch vor der Auflösung, zur Methodik der Untersuchung.

Details zur Untersuchung

Für die Untersuchung führte JRPass.com eine mikrobiologische Analyse durch. Mithilfe eines Petrischalen-Tests wollte das verantwortliche Forscherteam herausfinden, auf welchen Oberflächen sich besonders viele Mikroorganismen befinden. Es wurden dafür Abstriche von sechs verschiedenen Arten von Reisegegenständen genommen:

  • Handgepäckstücke
  • Aufgabegepäckstücke
  • Schuhe
  • Smartphones
  • Kleidungsstücke (z. B. Schuhe, Mäntel oder Jacken)
  • Reisepässe

Um die Ergebnisse besser vergleichbar zu machen, wurden jeweils drei einzelne Objekte pro Kategorie untersucht. Insgesamt basierte die Untersuchung also auf 18 getesteten Gegenständen.

Messung der mikrobiellen Belastung

Die Forscher verwendeten für ihre Untersuchung Nähragar. Dabei handelt es sich um ein stickstoffhaltiges Substanzgemisch in Gelform, das in der Mikrobiologie standardmäßig als Nährboden für Bakterienkulturen sowie zur Bestimmung der Keimzahl eingesetzt wird. Werden Proben von Oberflächen auf das Gel übertragen und anschließend inkubiert, beginnen vorhandene Mikroorganismen zu wachsen und bilden sichtbare Kolonien.

Nach der Inkubation zählten die Forscher die sogenannten Colony Forming Units (CFU), also etwa „koloniebildende Einheiten“ – eine gängige Maßeinheit in der Mikrobiologie, um zu messen, wie viele Bakterienkolonien auf einer Oberfläche wachsen können. Je höher der CFU-Wert, desto stärker ist eine Oberfläche mikrobiell belastet.

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Reisepass dreckigster Gegenstand im Gepäck – aus diesem Grund

Beim Reisepass zählte das Team 436 CFU – deutlich mehr als bei den anderen typischen Gegenständen, die man im Gepäck auf einer Reise dabei hat. Auf nächster Stelle, mit weitem Abstand, ordnet sich das untersuchte Aufgabegepäck mit 97 CFU ein. Es folgten Schuhe mit durchschnittlich 65 CFU und das Handgepäck mit 56 CFU. Smartphones wiesen in der Untersuchung 45 CFU auf, bei den analysierten Kleidungsstücken waren es nur 15 CFU. Damit lag die mikrobielle Belastung der Reisepässe mehr als viermal höher als die des nächstplatzierten Gegenstands.

Im Beitrag von „Travel + Leisure“ wird die hohe mikrobielle Belastung von Reisepässen vor allem durch den Kontakt mit verschiedenen Händen erklärt. Hände sind ein Hauptweg für die Verbreitung von Infektionskrankheiten, wie auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) betont. Deshalb zählen bekanntlich in Hotelzimmern die Fernbedienungen, Türgriffe oder Telefonhörer zu den größten Keimherden. Beim Reisepass kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu: Die Hände, die ihn berühren, stammen oft von Personen an stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten. Flughafenpersonal, Sicherheitskräfte oder Grenzbeamte haben Kontakt mit Reisenden (bzw. deren Dokumenten), die zuvor potenziell kontaminierte Oberflächen wie Check-in-Automaten, Gepäckwagen oder Rolltreppengeländer berührt haben. Auf diese Weise gelangen Mikroorganismen leicht auf den Pass, der im Gegensatz zu anderen persönlichen Gegenständen nur selten gereinigt wird.

Machen Reisepässe uns krank? Das sagt der Experte

Doch was bedeutet das Ganze für Reisende? Steckt man sich über Keime auf Reisepässen mit Krankheiten an? TRAVELBOOK hat diese Fragen dem Allgemeinmediziner Dr. med. Michael Feld gestellt. Er erklärt, dass eine hohe CFU-Zahl nicht automatisch bedeutet, dass ein Gegenstand gesundheitlich gefährlich ist. Zumal neben der Menge der Keime auch die Art des Erregers sowie die eigene Abwehrkraft für eine Ansteckung eine entscheidende Rolle spielen. Ein gesunder und ausgeruhter Mensch wird in der Regel nicht durch winzige Spuren von Bakterien krank, so Dr. Feld. Dies gelte zumindest solange es sich nicht um hochpathogene Mikroorganismen wie bestimmte Cholera- oder Noroviren handelt, die sehr ansteckend sind und lange auf Oberflächen überleben können.

Für die meisten Alltagskeime auf Reisedokumenten gelte jedoch: Ein entspanntes Händewaschen und gelegentliches Abwischen der Oberflächen reicht in der Regel aus. Übertriebene Desinfektionsmaßnahmen sind nicht nötig und können im Alltag sogar kontraproduktiv sein, da ein gewisser Kontakt zu Mikroben das Immunsystem trainiert.

Einordnung der Untersuchungsergebnisse

Über manche Ergebnisse könnte man sich vielleicht wundern. Beispielsweise darüber, dass das Smartphone, das ja ständig in den Händen gehalten wird, so viel besser abschneidet als der Reisepass. Eine mögliche Erklärung ist, dass viele Nutzer zwischendurch daran denken, das Smartphone beispielsweise mit einem Desinfektionstuch zu reinigen. Außerdem bleibt es auf Reisen meist in den Händen des Besitzers und kommt seltener mit fremden Oberflächen in Berührung.

Trotzdem: Zu hoch bewerten sollte man die Untersuchung nicht. Zum einen ist die Stichprobe mit nur 18 getesteten Gegenständen sehr klein, zum anderen fehlen zu zahlreichen Aspekten nähere Informationen, beispielsweise dazu, von wie vielen Personen die Gegenstände stammen und wie, wo und wann die Proben genommen wurden. Man darf also eher von einem kleinen Experiment sprechen, das lediglich einen Hinweis auf mögliche Unterschiede zwischen verschiedenen Gegenständen liefert. Die Ergebnisse erlauben keine abschließenden Aussagen zur mikrobiellen Belastung beim Reisen.

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