23. Februar 2026, 19:51 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
US-Amerikaner und Europäer reisen historisch gern und regelmäßig in das Land des anderen. Doch nicht so sehr in diesem Jahr. Ein aktueller Bericht der Europäischen Reisekommission hat ergeben, dass weniger US-Amerikaner nach Europa kommen wollen als bisher. Was dahintersteckt.
Lange Zeit in starker Verbundenheit vereint, knarzt es aktuell massiv im Verhältnis zwischen den USA und Europa. Ukrainekrieg, Grönland, Migration, Nato, Klima – die Liste der Themen, in denen sich die Trump-Regierung und die Europäische Union uneins sind, ist lang. Nicht zuletzt könnte sich das Auseinanderklaffen der Werte in diesem Jahr auch im Reiseverhalten zeigen. Nicht nur wollten zuletzt weniger Europäer in die USA reisen – Angst vor Schwierigkeiten bei der Einreise und Kritik an der aktuellen US-Regierung sind zwei der Hauptgründe –, auch die US-Amerikaner planen 2026 weniger Reisen nach Europa. Das hat ein Report der Europäischen Reisekommission (ETC) ergeben. Für diesen wurden zwischen dem 1. und 12. Dezember 2025 je 1000 Menschen aus sieben Nationen zwischen 18 und 70 Jahren befragt. Die Zahlen im Überblick.
US-Amerikaner planen 2026 weniger Europareisen
Nur 34 Prozent der US-Amerikaner wollen laut des ETC-Reports in diesem Jahr nach Europa reisen. Das sind drei Prozent weniger als im vergangenen Jahr und sogar elf Prozent weniger als noch 2024.
Ein Bericht des Reiseportals „The Travel“ untermauert den Abwärtstrend mit aktuellen Buchungszahlen. Demnach gingen die Flugbuchungen aus den USA nach Europa zwischen dem 7. Oktober 2025 und Ende Januar 2026 um 7,3 Prozent zurück. Das Reisemagazin beruft sich dabei auf Daten des Luftfahrtanalysten Cirium.
Demgegenüber steht eine Umfrage des Reiseportals „Travel Weekly“ an verschiedene US-amerikanische Reiseanbieter. Diese gaben laut des Portals übereinstimmend an, dass sie steigende Buchungszahlen für Europa im Jahr 2026 verzeichnen. Einen nennenswerten Anstieg von Stornierungen habe man dagegen nicht festgestellt. Im Januar gab es wohl einen Buchungsrückgang, der sei jedoch nur vorübergehend gewesen, erklärt „Travel Weekly“.
Stimmt es also, dass in diesem Jahr weniger US-Bürger nach Europa reisen – oder nicht? Der tatsächliche Rückgang an Buchungszahlen der US-Amerikaner nach Europa bleibt abzuwarten.
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Wieso wollen weniger US-Bürger nach Europa reisen?
Generell scheint das US-amerikanische Interesse an weiten Reisen in diesem Jahr gesunken zu sein: 50 Prozent der 1000 für den ETC-Report befragten US-Amerikaner planen 2026 überhaupt eine Langstreckenreise. Im vergangenen Jahr waren es noch 53 Prozent, 2024 noch 60 Prozent.
Und woran liegt das? Mitunter ist in diesen Tagen vom sogenannten „American Shame“ zu lesen, einer Angst, im Ausland für die Machenschaften der eigenen Regierung verurteilt zu werden. Der Bericht der ETC spiegelt diesen Ansatz zumindest dahingehend wider, dass es für immerhin 47 Prozent der befragten US-Amerikaner wichtig ist, dass an ihrem Reiseziel ähnliche Werte gelebt werden, wie sie selbst vertreten, darunter etwa Themen wie Nachhaltigkeit, Inklusion und Gleichberechtigung. Für mehr als die Hälfte sind jedoch die Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse vor Ort entscheidend. Die Antwort auf die Wertefrage lässt vermuten, dass es bei der möglichen Abkehr von Europareisen unter anderem auch darum geht, wird zuletzt immer deutlicher, wie sehr die Wertesysteme der EU und der USA auseinanderdriften. Doch der Hauptgrund ist laut ETC ein anderer, weitaus pragmatischerer.
Laut des Reports der Europäischen Reisekommission ist es das Geld, das die US-Bürger in diesem Jahr generell von weiten Reisen abhält. Mehr als die Hälfte will demnach aufgrund zu hoher Reisekosten auf Langstreckenreisen verzichten. Gerade Unterkunft und Verpflegung sehen sie an der obersten Stelle, wenn es um die Kosten im Europaurlaub selbst geht, An- und Abreise ausgenommen. Für andere Befragte stehen in diesem Jahr Inlandsreisen im Fokus. Weniger als zehn Prozent geben auch nicht genügend Reisezeit und geopolitische Konflikte als Gründe an. Darüber hinaus werden zudem administrative Hindernisse und Reisen innerhalb der eigenen Region genannt.
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Europa auch für andere Reisende weniger attraktiv
Das Interesse an Europareisen ist laut des ETC-Reports nicht nur bei US-Amerikanern gesunken. Auch die Gesamtzahlen der sieben im Report untersuchten Länder – China, Brasilien, Australien, Kanada, USA, Südkorea und Japan – zeigen einen Rückgang: Waren es 2024 noch 49 Prozent Europa-Reisende, sind es in diesem Jahr sieben Prozent weniger. Das größte Interesse signalisiert dabei China, mit 59 Prozent in diesem Jahr. Auch Brasiliens Interesse an Europareisen bleibt mit 54 Prozent hoch. Laut ETC reisen die Brasilianer weiterhin in erster Linie nach Portugal. Den größten Rückgang zeigen die Zahlen aus Australien: 47 Prozent planen eine Reise nach Europa und damit sieben Prozent weniger als im vergangenen Jahr.
Auch international ist vor allem die Höhe der Reisekosten der Hauptgrund, auf Reisen nach Europa zu verzichten (43 Prozent). 18 Prozent der Befragten geben darüber hinaus ein Interesse an einer anderen Region an. Für gerade einmal fünf Prozent ist Russlands Krieg gegen die Ukraine der Grund, in diesem Jahr nicht nach Europa zu reisen.
Wie sicher fühlt sich Europa für Reisende an?
Neben den genannten Gründen dürften auch Sicherheitsbedenken eine Rolle bei der Entscheidung für eine Reise spielen. Laut ETC ist die Sicherheit, alle untersuchten Länder zusammengenommen, der Nummer-eins-Faktor, wenn es um die Wahl des Reiseziels geht. 51 Prozent wählen demnach ihr Reiseziel in erster Linie danach aus, sechs Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das Sicherheitsgefühl ist dabei für knapp die Hälfte abhängig von einer geringen Kriminalitätsrate. Entscheidend sind zudem saubere touristische Einrichtungen (38 Prozent), sichtbare Sicherheitseinrichtungen (37 Prozent), politische Stabilität (34 Prozent) und freundliche Einheimische (34 Prozent). Auch Bewertungen anderer Reisender, Klima und vorhandene Informationen für Touristen helfen in Sachen Sicherheitsbedürfnis.
Und wie sicher fühlen sich die US-Amerikaner in Europa? Ob politische Stabilität, persönliche Sicherheit, Ungereimtheiten zwischen Touristen und Einwohnern, Klima oder Terror: US-Bürger geben auf einer Skala von 1 bis 5 durchweg Punkte im hohen 3er-Bereich an und fühlen sich laut ETC demnach „neutral bis etwas sicher“. Ähnlich geht es auch den anderen Nationen – bis auf Reisende aus China, die ihre Sicherheit in Europa noch höher bewerten.