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TRAVELBOOK-Autorin vor Ort

„Ich habe vier Wochen Urlaub im Trump-Amerika gemacht – und so war es“

USA-Flagge mit Stacheldraht
Spürt man die politische Lage in den USA als Tourist? Unsere Autorin hat es erfahren Foto: Getty Images/ Anna Wengel (Chiodo)
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Anna Wengel
Freie Autorin

15. August 2025, 17:10 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Unsere Autorin war vier Wochen lang in Neuengland unterwegs. Angesichts der aktuellen politischen Situation unter US-Präsident Donald Trump und diverser Negativschlagzeilen in den Medien, war sie mindestens gespannt, was sie während ihrer USA-Reise erwarten würde – und ob sie überhaupt einreisen darf. Bei TRAVELBOOK erzählt sie, was sie (nicht) erlebt hat.

Noch nie in meinem Leben war ich so gut vorbereitet, bevor ich eine Reise angetreten habe, wie bei dieser letzten USA-Reise unter Trump. Horrornachrichten von wochenlangen Inhaftierungen wegen angeblicher Arbeitsaufnahme in den USA, verweigerten Einreisen und wochenlang andauernden Laptop-Durchsuchungen lösten bei mir eine Angst aus, wie ich sie noch nie zuvor vor einer Reise empfunden hatte. Und ich war schon an weit gefährlicheren Orten als in den USA.

Also schmiss ich alle Arbeitsprogramme vom Laptop und bat TRAVELBOOK, mir ein Schreiben auszustellen, das versicherte, dass ich auch wirklich nicht arbeiten würde während meiner USA-Reise unter Trump Denn gerade wegen meiner freiberuflichen Tätigkeit als Reisejournalistin hatte ich größte Sorge. Ich druckte alle Flug- und sogar ESTA-Unterlagen aus, damit ich mein Handy während des Einreiseprozesses ausgeschaltet lassen konnte. Ich durchforstete sogar alte Artikel auf eventuelle Trump-Kritik und schmiss kritische Fotos und Nachrichten meiner Freunde vor der USA-Reise aus Messengern. Kurzum, ich war übertrieben gut vorbereitet. Und extrem nervös. Ebenso wie einige meiner Freunde und Familienmitglieder, die mir teils sogar rieten, gar nicht erst zu fliegen.

So war die Einreise in die USA

Gemeinsam mit meinem Mann und meiner Tochter landete ich schließlich Mitte Juli 2025 nach einem 16-Stunden-Flug von Melbourne, Australien, in Dallas, Texas. Hungrig, übermüdet und nervös stand ich in der Schlange und beobachtete die Leute links und rechts und vor allem vor mir an den Einreiseschaltern. Alleinreisende Frauen mit mehreren Kindern, Männer in muslimischer Glaubenstracht, Familien, einzelne Backpacker, Geschäftsreisende. Die Stimmung: überraschend entspannt.

Und schon waren wir an der Reihe: „Hi, how are you doing? What brings you to the States today?“, begrüßte uns der Grenzbeamte. Ich stammelte etwas von einer Hochzeit eines Freundes, zu der wir in Boston eingeladen seien, und anschließendem Urlaub, während ich versuchte, meine Tochter davon abzuhalten, eine Erdbeere auf mein Bein zu schmieren. Zwei Fotos, ein paar Fingerabdrücke und die kurze Info, dass wir direkt weiter nach Boston fliegen würden – und schon waren wir durch.

Noch nie in meinem Leben ging eine Einreise in die USA so schnell, war so unkompliziert, freundlich und vor allem arm an Fragen. Lag das nun daran, dass wir über Dallas einreisten, anstatt über New York oder Los Angeles, die eher von Europa aus angeflogen werden? Oder hatten wir einfach nur Glück? Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass weder mein Beruf als freiberufliche Reisejournalistin, noch ein vorangegangener Afghanistanaufenthalt im Jahr 2012 in irgendeiner Form zur Sprache kamen. Es gab einfach gar kein Problem. Selbiges galt übrigens für Boston, wo wir dank Inlandsflug nicht einmal mehr einen Ausweis vorzeigen mussten.

Dass es durchaus etliche Fragen und mitunter auch ein paar mehr Probleme bei der Einreise geben kann, zeigt dieser Artikel von BOOK-family-Chef Nuno Alves:

Wenig los, bis auf einen Zwischenfall

In Boston wohnten wir in der Nähe der Harvard University. Zuletzt Schauplatz von Protesten gegen die fragwürdigen Zensurmaßnahmen und Gelderstreichungen der Trump-Regierung. Spätestens hier erwartete ich Tumult, hatte allerdings nicht bedacht, dass während unseres Aufenthalts Sommerferien sein würden. Auch in Harvard und Umgebung: alles ruhig, nett und aufregungslos.

Und so sollte es weitergehen. Wir waren vier Wochen in den USA, sind von Boston nach New Milford (über den Aufenthalt im „echten“ Stars Hollow berichte ich hier), zurück nach Boston, weiter nach Salem, die Küste hoch nach Maine und von dort in die White Mountains in New Hampshire gefahren. Politisch motivierten Tumult gab es nie. Nur eine einzige Demonstration habe ich überhaupt gesehen. Das war in Portland, Maine, und es handelte sich um eine pro-palästinensische Demonstration.

Wenn ich recht darüber nachdenke, gab es jedoch ein Ereignis, das hier Erwähnung finden sollte, wobei auch nur unter Vorbehalt. In Connecticut habe ich eine Szene beobachtet, die mich noch eine Weile beschäftigt hat. Etliche offiziell aussehende, überwiegend weiße Autos standen dort achtlos geparkt vor einem Haus am Straßenrand, und irgendwie spürte ich, dass da gerade etwas passierte. Wenige Sekunden später kam tatsächlich eine Handvoll dunkel-uniformierter Männer aus dem Haus, zwischen ihnen weitere, die Hände auf dem Rücken.

Ich selbst war im Auto und bin weitergefahren. Entsprechend weiß ich nicht, was genau ich da gesehen habe. War es eine Razzia? War es wirklich der Beginn einer Deportation von Menschen, die Donald Trump nicht in seinem Land haben will? Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Weder beim U. S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) noch bei der örtlichen Polizei habe ich Nachrichten dazu gefunden. Daher an dieser Stelle bloß dieser kurze Eindruck ohne genauere Hintergründe.

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Schilder überall

Dies war der einzige Zwischenfall dieser Art während meiner USA-Reise unter Trump. Ansonsten schien auf den ersten Blick sichtbar alles wie immer. Zauberhaftes Neuengland im Sommer. Mit einer klaren Ausnahme: Schilder.

Von diesen habe ich während der Reise viele gesehen, manch eines tatsächlich schockierend. Während etliche Trump-Anhänger ihren Helden einfach nur in Riesenschildern im Vorgarten bitten: „Make America great again“, gab es das ein oder andere, das gleich die Tötung seiner politischen Gegner forderte. Und eins, das ich irgendwie sogar noch in gewisser Hinsicht schlimmer fand. Dieses Schild klebte auf einem Auto, das mehrere Tage auf einem Hotelparkplatz in Maine stand: Unter dem Hinweis, dass sich der Autobesitzer zum „Team Trump“ zählte, prangte der Zusatz: „Pureblood“.

Die gegnerische Seite scheint übrigens weitaus weniger schilderlastig, und, wenn überhaupt, sehr viel weniger laut und brutal für ihre Überzeugungen einzutreten. Wie dieses leise Flehen, das ich ebenfalls auf einem Auto entdeckt habe, zeigt: „Make America kind again“.

Wie ist die Stimmung?

Gespürt, wie angespannt die Stimmung angesichts der Machenschaften der Trump-Regierung im Land ist, habe ich während meiner letzten USA-Reise in erster Linie in Gesprächen. Während ich es von den meisten westlichen Ländern gewohnt bin, dass die Leute wahlweise desinteressiert sind oder einigermaßen wortstark gegen oder für ihre aktuelle Regierung eintreten, wurden die US-Amerikaner, die ich dazu befragte, allesamt recht still und wechselten meist schnell das Thema. Nur mit einer demokratisch gesinnten Bekannten habe ich ein längeres Gespräch führen können, in dem sie mir von ihren Sorgen berichtete. Ebenso wie von ihrer Überlegung, ihrem geliebten Boston den Rücken zuzukehren, sollte die Demokratie in den USA noch stärker leiden.

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