TRAVELBOOK-Autorin machte Urlaub in Thailand

Wie meine Schnorcheltour zum absoluten Albtraum wurde

Schnorcheln
Schnorcheln ist für viele Thailand-Touristen eine beliebte Urlaubsbeschäftigung. Im Süden und Osten von Thailand können Schnorcheltouren in fast allen Urlaubsorten gebucht werden. Doch gibt es dabei einiges zu beachten...
Foto: Getty Images

Schnorcheltouren gehören für viele Thailand-Touristen zum Urlaub mit dazu. Wer auf Nummer sicher gehen will, bucht seine Schnorcheltour bei einer Tauchschule und fährt auf einem der Tauchtourenboote mit. So hat es auch TRAVELBOOK-Redakteurin Gudrun Brandenburg gemacht – und ist am Ende gerade so mit dem Schrecken davon gekommen.

In Thailand und in anderen Tauch-Destinationen der Welt ist es üblich, dass Tauchschulen auch Schnorchler(innen) mit auf Tour nehmen. Vorausgesetzt natürlich, die Tauchplätze eignen sich auch zum Schnorcheln. Je nach Art und Beschaffenheit eines Tauchplatzes springen Taucher und Schnorchler entweder an ein- und derselben Stelle ins Wasser, oder aber beide Gruppen werden an unterschiedlichen Stellen abgesetzt und dort auch wieder eingesammelt. Bei meiner letzten Schnorcheltour in Thailand war leider Letzteres der Fall.

Am Anfang war alles perfekt

Anfangs lässt sich alles gut an: tolles Wetter mit wolkenlosem, knallblauem Himmel und einem nur leichten Wellengang. Dazu ein tolles Boot mit bequemen, gepolsterten Liegematten auf dem Oberdeck, tolle Leute und eisgekühlte Gratis-Getränke an Bord. Optimale Voraussetzungen also für eine gelungene Schnorcheltour.

Erste Zweifel

Während die Taucher noch beim „Buddy-Check“ (Überprüfung der Gurte, Flaschen, Atemregler etc.) sind, verlangsamt das Boot die Fahrt und stoppt. Zeit für mich, als einzige Schnorchlerin an Bord, vor allen anderen ins Wasser zu springen und die bunte Unterwasserwelt zu erkunden.

Ganz wohl ist mir nicht bei dem Gedanken, so ganz allein, weitab vom Land mitten im Meer zu schnorcheln. Doch was soll’s! Der Kapitän hat schließlich versprochen, nur kurz die Taucher abzusetzen und in spätestens 15 Minuten mit dem Boot wieder zurück zu sein. Ich gebe mir also einen Ruck, springe von Bord und finde mich in einem ziemlich aufgewühlten Meer wieder. Von oben hatten die Wellen gar nicht so hoch ausgesehen.

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Kampf gegen die Wellen

Ich habe alle Mühe, gegen die Wellen anzukämpfen, lege aber dennoch Maske und Schnorchel an. Da die Sicht unter Wasser allerdings gleich null ist und mein Schnorchel ständig mit Wasser vollläuft, gebe ich das Schnorcheln nach einigen Minuten wieder auf und möchte das Boot am liebsten zurückwinken. Doch es ist schon zu weit entfernt.

Ein absurder Gedanke

Ich beginne, zu rechnen: Bis die Taucher von ihrem Tauchgang zurück und wieder an Bord des Schiffs sind, würde mindestens eine Stunde vergehen. Und weitere zehn, 15 Minuten, bis die Taucher ihre Geräte abgelegt und sich umgezogen haben und dann hoffentlich bemerken würden, dass ich nicht an Bord sei. Plus der Zeit natürlich, die das Boot anschließend brauchen würde, um mich aufzugabeln. Summa summarum würden also rund eineinhalb Stunden vergehen, bis das Boot wieder zurück wäre. Vorausgesetzt, jemand würde überhaupt bemerken, dass ich nicht an Bord sei.

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Erschöpfung, Angst und Hilflosigkeit

Plötzlich überkommt mich Angst. In einiger Entfernung ankern zwar mehrere Tauchtourenboote. Doch würden diese sicher längst weg sein, bevor ich nah genug dran wäre, um mich bei der Crew bemerkbar machen zu können. Bleibt als einziger Rettungsanker also nur die Insel vor mir. Ob ich sie bei dem Wellengang wohl erreichen werde?

Ohne länger nachzudenken, schwimme ich los. Jedoch komme ich wegen der starken Wellen und Strömungen trotz Flossen nur langsam voran. Das Wasser klatscht mir permanent ins Gesicht.

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Plötzlich fühle ich einen heftigen Schmerz im linken Oberschenkel. Der Krampf könnte kaum schlimmer sein. Da ich das Bein nicht bewegen kann, versuche ich, mich mit den Armen rudernd über Wasser zu halten. Tränen schießen mir in die Augen. Vor Schmerz, vor Angst, vor Erschöpfung, vor Hilflosigkeit.

Nachdem die Schmerzen endlich nachgelassen haben, trete ich mit den Flossen weiter gegen die Strömung an. Zug um Zug nähere ich mich der Insel. In etwa 20 Minuten, so schätze ich, habe ich den Strand hoffentlich erreicht.

Ende gut, alles gut?

Zähne klappernd vor Kälte und ziemlich erschöpft steige ich schließlich aus dem Wasser, lasse mich in den Sand fallen, meine Haut von der Sonne trocknen und schließe die Augen. Wie lange ich so da gelegen habe, weiß ich nicht. Plötzlich erwache ich von einem Hupen und sehe unweit vom Strand entfernt „mein“ Schiff. Der Kapitän, die Bestatzung, die Taucher – alle halten Ausschau nach mir. Ich stehe auf, mache winkend auf mich aufmerksam und steige ein paar Minuten später zwar erleichtert, aber auch stinksauer in das kleine Ruderboot, das mich vom Strand rüber zum Schiff bringen wird.

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Klar ist: Was mich betrifft, ist auf dieser Tour gegen alle Sicherheitsregeln verstoßen worden. Zum einen, weil der Kapitän mit dem Schiff gar nicht erst hätte wegfahren dürfen, da ich allein war, er mich obendrein vergessen hat und zum anderen, weil an Bord – wie sonst üblich – ganz offensichtlich nicht durchgezählt wurde.

Wer sich vor ähnlichen albtraumhaften Erlebnissen schützen will, sollte besser nur solche Schnorcheltouren buchen, bei denen gewährleistet ist, dass die Schnorchler am selben Ort wie die Taucher abgesetzt werden und das Schiff für jeden jederzeit erreichbar ist.

 

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