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Geniale Idee eines Geschäftsmanns

Diese deutsche Stadt gilt als Geburtsort der Kreuzfahrt

Eine deutsche Hafenstadt gilt als Geburtsort der Kreuzfahrt. Erkennen Sie sie?
Eine deutsche Hafenstadt gilt als Geburtsort der Kreuzfahrt. Erkennen Sie sie? Foto: Getty Images
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

16. Februar 2026, 7:34 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Im Jahr 1891 revolutionierte die geniale Idee eines findigen deutschen Geschäftsmannes das Reisegeschäft für immer. Damals startete er von Cuxhaven aus mit 240 Passagieren an Deck eines luxuriös ausgestatteten Übersee-Dampfers zu einer zweimonatigen Orient-Reise. Diese gilt vielen als erste Kreuzfahrt der Geschichte, und setzte den Startschuss für einen Reisetrend, der sich bis heute immer größerer Beliebtheit erfreut. TRAVELBOOK erzählt die Story der einmaligen Reise und ihrer Folgen.

Das niedersächsische Cuxhaven an der Nordseeküste fristet neben den bekannten deutschen Hafenstädten Hamburg, Kiel und Rostock eher ein Schattendasein. Während die vorgenannten Ziele pro Jahr mehrere hundert Kreuzfahrtschiffe anlaufen, ist es auf dem örtlichen Liegeplatz, der Steubenhöft, meist sehr ruhig. Dabei war es genau hier, dass im Jahre 1891 der Startschuss in ein neues Zeitalter des Reisens fiel. Denn von Cuxhaven aus startete damals eine mehrmonatige Schiffsreise, die heute als die erste Kreuzfahrt der Geschichte gilt. Ihr Preis: Utopisch. Ihre Gäste: Die absolute gesellschaftliche Oberklasse. Ihr Ziel: Der Orient. Dies ist die Nacherzählung eines Abenteuers, das einen bis heute anhaltenden Reisetrend erschuf.

Es ist der 22. Januar 1891, und im Port von Cuxhaven herrscht helle Aufregung. Niemand anders als Kaiser Wilhelm II. hat sich angekündigt, um persönlich das Schiff „Augusta Victoria“ der „Hamburg-Amerikanischen-Paketfahrt-Actien-Gesellschaft“, kurz Hapag, in Augenschein zu nehmen. Denn dieses soll an diesem Tag zu einer zweimonatigen Pionierfahrt aufbrechen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Laut der Zeitung „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für Politische Bildung hatte es ab November 1880 in überregionalen Zeitungen immer wieder Ausschreibungen für eine „Excursion nach Italien und dem Orient“ gegeben, „genügende Betheiligung vorausgesetzt“. Und die Beteiligung ist mehr als genügend, das Schiff mit etwa 240 Passagieren an Bord komplett ausgebucht. Und das trotz der Tatsache, dass die Teilnahme an der ersten Kreuzfahrt der Geschichte das drei- bis vierfache eines damaligen Jahresgehaltes kostet.

Kreuzfahrt
Die „Augusta Victoria“ der Firma Hapag war 1891 das erste Schiff, dass von Deutschland aus eine mehrmonatige Kreuzfahrt unternahm. Mitunter gilt ihre Fahrt sogar als erste Reise dieser Art überhaupt Foto: picture alliance / ullstein bild

Revolutionäre Umnutzung

Kaiser Wilhelm II. bestaunt das luxuriös ausgestattete Schiff, dann legt die „Augusta Victoria“ ab. Ihr Ziel ist zunächst Hamburg, dann geht es nach Southampton in England. Von dort reist man über Genua und Gibraltar nach Alexandria, Port Said, Jaffa, Beirut, Konstantinopel (heute Istanbul), Athen, Malta, Palermo, Neapel und Algier, schließlich nach Lissabon. Von hier aus soll es dann wieder zurück nach Hamburg und schließlich Cuxhaven gehen. Die Idee für die Luxus-Kreuzfahrt hatte Alfred Ballin, Direktor der Hapag, selbst ein paar Jahre zuvor. Seine Schiffe bedienten nämlich normalerweise die See-Verbindung in die USA. Sie wurde damals vor allem von Auswanderern genutzt. In der kalten Jahreszeit brach dieses Geschäft jedoch regelmäßig weg. So suchte Ballin nach einer anderen Möglichkeit, seine großen Schnelldampfer auszulasten.

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An Bord fehlt es den Gästen auf ihrer Kreuzfahrt an nichts, 245 Crewmitglieder kümmern sich um jegliche Bedürfnisse. Für das leibliche Wohl ist gesorgt, die Vorräte der „Augusta Victoria“ beinhalten unter anderem fast 12.000 Austern, knapp 2400 Pfund Schinken, 43.700 Eier und 700 Rehrücken. Für Unterhaltung an Deck sorgen Tanzabende und Kunstausstellungen. In mehreren der Häfen gehen die Gäste auch für Landausflüge von Bord. So sehen sie zum Beispiel die Pyramiden in Kairo. Sie besuchen Jerusalem und die Akropolis, manche besteigen gar den Vesuv. Unter den Reisenden sind hauptsächlich alleinstehende Männer bzw. Väter mit Töchtern im heiratsfähigen Alter. Paare gibt es an Deck kaum, Kinder überhaupt nicht. Die meisten Passagiere teilen sich eine Kabine mit einer anderen Person.

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Gewaltige Nachfrage

Als die „Augusta Victoria“ am 21. März 1891 wieder in Cuxhaven einläuft, steht für Hapag-Direktor Ballin bereits eines fest. Eine solche Kreuzfahrt wird er fortan jedes Jahr anbieten. Schnell weitet sein Unternehmen daher auch das Angebot mit Reisen nach Norwegen und in die Karibik, die damals noch als West-Indien bekannt ist, aus. Andere Reedereien folgen schon bald dem Beispiel. Die Nachfrage ist so gewaltig, das mehrere Firmen problemlos nebeneinander existieren können. Die Hapag vergrößert deswegen dem „NDR“ zufolge schon bald ihre Flotte, schickt 1905 mit der „Kaiserin Auguste Viktoria“ das bei seiner Inbetriebnahme größte Schiff der Welt auf Reisen. Die Kreuzfahrt-Pionierin „Augusta Victoria“ dagegen findet ein unrühmliches Ende. 1904 außer Dienst gestellt, fährt sie unter dem Namen „Kuban“ bis 1907 unter Flagge der russischen Kriegs-Marine, und wird dann in Stettin abgewrackt.

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Bereits im Jahr 1900 hatte die Reederei Blohm+Voss mit der „Prinzessin Victoria Luise“ das erste Schiff weltweit vom Stapel gelassen, das ausschließlich für Kreuzfahrten gebaut wurde. Dennoch fanden diese bis in die 1960er-Jahre immer noch mehrheitlich auf normalen Linienschiffen und außerhalb der Transatlantik-Saison statt. Die Prägung des Begriffs „Kreuzfahrt“ übrigens kam in den 1920er-Jahren auf und leitet sich her vom Segeln, wo die Bewegung von Schiffen mit oder gegen den Wind auch als „kreuzen“ bezeichnet wird. Zur damaligen Zeit war die Nachfrage nach dem Angebot mittlerweile so beträchtlich, dass sich ab den 1950er Jahren auch Anbieter wie AIDA etablieren konnten, die die Reisen vergleichsweise günstig anboten.

Es gab schon früher Kreuzfahrten

Heute sind Kreuzfahrt-Schiffe nicht selten schwimmende Städte, die mehrere tausend Passagiere gleichzeitig transportieren können. Weltweit stehen Reedereien in der Kritik, weil sie mit ihrem Konzept massiv zu Overtourismus und Umweltverschmutzung beitragen. Davon ahnte Albert Ballin vermutlich noch nichts, als er im Januar 1891 mit seinen Gästen an Bord der „Augusta Victoria“ auf die Kreuzfahrt ging. Den allerersten Anbieter, die Hapag, nach einer Fusion mittlerweile Hapag-Lloyd, gibt es übrigens immer noch. „Kreuzfahrten bieten wir aber heute selbst nicht mehr an“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf TRAVELBOOK-Anfrage. „Dieses Geschäft haben wir verkauft und sind mittlerweile mit 300 Schiffen die fünftgrößte Container-Reederei der Welt. Aber natürlich haben wir zu unserer Firmengeschichte ein sehr großes Archiv.“ Das Kreuzfahrtgeschäft führt heute Hapag-Lloyd Cruises.

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Im Übrigen gibt es aber wohl durchaus Zweifel daran, ob die Fahrt von Cuxhaven aus 1891 tatsächlich die allererste Kreuzfahrt der Welt war. Die Bundeszentrale für Politische Bildung verweist darauf, dass zum Beispiel der Schriftsteller Mark Twain im Jahr 1867 an einer mehrmonatigen Charterfahrt zu Zielen im gesamten Mittelmeer teilnahm. Auch boten demnach norwegische und britische Reedereien unter dem Prädikat „Pleasure Cruise“, also etwa „Vergnügungs-Fahrt“, bereits ab 1875 ähnliche Formate an. Dass die Fahrt mit der „Augusta Victoria“ aber bis heute als Geburtsstunde der Kreuzfahrt als Geschäftsmodell gilt, liegt unter anderem an der großen öffentlichen Aufmerksamkeit, die der Reise damals zuteilwurde. Auch befeuerten populäre Reise-Erzählungen von Autoren wie Karl May zur damaligen Zeit besonders die Fantasie und Sehnsucht vieler Menschen.

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