4. Juni 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Kreuzfahrtschiffe werden seit Jahrzehnten immer größer, luxuriöser und spektakulärer. Doch ein geplantes Projekt würde selbst die heutigen Giganten der Meere ziemlich klein aussehen lassen: die „Freedom Ship“ – eine Art schwimmende Stadt mit Platz für Zehntausende Menschen. TRAVELBOOK nennt die Details zu den Plänen.
Mehr als 1,5 Kilometer lang, 240 Meter breit und 30 Decks hoch – mit diesen gigantischen Maßen soll die „Freedom Ship“ das „größte jemals in der Geschichte gebaute maritime Gefährt“ werden, wie es auf der offiziellen Website des ambitionierten Projekts heißt. Bis zu 80.000 Menschen könnten darauf Platz haben, darunter Bewohner, Besucher und natürlich die Crew. Während andere Schiffe jedoch Häfen anlaufen und feste Routen fahren, soll die „Freedom Ship“ dauerhaft um die Welt kreisen.
Was nach einer wahnwitzigen und utopischen Vision klingt, ist ein durchaus ernst gemeintes Konzept, hinter dem das US-Unternehmen Freedom Cruise Line International steht. Für das Design wurde das Büro Schopfer Associates beauftragt. Außerdem sollen maritime Experten, Schiffbau-Spezialisten und international bekannte Architekten beteiligt werden. Dabei ist die Idee nicht neu. Das Projekt war bereits Ende der 1990er-Jahre vorgestellt worden. Jetzt soll es neu durchstarten.
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Eine Stadt auf See – größer als alles bisher Dagewesene
An Bord sollen etwa 50.000 feste Bewohner, 10.000 temporäre Gäste und 20.000 Crewmitglieder leben und arbeiten. Geplant sind Schulen, Parks, Geschäfte, Hotels, ein Krankenhaus und sogar ein Sportstadion. Die Macher sprechen deshalb weniger von einem Kreuzfahrtschiff als vielmehr von einer dauerhaft bewohnten Metropole auf dem Meer. Zum Vergleich: Sie könnte mehr als achtmal so viele Menschen aufnehmen wie die derzeit größten Passagierschiffe der Welt, die Star of the Seas und die Icon of the Seas der Reederei Royal Caribbean. Mit einer Länge von etwa 365 Metern und „nur“ 20 Decks dürften diese neben der „Freedom Ship“ geradezu winzig wirken.
Damit an Bord des Giganten niemandem langweilig wird, ist eine riesige Auswahl an Einrichtungen geplant. Dazu gehören unter anderem ein Sportstadion mit 15.000 Plätzen, zwei Museen, ein Kongresszentrum, eine Konzerthalle, ein Wasserpark, ein zweistöckiger Food-Court, Geschäfte, Banken, ein Nachtclub und ein Aquarium, in dem Gäste sogar tauchen können. Für Besucher sollen außerdem zwei Hochhaushotels entstehen. Auch acht Helikopterlandeplätze sind vorgesehen. Kinder, die dauerhaft auf dem Schiff leben, sollen an Bord zur Schule gehen können – vom Grundschulalter bis hin zum College-Niveau.
Weil die Wege auf diesem schwimmenden Koloss lang wären, ist sogar ein eigenes Transportsystem geplant. Eine Straßenbahn soll Passagiere über das Schiff bringen. Hinzu kommen rund 24 Kilometer Fußwege und etwa drei Hektar Parkflächen.
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Alle zwei Jahre eine Weltumrundung
Die „Freedom Ship“ soll alle zwei Jahre einmal die Welt umrunden – mit einer eher gemächlichen Geschwindigkeit von rund sieben Knoten. In Häfen würde das Schiff allerdings wohl nicht einlaufen. Dafür wäre es schlicht zu groß. Stattdessen müsste es in internationalen Gewässern bleiben. Wer die schwimmende Stadt besuchen möchte, würde mit Fähren von nahegelegenen Häfen zur „Freedom Ship“ gebracht werden.
Schon heute gibt es sogenannte „Never-ending-Cruises“, also Kreuzfahrten ohne festes Ende. Dazu zählen etwa The World, ein privates Wohn-Kreuzfahrtschiff für wohlhabende Eigentümer, und die günstigere Villa Vie Odyssey. Beide bieten Menschen die Möglichkeit, dauerhaft auf See zu leben. Doch verglichen mit der Freedom Ship wären sie winzig: Während diese Schiffe nur einige Hundert Passagiere aufnehmen können, soll die Freedom Ship Platz für Zehntausende bieten.
Wie realistisch sind die Pläne?
Einen offiziellen Starttermin gibt es bislang nicht. Allein die Baukosten sind gigantisch, sollen schätzungsweise rund 13,9 Milliarden Euro betragen. Die Finanzierung dürfte eine der größten Hürden bleiben. Man gibt sich aber zuversichtlich, genügend Investoren zu gewinnen. „Dann könnte das Schiff innerhalb von drei Jahren gebaut werden“, sagt Roger Gooch, CEO von Freedom Cruise Line International, auf Nachfrage von TRAVELBOOK.
Aber: Wie lebt es sich dauerhaft auf einem Schiff, das nie anlegt? Wie nachhaltig wäre eine solche schwimmende Megastadt? Und wer könnte sich ein Leben an Bord überhaupt leisten? Die Idee klingt spektakulär – aber sie wirft auch jede Menge Fragen auf.

