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Wertschätzung für die Crew?

So viel „Trinkgeld“ stellen Ihnen Kreuzfahrt-Reedereien in Rechnung

Diskussionen um verpflichtende Trinkgelder auf Kreuzfahrten
Immer mehr Reedereien, darunter auch Princess Cruises, sollen die Bordkonten ihrer Kreuzfahrtpassagiere automatisch mit Trinkgeldern belasten Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

26. Juni 2026, 17:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Geben Sie Trinkgeld, wenn Sie mit einem Service zufrieden sind? In Deutschland ist das üblich – und vor allem freiwillig. Auf vielen Kreuzfahrten soll genau das inzwischen anders aussehen. Medienberichten zufolge berechnen immer mehr Reedereien ihren Gästen automatisch eine sogenannte „Crew Appreciation“, also eine „Anerkennung für die Crew“ in Form einer Servicegebühr, die täglich pro Person auf das Bordkonto gebucht wird. Erfahren Sie mehr darüber bei TRAVELBOOK.

Diskussionen um verpflichtende „Trinkgelder“ auf Kreuzfahrten

Steigende Preise für Kreuzfahrten sind ein viel diskutiertes Thema in Internetforen wie „Reddit“. Allem voran steht dabei eine unliebsame Trinkgeldregelung in der Kritik. Viele Nutzer beschreiben die eigentlich freiwillige Abgabe als faktisch verpflichtende Zusatzkosten und bemängeln dabei fehlende Transparenz. Vor allem würden die Gebühren sich insbesondere auf längeren Reisen deutlich summieren – teils auf mehrere hundert bis über tausend Dollar.

Unter anderem bei „Fox News“ erfährt man Näheres über die Art der Berechnung der sogenannten Crew Appreciation. Diese buche etwa die Reederei Holland America Line standardmäßig auf das Bordkonto ihrer Kreuzfahrtgäste. Das mache sie zu einer festen täglichen Gebühr. Der Betrag liege dabei bei umgerechnet rund 15,50 Euro pro Person und Tag in Standardkabinen sowie rund 17 Euro in Suiten.

Interessant: Auf der Website der Reederei ist eine „optionale Trinkgeldregelung“ beschrieben. Wobei man sich das Wort „optional“ ein wenig genauer ansehen sollte.

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Zahlung ist obligatorisch – Betragshöhe ggf. noch festzulegen

Von einer gänzlich freiwilligen Zahlung scheint nämlich nicht die Rede zu sein. Vielmehr können Gäste, wie „Fox News“ erläutert, den konkreten Betrag des obligatorischen „Trinkgelds“ nach eigenem Ermessen anpassen, also gegebenenfalls niedriger oder höher ausfallen lassen.

Bei Princess Cruises haben Kreuzfahrtpassagiere weniger Spielraum. Wie auf der Website der Reederei eindeutig nachzulesen ist, funktioniert die Crew Appreciation hier als täglicher Betrag pro Gast, der automatisch auf dessen Bordkonto landet. Damit sollen die Leistungen verschiedener Besatzungsmitglieder honoriert werden, die zum „gesamten Kreuzfahrterlebnis beitragen“.

Auch MSC Cruises und Carnival Cruise Line haben die umstrittenen Gebühren zuletzt erhöht. Während MSC auf Karibik- und Alaska-Routen inzwischen 17 US-Dollar pro Person und Nacht Crew Appreciation verlangt, berechnet Carnival 17 US-Dollar in Standardkabinen und 19 US-Dollar in Suiten.

Rechtsanwalt: „Es handelt sich nicht um ein klassisches Trinkgeld“

Im Gespräch mit TRAVELBOOK stellt der Rechtsanwalt Jan Bartholl klar: Juristisch ist der Begriff „Trinkgeld“ in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt. Ein Trinkgeld sei grundsätzlich eine freiwillige Zahlung als Anerkennung für guten Service. 

Werden dagegen feste Beträge vorgegeben oder automatisch erhoben, handelt es sich rechtlich nicht mehr um Trinkgeld, sondern um einen Bestandteil des Reisepreises. Darauf verweist auch ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2015. Verpflichtende Serviceentgelte müssen demnach bereits im beworbenen Gesamtpreis enthalten sein. 

Für Reisende bedeutet das: Sie sollten genau prüfen, ob die entsprechenden Gebühren nur empfohlen oder tatsächlich verpflichtend sind. Entscheidend ist, ob sich die Beträge an Bord reduzieren oder streichen lassen. Ist das möglich, gelten sie rechtlich weiterhin als freiwillig – auch wenn sie zunächst automatisch berechnet werden. 

Wichtig: Passagiere müssen vor Buchung informiert sein

Wichtig ist zudem die Transparenz vor der Buchung. Wer bereits im Vorfeld über solche Kosten informiert wird und die Reise trotzdem bucht, akzeptiert grundsätzlich die Bedingungen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Gebühren klar ausgewiesen und in die Preisentscheidung einbezogen werden können. 

Rechtsanwalt Bartholl betont, dass seine Einschätzung auf deutschem Recht basiert. Werden Kreuzfahrten über deutsche Reiseveranstalter gebucht, müssen verpflichtende Preisbestandteile im Gesamtpreis enthalten sein. Zusätzliche obligatorische Serviceentgelte dürfen dann nicht erst nachträglich separat berechnet werden. 

In den USA ist die Praxis etwas anders: Zwar sind auch dort klassische Trinkgelder rechtlich freiwillig, gesellschaftlich jedoch deutlich stärker erwartet. Sogenannte „Automatic Gratuities“ oder „Service Charges“ gelten dagegen in der Regel als festgelegte und verbindlich erhobene Gebühren. 

Wertschätzung für die Crew – im Grunde keine schlechte Idee?

Unter den kritischen Stimmen auf Reddit sind einige Nutzer, die eine finanzielle Anerkennung für die Crew grundsätzlich sinnvoll finden. Sie könne die oft anspruchsvolle Arbeit an Bord würdigen und einen zusätzlichen Beitrag zum Einkommen der Beschäftigten leisten.

Gleichzeitig betonen einige, dass sie grundsätzlich bereit sind, für guten Service selbst Trinkgeld zu geben – auch auf einer Kreuzfahrt. In Kombination mit den verpflichtend wirkenden Zusatzgebühren könne dies jedoch schnell den finanziellen Rahmen des Urlaubs sprengen. Kritisiert wird zudem, dass unklar bleibt, in welchem Umfang die automatisch erhobenen Beträge tatsächlich direkt beim Servicepersonal ankommen oder ob sie teilweise zur Deckung betrieblicher Kosten der Reedereien verwendet werden.

Auch interessant: Muss man im All-inclusive-Hotel eigentlich Trinkgeld geben?

Der allgemeine Tenor ist recht deutlich. Der Großteil der Nutzer fordert, dass Reedereien Personalkosten direkt in den Reisepreis einrechnen. Sie sollten „Trinkgelder ganz abschaffen und das Personal stattdessen ordentlich bezahlen“.

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