4. August 2026, 17:33 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Den Urlaub einmal bewusst langsamer angehen, weniger auf den Bildschirm schauen und mehr echte Begegnungen erleben. Genau das steckt hinter dem Trend „Nonnamaxxing“. Immer mehr junge Menschen orientieren sich dabei am Lebensstil italienischer Großmütter, den sogenannten Nonnas. Statt sich von Termin zu Termin zu hetzen, stehen gemeinsames Kochen, Spaziergänge und Zeit mit anderen Menschen im Mittelpunkt. Auch auf Reisen gewinnt dieser gemütliche Ansatz zunehmend an Bedeutung.
Das versteht man unter Nonnamaxxing
Unter dem Trend „Nonnamaxxing“ versteht man, den entspannten Lebensstil von italienischen Omas („Nonnas“) zu übernehmen. Besonders auf Social Media geht der Trend viral und zahlreiche Jugendliche verbringen mehr Zeit mit Häkeln, Backen oder Spaziergängen, anstatt nur auf das Smartphone zu starren.
Die Idee dahinter ist, das Leben bewusster wahrzunehmen und sich zumindest zeitweise von der ständigen digitalen Erreichbarkeit zu lösen. Besonders im Urlaub scheint dieser Ansatz für viele attraktiv zu sein.
Zusätzlich werden Freizeitangebote beliebter, die von Seniorinnen und Senioren geleitet werden. Dazu gehören Kochkurse, traditionelle Handwerksworkshops oder auch geführte Spaziergänge durch die eigene Nachbarschaft. Die Gen Z entdeckt dabei, wie viel man von älteren Generationen lernen kann.
Warum ausgerechnet die italienische Oma?
Dass der Trend sich speziell auf italienische Großmütter bezieht, kommt nicht von ungefähr. Laut „Statista“ hat Italien eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit und man könnte vermuten, dass diese auf die entspannte Lebensweise der Italiener zurückzuführen ist. Das Zusammenspiel aus Liebe zum Essen, starker Familienverbundenheit und dem Drang nach Natur scheint dem Gemüt gut zu tun.
Beim sogenannten „Maxxing“ geht es darum, das Beste aus einer Sache herauszuholen. Im Fall von Nonnamaxxing bedeutet das, sich von der Gelassenheit einer italienischen Nonna inspirieren zu lassen und den Urlaub möglichst entspannt zu gestalten.
Oma-geleitete Kurse werden weltweit beliebter
Dass Reisende zunehmend nach authentischen Erlebnissen suchen, zeigt auch eine Umfrage des Reiseanbieters „Get Your Guide„. Für die Ausgabe „The Rise of Grandma Tourism“ wurden 8110 Reisende aus Frankreich, Deutschland, den USA und Großbritannien befragt.
Das Ergebnis zeigt, dass immer mehr Menschen reisen gehen, gerade weil sie persönliche Geschichten und lokale Erfahrungen sammeln möchten. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine Aktivität buchen würden, die von Seniorinnen oder Senioren geleitet wird.
Travel-Maxxing statt Strandurlaub – das steckt hinter dem Urlaubstrend
Leben, wo andere Urlaub machen? Ich habe es ausprobiert
Was Reisende von Großmüttern lernen können
Die Begegnung mit älteren Generationen ist für viele etwas Besonderes, wie auch eine Reporterin der BBC schildert. Sie berichtet von einem Massagekurs in Bangkok, bei dem sie von älteren Frauen unterrichtet wurde. Besonders beeindruckt habe sie die ruhige Atmosphäre und die Zeit, die man sich füreinander nahm. Gespräche während einer Teepause seien genauso wertvoll gewesen wie der eigentliche Kurs.
Auch Get Your Guide stellt ältere Frauen aus verschiedenen Ländern vor, die Reisenden traditionelle Fähigkeiten vermitteln. Nonna Rosella aus Rom erzählt beispielsweise, dass sie beobachtet, wie Menschen während ihrer Kurse wieder mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Für sie sei genau das das Wichtigste.
Ähnliche Erfahrungen macht auch Kayoko aus Tokio. Sie berichtet, dass viele junge Reisende ihr Geld lieber in besondere Erfahrungen investieren als in luxuriöse Unterkünfte. Gleichzeitig halte sie der Austausch mit Gästen aus aller Welt selbst jung.
Kann Nonnamaxxing tatsächlich glücklicher machen?
Ganz neu sind die positiven Effekte von Gemeinschaft und persönlichem Engagement nicht. Eine Studie im „American Journal of Preventive Medicine“ kam zu dem Ergebnis, dass Menschen, die mehr als 100 Stunden pro Jahr ehrenamtlich tätig waren, im Durchschnitt optimistischer waren und einen stärkeren Sinn im Leben empfanden als Personen ohne entsprechendes Engagement.
Nonnamaxxing ist deshalb möglicherweise mehr als nur ein weiterer Social-Media-Trend. Wer sich Zeit für andere Menschen nimmt, neue Fähigkeiten lernt und bewusst entschleunigt reist, nimmt oft mehr mit nach Hause als nur Urlaubsfotos. Manchmal reicht dafür schon ein Nachmittag mit einer Nonna.