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Seine wahre Geschichte

Ferdinand Magellan – seine Reise veränderte die Welt

Ferdinand Magellan
Magellans Entdeckung des Pazifik war ein seefahrerischer Meilenstein – seine Weltumrundung ist jedoch bis heute umstrittenFoto: Getty Images

Auf Amazon Prime wird aktuell die Geschichte von Ferdinand Magellan erzählt. In der Serie „Sin Límites – Ohne Grenzen“ bricht Magellan (Rodrigo Santoro) mit dem portugiesischen Seefahrer Juan Sebastián Elcano (Álvaro Morte) auf, um eine Route zu den Gewürzinseln, dem heutigen Indonesien, zu finden. Es geht um die Reise, wegen der Magellan noch heute oft als erster Weltumsegler bezeichnet wird – dabei ist das, vermutlich, gar nicht korrekt. TRAVELBOOK erzählt die wahre Geschichte von Ferdinand Magellan.

Im Jahr 1492, dem Jahr, in dem Christoph Kolumbus Amerika entdeckt, wird ein junger Mann aus dem niederen Adel gemeinsam mit seinem Bruder als Page an den Hof von Königin Leonora von Portugal geschickt. Das Land befindet sich seit Langem mit dem benachbarten Spanien im Wettstreit um den Status als größte Seefahrernation und die Kontrolle über die bis dahin bekannten Gewässer. Der erst 12-Jährige erfährt von der Rivalität der Nationen. Aber auch von den geheimnisvollen Gewürzinseln und dem märchenhaften Reichtum, die sie jenem versprächen, der einen rentablen Seeweg dorthin (und wieder zurück) entdeckte. In ihm erwacht dadurch ein schier unstillbarer Entdeckerdrang. Er lässt ihn schließlich zu einem der größten Kapitäne aller Zeiten werden. Sein Name: Fernão de Magalhães, heute besser bekannt als Ferdinand Magellan.

Laut „History“ beginnt der junge Magellan mit 25 Jahren, sich seine Sporen in der Seefahrt auf zahlreichen Reisen nach Indien und Afrika zu verdienen. 1513 wird er dabei im Kampf gegen aufsässige marokkanische Truppen derart schwer verwundet, dass er bis an sein Lebensende hinkt.

Der Kapitän wechselt die Seiten

Magellan
Ferdinand Magellan auf einer zeitgenössischen Darstellung mit nautischen InstrumentenFoto: Getty Images

Gewürze wie Zimt, Muskatnuss und Nelken sind zu dieser Zeit in Europa so selten wie kostbar und werden häufig mit Gold aufgewogen. Wer also für sein Land den Seeweg zu den Gewürzinseln sichern würde, wäre ein gemachter Mann. Magellan tritt an den portugiesischen König Manuel I. heran, denn natürlich braucht er für sein kühnes Vorhaben einen wohlhabenden Förderer. Doch er blitzt mehrfach ab. Laut „Encyclopedia Britannica” ist Magellans Ruf am Hof beschädigt, da er im Verdacht steht, sich mit dem Verkauf marokkanischer Kriegsbeute illegal bereichert zu haben. Manuel I. teilt ihm daraufhin mit, er dürfe seine Dienste gerne anderswo anbieten. Eine folgenschwere Kränkung, denn genau das tut Magellan anschließend.

Er setzt sich 1517 nach Spanien ab, wo er durch die Hochzeit mit der gut situierten Beatriz Barbosa schnell Anschluss an Kreise findet, die auf die Geschicke der spanischen Seefahrt Einfluss haben – und auch auf den erst 18-jährigen spanischen König Karl I., den Enkel von König Ferdinand und Königin Isabella, die ihrerseits die Expedition von Christoph Kolumbus gefördert hatten. Bei Karl stoßen Magellans Pläne auf offene Ohren, er verspricht dem Entdecker in spe laut „National Geographic” Jahrzehnte lange Monopole auf jedwede Route zu den Gewürzinseln, die dieser entdecken würde, zudem Anteile an den Gewinnen und einen Adelstitel. Und so kommt es, dass sich Magellan schon bald als Kapitän von insgesamt fünf Schiffen auf seine Reise begibt, die die Welt verändern soll.

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Ein ungeliebter Anführer

Am 10. August 1519 verabschiedet sich Ferdinand von seiner Frau und seinem kleinen Sohn Rodrigo und übernimmt an Bord der Trinidad auch das Kommando über die vier weiteren Schiffe Concepción, San Antonio, Victoria und Santiago. Mit ihm segeln insgesamt 270 Seeleute, nicht wissend, dass sie den Lauf der Geschichte beeinflussen werden – und dass nur 18 von ihnen jemals lebend zurückkehren sollen. Dabei steht Magellans Führung von Anfang an unter keinem guten Stern. Laut dem Historiker Lincoln Paine ärgern sich die Spanier darüber, unter einem portugiesischen Kapitän zu segeln, während die Portugiesen Magellan als Verräter betrachten. So war denn auch laut „Encyclopedia Britannica” von beiden Seiten vorab mehrfach versucht worden, die Expedition zu verhindern oder zu boykottieren.

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Magellan unterdes bricht mit einem Plan auf ins Unbekannte: einen Seeweg an Südamerika vorbei zu finden. Am 20. September 1519 ist es so weit, und die fünf Schiffe verlassen das spanische Sanlúcar der Barrameda, um anschließend einen Monat lang über den Atlantik zu segeln. Zunächst gehen sie schließlich auf heute brasilianischem Territorium an Land. In San Julián, heute Argentinien, zwingt sie harsches Winterwetter zu monatelangem Ausharren, was schließlich im März 1520 in einer Meuterei gipfelt. Magellan kann das Kommando halten und lässt einige Aufständische hinrichten bzw. aussetzen, um anschließend seinen Weg fortzusetzen. Nun allerdings mit nur noch drei Schiffen. Die Santiago hatte zuvor bei der Suche nach der von Magellan vermuteten Passage Schiffbruch erlitten, die San Antonio war desertiert.

Der Weg ist frei

Magellan
Magellan auf einem Kupferstich mit dem niederländischen Seefahrer Willem C. Schouten, der als erster den Seeweg über das Kap Hoorn in den Pazifik befuhrFoto: Getty Images

Im Oktober 1520 findet er jedoch tatsächlich den Seeweg vorbei an Feuerland durch die heute nach ihm benannte Magellan-Straße. Nun liegen vor ihm und seiner Mannschaft Gewässer, die noch nie ein Europäer zuvor besegelt hat. Es handelt sich um den Pazifischen Ozean, von Magellan Mar Pacifico genannt, übersetzt das friedliche Meer. Magellan wähnt sich fast am Ziel, glaubt, die Passage zu den Gewürzinseln könne von hier nicht mehr lange dauern. Damals nimmt man noch an, die Welt sei viel kleiner. Der erfahrene Kapitän liegt jedoch mit seiner Einschätzung völlig falsch, und so dauert es mehr als drei Monate, bis das nächste Land in Sicht kommt.

Unterdessen wüten Durst und Hunger an Bord. Die Seeleute essen notgedrungen sogar Leder, viele erkranken an der Vitaminmangel-Krankheit Skorbut. Erst nach 99 Tagen erreicht die kleine Flotte die Insel Guam, wo man Vorräte auffrischt. Von dort aus segelt er weiter zu den Philippinen, die Magellan voller Eifer sogleich zu spanischem Territorium erklärt. Sein Versuch, die Einheimischen auf Cebu zu christianisieren, wird ihm schließlich zum Verhängnis. Er schließt mit ihnen ein Bündnis gegen andere Indigene auf der Nachbarinsel Mactan, die er schließlich, überzeugt von der europäischen Überlegenheit, sogar angreifen lässt. Während des Kampfes wird Magellan von einem Giftpfeil getroffen. Die Situation beschreibt italienische Mannschafts-Mitglied Antonio Pigafetta so: „Alle auf einmal stürzten sich dann auf ihn mit ihren Speeren aus Eisen und Bambus.“

Die große Frage nach dem Ruhm

Der große Entdecker stirbt noch vor Ort. Seine Männer lassen seinen Leichnam zurück, vielleicht auch als letzte Rache an ihrem ungeliebten Anführer, wie „National Geographic“ mutmaßt. Die Victoria und die Concepción erreichen schließlich ohne ihren toten Kapitän die Gewürzinseln und segeln unter seinem Nachfolger Juan Sebastian Elcano zurück nach Spanien. Es kommt jedoch nur noch die Victoria an. An Bord sind 18 Mann – von einst 270. Laut „Encyclopedia Britannica” erhält Elcano daraufhin von König Karl I. ein Wappen mit einem Globus und der Aufschrift: „Du warst der Erste, der mich umrundete.“ Technisch gesehen war Magellan jedoch Elcano zuvorgekommen. Er hatte als erster Kapitän die Welt umrundet. Allerdings auf zwei verschiedenen Reisen, bei denen ihn eine nach Osten geführt hatte, die andere, heute noch berühmte, dann eben nach Westen.

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Jedoch wird mittlerweile vermutet, dass der erste Mensch, der die Welt umrundete, weder Elcano war noch Magellan. Stattdessen war es Magellans Sklave Enrique: Als der Kapitän nämlich mit seinen Männern auf Cebu landete, stellten sie erstaunt fest, dass Enrique mit den Einheimischen kommunizieren konnte. Daher liegt der Verdacht nahe, dass Enrique, als Sklave von Cebu geraubt und in Spanien an Magellan gekauft, letztendlich der wirklich erste Weltumsegler war, als er schließlich wieder auf seiner Heimatinsel landete.

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