Kolumne „Mein monatlicher Wahnsinn mit der Bahn“

Bei dieser Bahnfahrt ging mal wieder alles auf einmal schief...

Deutsche Bahn
„Nicht einsteigen“: So kann man Fahrgäste natürlich auch warnen
Foto: Getty Images

Unsere Autorin fährt im Durchschnitt etwa 30 Stunden pro Monat mit der Deutschen Bahn quer durch Deutschland und ist großer Zug-Fan – zumindest, wenn alles glatt geht. Das passiert jedoch selten. Kürzlich hat sie sich, bei der dritten drastischen Verspätung des Monats, gefragt: Warum bleibt es eigentlich nie bei einem Problem? Warum geht bei der Bahn immer alles auf einmal schief? Das Protokoll eines klassischen Bahn-Desasters.

Ende Juli fuhr ich mal wieder meine favorisierte Strecke Köln – Berlin. Es war Montagabend. Keine Zeit, zu der es normalerweise viele Probleme gibt, die Anreise mit dem Regio zum Kölner Hbf verlief ohne Probleme, ich hatte die perfekte Umsteigezeit vor Ort und war guter Dinge. Zumindest bis ich den Bahnsteig betrat und zusammen mit Hunderten anderen Fahrgästen die Durchsage hörte: „Aktuell befinden sich Menschen auf der Hohernzollernbrücke. Die Polizei ist informiert, der Zugverkehr steht allerdings bis auf unbestimmte Zeit still“. Na toll. Aus Erfahrung weiß ich, dass solche Dinge ewig dauern können. Also setzte ich mich auf den Boden des Bahnsteigs – an normale Sitze war natürlich nicht zu denken, wie gesagt, Hunderte andere Reisende … Sie können es sich vorstellen.

Falsche Durchsagen sind ein Klassiker

Während ich es mir also auf dem Fußboden bequem machte, kam es zu einem Klassiker bei der DB: der falschen Durchsage. So ertönte aus den Lautsprechern: „An Gleis 2 ist soeben eingefahren: der ICE nach Berlin“. Da stand jedoch ein IC. Der definitiv nicht nach Berlin fuhr. Nochmal zur Erinnerung: Wegen mehrerer Idioten auf der einzigen Zufahrtsverbindung des Kölner Hauptbahnhofs standen alle Züge still, nichts ging mehr, weder raus noch rein – und das bereits seit einer Viertelstunde. Die Durchsage war also einfach nur falsch. Und wie reagiert man dann, als deutschlandweiter Monopolist im Schienenfernverkehr? Mit einer zweiten Durchsage: „Meine Damen und Herren an Gleis 2, bitte steigen Sie ein.“ Toll, danke für nichts.

Andere Bahnerfahrene und ich konnten mehrere verwirrte Reisende gerade noch vom Einsteigen in den falschen IC abhalten. Zum Glück – denn wenige Minuten später durften die Züge tatsächlich wieder fahren. Und nach weiteren 10 Minuten rollte dann auch endlich der richtige ICE am Gleis ein. Doch das war erst der Anfang…

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Wenn niemand den Zug fahren kann, muss er eben stehen bleiben

Das Problem bei der Bahn ist nämlich folgendes: Ist man einmal aus dem Takt, hat man verk**kt. Ab jetzt gilt das Gesetz der Straße, der Stärkste kommt zuerst, die anderen müssen zurückstecken. Übersetzt heißt das: Wer am meisten Verspätung hat, darf als erstes fahren. Wenn nun alle Verspätung haben, heißt das leider, dass man mit 30 Minuten oft den Kürzeren gezogen hat. Und so warteten wir vor Hamm noch einmal 10 Minuten („Wir müssen einen anderen verspäteten Zug vorbeilassen“) und vor Bielefeld abermals 10 Minuten („Unser Gleis ist noch von einem Zug belegt, wir können noch nicht einfahren“). Kurz vor Hannover lag die Verspätung nun also bei etwa 50 Minuten.

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Eigentlich ist das – traurig, aber wahr – noch kein Grund für mich, sauer zu werden. Doch die dauernden kleinen Verzögerungen zerren an meinen Nerven. Und jetzt kommt es zum Super-Gau: Wir stehen und stehen und stehen und fahren einfach nicht weiter. Schließlich die Durchsage: „Liebe Reisende, leider können wir aktuell nicht weiterfahren, da unser Zugführer noch in einem anderen verspäteten ICE ist. Wir werden hier voraussichtlich noch 30 Minuten auf ihn warten müssen“.

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Alles nur halb so schlimm, denkt der optimistische Bahnreisende da. Man kann ja schnell etwas im Bordrestaurant kaufen und es sich dann nahe der Türen auf dem Bahnsteig gemütlich machen. Außerdem geht es ja in einer halben Stunde schon wieder weiter. Problem nur: Die Auswahl im Bordrestaurant ist heute stark eingeschränkt, es ist keine Kartenzahlung möglich und nach 30 Minuten tut sich, Sie ahnen es vielleicht schon: nichts.

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Ein bekannter Anblick: Verspätungen und Mängel im Speisewagen
Foto: Larissa Königs

Die Sonne geht langsam am Horizont unter, der Zug steht – was soll er auch anderes tun, es ist ja immer noch niemand da, der ihn fahren könnte. Erst nach etwa 50 Minuten Wartezeit am Hauptbahnhof in Hannover kann unser ICE mit dem neuen Zugführer an Bord endlich Hannover verlassen. Aktuelle Verspätung: circa 100 Minuten. Bis zu meiner Ankunft wird sich daran nicht mehr viel ändern.

Welche Horror-Bahnfahrten haben Sie schon erlebt? Schreiben Sie gerne unserer Autorin: larissa.koenigs@travelbook.de