25. September 2025, 16:11 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Bereits zum sechsten Mal ist der „European Railway Station Index“ erschienen. Dieser zeigt die besten und schlechtesten Bahnhöfe in Europa und erklärt, wie es um das europäische Bahnwesen aktuell steht. Auch etliche deutsche Bahnhöfe stehen in dem 50 Bahnhöfe umfassenden Ranking. Einige vorn, andere sehr, sehr weit hinten. Das Ranking im Überblick.
Bahnhöfe gibt es in Europa etliche. Gute, schlechte – und viele irgendwo dazwischen. Das zu beurteilen, haben sich gleich mehrere Unternehmen auf die Fahne geschrieben. Und so tauchen in den Medien regelmäßig neue Indexe auf, die die besten und schlechtesten Bahnhöfe Europas ermittelt haben. So auch jetzt: Die US-amerikanische Verbraucherschutz-Organisation „Consumer Choice Center“ hat ihren aktuellen „European Railway Station Index“ herausgegeben. Nicht zu verwechseln mit dem „European Train Station Index“, von dem TRAVELBOOK im März 2024 berichtete.
Die beiden – sich namentlich sehr nahestehenden – Bahnhofs-Indexe kommen teils zu unterschiedlichen, teils zu ähnlichen Ergebnissen. So sind sie sich etwa einig, dass der Zürcher Hauptbahnhof der beste Bahnhof Europas ist und offenbar auch bleibt. Denn der Schweizer Bahnhof steht nicht zum ersten Mal auf Platz eins.
Auf dem unrühmlichen letzten Platz des Rankings landete mit Berlin-Gesundbrunnnen erneut ein deutscher Bahnhof.
Übersicht
Methodik des „European Railway Station Index 2025“ vom Consumer Choice Center
Nun aber zu diesem neuen Index. Dieser erscheint bereits zum sechsten Mal und berücksichtigt die 50 verkehrsreichsten europäischen Bahnhöfe. In die Bewertung einbezogen wurden Ticketoptionen, Serviceleistungen im Bahnhof, Barrierefreiheit, kostenloses WLAN, die nationale und lokale Schienennetzabdeckung sowie die Verfügbarkeit von Mitfahrgelegenheiten. „Diese sechste Ausgabe basiert auf früheren Untersuchungen und nutzt offizielle Berichte, Online-Daten, Bahnhofspläne, Echtzeit-Updates und unsere eigene Analyse“, schreiben die Autoren. Erstellt wurde der Bericht im August 2025.
Für jede Kategorie erhielten die Bahnhöfe Punkte und konnten so ein Maximum von 118 Punkten erreichen – was jedoch keiner der 50 Bahnhöfe schaffte. Auf Platz 1 liegt, wie schon erwähnt, erneut der Zürcher Hauptbahnhof mit 101 Punkten. Neu in den Top 10 und direkt auf Platz 2 landete der Bahnhof der polnischen Stadt Breslau. Platz 3 belegt, wie bereits im Vorjahr, der Bahnhof Bern in der Schweiz. Erwähnt sei auch Platz 4: Hier landete der Berliner Hauptbahnhof, der 2024 noch gar nicht in den Top 10 auftauchte.
Die besten und schlechtesten Bahnhöfe Europas 2025 laut „European Railway Station Index“
Europas 10 beste Bahnhöfe laut „European Railway Station Index“
1. Zürich Hauptbahnhof, Zürich, Schweiz (101 Punkte)
2. Bahnhof Wroclaw Glowny, Breslau, Polen (98,5 Punkte)
3. Bahnhof Bern, Bern, Schweiz (94,5 Punkte)
4. Berlin Hauptbahnhof, Deutschland (92 Punkte)
5. London Paddington, London, UK (91,5 Punkte)
6. Utrecht Centraal, Utrecht, Niederlande (91 Punkte)
7. London Bridge, London, Vereinigtes Königreich (90 Punkte)
8. Wien Hauptbahnhof, Wien, Österreich (89,5 Punkte)
9. Gare Montparnasse, Paris, Frankreich (89,5 Punkte)
10. Amsterdam Centraal, Niederlande (89 Punkte)
Europas 10 schlechteste Bahnhöfe laut „European Railway Station Index“
41. Torino Porta Nuova, Turin, Italien (59,5 Punkte)
42. Firenze Santa Maria Novella, Florenz, Italien (57,5 Punkte)
43. Berlin Südkreuz, Berlin, Deutschland (57 Punkte)
44. Stuttgart Hbf, Stuttgart, Deutschland (56 Punkte)
45. Bologna Centrale, Bologna, Italien (55,5 Punkte)
46. Bremen Hbf, Bremen, Deutschland (55 Punkte)
47. Wien Meidling, Wien, Österreich (54,5 Punkte)
48. Dortmund Hbf, Dortmund, Deutschland (52 Punkte)
49. Berlin Ostkreuz, Deutschland (51 Punkte)
50. Berlin-Gesundbrunnen (47 Punkte)
Drei der zehn schlechtesten Bahnhöfe Europas liegen in Deutschland
Die besten und schlechtesten Bahnhöfe in Europa
Was Zürichs Hauptbahnhof so gut macht
Zürichs Hauptbahnhof erreicht im „European Railway Station Index 2025“ 101 Punkte. Mehr als 100 Millionen Passagiere nutzten demnach den Schweizer Bahnhof im vergangenen Jahr. Seine hohe Punktzahl erreichte Zürichs Hauptbahnhof unter anderem mit geringen Wartezeiten und Verspätungen. Nur knapp über vier Prozent der Züge verspäteten sich um mehr als fünf Minuten. Die durchschnittliche Wartezeit lag bei 1,33 Minuten – besser schnitt hinsichtlich der Pünktlichkeit kein anderer Bahnhof in Europa ab. Das erklären die Autoren unter anderem mit den „Vorteilen eines intensiven Wettbewerbs und einer gut gepflegten dezentralen Infrastruktur“ in der Schweiz.
So schlecht schneidet Deutschland im Index ab
Relativ schlecht steht es dahingegen um Nachbar Deutschland. Die drei schlechtesten Bahnhöfe Europas befinden sich hier. Und Berlin-Gesundbrunnen ist sogar Europas schlechtester Bahnhof. Bei durchschnittlich 74 Millionen Fahrgästen pro Jahr verfügt er dem Index zufolge über lediglich drei Geschäfte und sieben Restaurants, was im Vergleich zu anderen Bahnhöfen nur sehr wenig sei. „Schlimmer noch: Die Fahrgäste müssen durchschnittlich 10,83 Minuten auf dem Bahnsteig warten, und 42 Prozent aller Züge sind verspätet“, schreiben die Autoren über den Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen.
Ihm folgen auf den Plätzen 49 und 48 das Berliner Ostkreuz, das im vergangenen Jahr noch den letzten Platz belegte, sowie der Dortmunder Hauptbahnhof. Ebenfalls in den Top 10 der schlechtesten Bahnhöfe Europas: der Bremer Hauptbahnhof, der Stuttgarter Hauptbahnhof sowie Berlin Südkreuz. Allerdings sei hinzugefügt: 21 Bahnhöfe im Ranking der 50 stehen allein in Deutschland, das Land ist also überrepräsentiert und entsprechend hoch ist auch die Chance, auf den hinteren Plätzen zu landen. In ihrer Anzahl am meisten folgen neun britische, sieben italienische sowie sechs französische Bahnhöfe.
Doch auch unabhängig davon steht Deutschlands Bahnlandschaft vor großen Schwierigkeiten, wie es im Bericht heißt. Dabei gebe es verschiedene Erklärungsansätze für die aktuellen Probleme. So sei die Sanierung des Schienennetzes deutlich teurer und langwieriger als ursprünglich geplant. „Seit 2022 sind nur 62 Prozent der Züge in Deutschland pünktlich angekommen – im Vergleich zu rund 99 Prozent in der Schweiz“, schreiben die Autoren. Die deutschen Behörden hätten zudem den Begriff der Pünktlichkeit neu definiert. So gelten hierzulande Züge erst dann als verspätet, wenn sie mehr als 6 Minuten zu spät sind – höher als die sonst übliche 5-Minuten-Grenze.

