14. Oktober 2025, 14:42 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Der Bingin Beach ist einer der beliebtesten Surfer-Strände Balis. Aktuell ist er ein Trümmerfeld. Im Juli riss die balinesische Regierung dort dutzende Gebäude ab. Mehr zu den Hintergründen auf TRAVELBOOK.
Der Bingin Beach auf Bali ist einer der beliebtesten Surfstrände der indonesischen Urlaubsinsel. Vielleicht sogar der Welt. Spätestens seit den 1970er-Jahren reisen Surfer aus Australien und anderen Ländern an, um sich an den offenbar optimalen Linkswellen im Westen der Bukit-Halbinsel zu versuchen. Wer jedoch aktuell nach Bingin kommt, dürfte weniger den Blick für die perfekten Wellen oder jene, die auf ihnen surfen, haben, als für das, was am Strand selbst passiert ist.
Übersicht
Abriss im Juli
„Wir waren heute am Bingin Beach, vom Umfeld des Strands ist leider nichts mehr übrig. Ein einziges Trümmerfeld … Dort hat im wahrsten Sinne des Wortes die Abrissbombe eingeschlagen“, schrieb eine ehemalige Kollegin kürzlich an die TRAVELBOOK-Redaktion.
Im Juli 2025 wurden 48 vermeintlich illegal errichtete Gebäude am Pantai Bingin abgerissen, wie die zivile Ordnungspolizei Balis, die Satuan Polisi Pamong Praja Provinsi Bali, in einem Schreiben bestätigte. Die, an den Klippen errichteten, „illegalen Bauwerke“ hätten gegen die örtlich geltenden Bebauungsregeln verstoßen, schreibt die Ordnungsbehörde. Demnach „standen sie in einem Grüngebiet und hatten keine Baugenehmigungen“. Neben den für Bali typischen traditionellen Warungs (kleinen Restaurants) wurden private Unterkünfte ebenso wie Villen, Restaurants, weitere touristische Unterkünfte sowie andere, nicht näher definierte touristische Bauprojekte abgerissen. Laut der Behörde waren die Besitzer der Gebäude gewarnt worden. Wie etwa die „Bali Sun“ schreibt, habe es wochenlang Verhandlungen gegeben. Stoppen konnten die Unternehmen die Abrissarbeiten am Bingin Beach am Ende jedoch nicht.
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Unregulierte Bauten und Massentourismus
Die Frage, die sich uns, ebenso wie vielen Balinesen, Touristen und anderen Journalisten stellt, ist die nach dem Warum, vielmehr noch die nach dem Wozu. Offiziell ist die Rede von nicht legal errichteten Bauwerken, die beseitigt werden sollen. In einem Artikel der britischen Tageszeitung „Guardian“ heißt es, die Räumung Bingins sei „Teil einer Kampagne des wiedergewählten Gouverneurs Wayan Koster, die darauf abzielt, die Flächennutzungsvorschriften durchzusetzen und unregulierte Bauten auf geschütztem Staatsland zu beseitigen.“ In Zukunft sollen derartige Untersuchungen touristischer Genehmigungen überall auf der Insel stattfinden. Nicht zuletzt geht es dabei auch um die Eindämmung des Massentourismus auf Bali.
Laut dem „Guardian“ argumentieren die Eigentümer heute, die baulichen Normen, gegen die sie angeblich verstießen, hätten damals noch gar nicht existiert. Vielmehr habe man sich ans Gewohnheitsrecht und informelle Erlaubnisse des Dorfes gehalten.
Mehr Gebäude für immer mehr Touristen
Die touristischen Einrichtungen, um die es hier offenbar vor allem geht, wurden Mitte der 1980er-Jahre errichtet. Nachdem sie erkannt hatten, welches Potenzial Bingin und seine Nachbarstrände in der Gegend Uluwatus aufgrund ihrer idealen Wellen für Surfer boten, errichteten die Balinesen oftmals gemeinsam mit ausländischen Investoren Anlagen, um den Tourismus anzukurbeln. Das funktionierte, Bingin ist, wie schon erwähnt, einer der beliebtesten Surfstrände der Insel. Die Bebauung des Küstenstreifens ist jedoch offenbar zunehmend aus dem Ruder gelaufen, sodass zum Beispiel kleine traditionelle Familienbetriebe in riesige Luxusimmobilien umfunktioniert wurden. Mehr Platz für immer besser zahlende Touristen.
Heute ächzt Bali unter den vielen Touristen, rund 6,5 Millionen Urlauber werden allein in diesem Jahr erwartet – mehr als die rund 4,3 Millionen Bewohner. Die Bevölkerung hat sich seit den 1970er-Jahren grob verdoppelt. Nicht zuletzt nutzen etliche Europäer, Australier und Co. regelmäßig die diversen Visa, um längere Zeit vor Ort zu bleiben, oder sich dort sogar niederzulassen. Allein mir fallen spontan elf Bekannte ein, die für eine Weile auf Bali gelebt haben oder dauerhaft dort sind.
Neue Luxusimmobilien am Bingin Beach?
Dass auf Bali etwas passieren muss, um den ausufernden Tourismus einzudämmen, ist lange offensichtlich. Auch strengere Regeln und Kontrollen scheinen mitunter unumgänglich, wie auch andere Beispiele zeigen (TRAVELBOOK berichtete). Das Wie ist jedoch entscheidend. Nicht zuletzt stehen seit den Abrissarbeiten etliche Menschen vor dem Nichts oder mindestens vor riesigen finanziellen Einbußen.
Hinzu kommt laut „Guardian“ der Vorwurf, der „selektiven Durchsetzung“. Denn hinter dem offensichtlichen Warum wird ein weiteres, heimlicheres Wozu vermutet – und das stößt weit mehr auf als die vielerorts mit Verständnis begleiteten Abrisse ausufernder, unregulierter Bauprojekte: der Verdacht, dass der Weg frei gemacht wird für neue Luxusprojekte.
Der Leiter der balinesischen Ordnungsbehörde, I Dewa Nyoman Rai Darmadi, will davon laut der britischen Zeitung nichts wissen. Die Behauptung, dass man mit dem Abriss Platz für Luxusimmobilien schaffe, sei nichts als eine Falschmeldung. Vielmehr gehe es um die Sicherheit der Küstenzone, an der sich die Einrichtungen aneinander drängten. Das Land sei geschützt, es gebe kein Anzeichen dafür, dass es von einem Investor übernommen werde.
Doch was passiert künftig mit dem Bingin Beach? Darüber scheint Unsicherheit zu herrschen. Und Sorge. Denn die Wellen am Bingin Beach bleiben so attraktiv wie eh und je. Und dank der Abrissarbeiten ist plötzlich viel mehr Platz – für neue Projekte.

