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Nicht nur am Gardasee

Auch dieser Region in Italien bleiben die Touris weg

Cinque Terre fehlen Touristen
Cinque Terre war bei Touristen stets beliebt, mitunter gar zu beliebt. Nun fehlen sie. Die Gründe, bei TRAVELBOOK Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

10. September 2025, 10:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore – die fünf Gemeinden, die zusammen die ligurische Region Cinque Terre (übersetzt „Fünf Dörfer“) bilden – waren lange Zeit regelrechte Besuchermagneten. Umso erstaunlicher sind aktuelle Entwicklungen. Offizielle Stellen bestätigen einen deutlichen Rückgang der Besucherzahlen. Ein Bild, das sich derzeit auch in anderen Teilen Italiens zeigt. TRAVELBOOK erklärt, wie es dazu kommen konnte.

Spürbar weniger Touristen in Cinque Terre

Laut der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ verzeichnete die gesamte Region Cinque Terre zwischen Juni 2024 und Juni 2025 rund 50.000 Übernachtungen weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Besonders stark betroffen ist die Gemeinde Levanto, die 17.097 Touristen weniger zählte, wie aus den Daten der ligurischen Tourismusbeobachtungsstelle hervorgeht. Das entspricht einem Rückgang von 9,04 Prozent. Auch in Vernazza ist der Einbruch deutlich spürbar: Hier gingen die Besucherzahlen um 16,31 Prozent zurück. Riomaggiore verzeichnete ein Minus von 8,33 Prozent, während Monterosso mit 2841 weniger Gästen einen vergleichsweise moderaten Rückgang von 2,47 Prozent erfährt.

„Selbst am Ferragosto standen Zimmer leer“, berichtet der Präsident des Tourismusverbands von Manarola, einer Gemeinde der Cinque Terre, der Zeitung. Ferragosto ist ein italienischer Feiertag, der jedes Jahr am 15. August begangen wird. Er markiert traditionell den Höhepunkt der Sommerferien und verbindet damit auch religiöse Aspekte, fällt er auf Mariä Himmelfahrt. Wer schon mal in Italien Urlaub gemacht hat, weiß: Um diesen Termin herum sind Preise für Flüge und Hotelzimmer deutlich höher, Hotels sind häufig ausgebucht. Dieses Jahr also nicht. Davide Natale, ein regionaler Parlamentarier, spricht gegenüber „La Reppublica“ von finanziellen Einbußen in Höhe von rund 10 Millionen Euro.

Cinque Terre ist nicht die einzige Region in Italien, die das Ausbleiben von Touristen beklagt. Am Gardasee fehlen speziell deutsche und italienische Urlauber. Solche gelten als deutlich konsumfreudiger verglichen mit den aktuell anzutreffenden Besuchern aus Nordeuropa, erklären Tourismusfachleute. Sie kehren weniger gern ein und statt in Unterkünften übernachten sie bevorzugt auf Campingplätzen. Mehr über die aktuellen Zustände am Gardasee erfahren Sie hier.

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Gründe für das Wegbleiben von Touristen in Cinque Terre

Es ist nicht lange her, da hatte Cinque Terre von dem, was nun fehlt, zu viel. Wie zahlreiche andere Orte in Italien litt auch diese Region unter Overtourism, was hier mit ernsten Risiken einhergehen konnte. Denn sie ist sehr beliebt zum Wandern – auf diese Weise lassen sich die Orte Vernazza, Monterosso al Mare, Corniglia, Manarola und Riomaggiore optimal erkunden. Neue Regeln sollten auf den besonders stark frequentierten Routen für Ordnung sorgen.

An bestimmten Tagen beispielsweise ist das Wandern zwischen 9 und 14 Uhr nur in eine Richtung erlaubt. Weitere Informationen dazu finden Sie beim Online-Auftritt der Cinque Terre. Außerdem darf man seit Juli dieses Jahres die Wanderwege nicht mehr mit Flipflops betreten. Verstöße gegen dieses Verbot – genauer das Tragen von allem anderen als festem Wanderschuhwerk – werden mit hohen Geldstrafen geahndet. Für das Betreten beliebter Routen sind zudem Eintrittsgelder fällig. Dazu gehört auch der berühmte Panoramaweg Via dell’Amore, der erst kürzlich nach jahrelanger Sperrung wiedereröffnet wurde und den man zudem nur mit vorheriger Reservierung besuchen darf. Die verschiedenen neuen Hürden für Wanderwillige dürften dazu beigetragen haben, dass weniger Touristen Cinque Terre besuchen.

Große Anbieter setzen auf Tagestourismus

In einem Beitrag von „La Reppublica“ wird zudem kritisiert, dass große internationale Reiseveranstalter komplette Kontingente an Buchungen in der Cinque-Terre-Region aufkaufen. Dadurch werden lokale Reiseveranstalter verdrängt, die mehrtägige Aufenthalte, geführte Wanderungen oder Erlebnistouren anbieten. Sie können mit den Preisen und der Reichweite der großen Player nicht mithalten. Für die Region ist dabei besonders problematisch, dass geführte Tagestouren immer beliebter werden. Diese ermöglichen es, in kurzer Zeit mehrere Sehenswürdigkeiten zu besuchen, also etwa alle Cinque Terre an nur einem Tag. In der Folge kommen Besucher nur für wenige Stunden, geben kaum Geld aus und übernachten nicht vor Ort. Hotels, Restaurants und kleinere Anbieter fehlen somit die Einnahmen, auf die sie sich früher verlassen konnten.

Im vergangenen Jahr wurden zudem erst die Preise für Bahntickets zwischen den Dörfern der Cinque Terre erhöht, um die Anstürme von Touristen zu regulieren. Es ist anzunehmen, dass die Regierung vor dem Hintergrund der aktuellen Situation die verschiedenen kürzlich ergriffenen Maßnahmen am liebsten rückgängig machen würde.

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