9. Oktober 2025, 13:25 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Die Situation in Nahost ist weiterhin angespannt, aktuell hält jedoch besonders die innenpolitische Lage Marokko in Atem. Seit Ende September demonstrieren junge Marokkaner gegen die Zustände in ihrem Land und fordern Reformen. Das wirkt sich mitunter auch auf Reisende aus. Angesichts der ungewissen Lage fragen sich daher auch angehende Marokko-Urlauber, ob es aktuell sicher ist, eine Reise überhaupt anzutreten. TRAVELBOOK gibt einen aktuellen Überblick.
Marokko ist ein beliebtes Urlaubsland im Norden Afrikas. Seine faszinierende Wüstenlandschaft, vielfältigen Städte und lange Küstenlinie ziehen jedes Jahr etliche Urlauber an. So viele, dass es mittlerweile sogar Ägypten als meistbesuchtes Land Afrikas überholt hat. Marokko gilt als eines der sichersten Länder auf dem afrikanischen Kontinent und heißt seine internationalen Besucher freundlich willkommen. Angesichts der sich zuspitzenden Lage in Marokko selbst stellt sich jedoch die Frage, wie sicher eine Reise aktuell wirklich ist.
Übersicht
Aktuelle Demonstrationen in Marokko
Seit Ende September geht Marokkos Jugend auf die Straße, angeführt von der Organisation Genz212. Sie demonstrieren gegen die soziale Ungleichheit und Korruption in ihrem Land und fordern Reformen, allen voran des Bildungs- und Gesundheitssystems, sowie einen Regierungswechsel. Auslöser der Proteste waren die Tode von acht schwangeren Frauen, die im staatlichen Krankenhaus von Agadir mittels Kaiserschnitt entbunden werden sollten. Das berichtet unter anderem die „Deutsche Welle“.
Die Protestwelle hat inzwischen das gesamte Land erfasst, mancherorts eskaliert die Gewalt. Drei Demonstrierende wurden von der Polizei erschossen, wie unter anderem die „Tagesschau“ berichtet. Die Proteste gehen jedoch weiter. Neben der Jugendbewegung Genz212, haben sich mittlerweile auch etliche bekannte Persönlichkeiten Marokkos auf die Seite der jungen Marokkaner gestellt. 60 Künstler, Menschenrechtsaktivisten und Intellektuelle veröffentlichten am Mittwoch (8. Oktober 2025) einen offenen Brief an König Mohammed VI., in dem sie diesen aufforderten, „Verfassungsreformen und einen ,wirksamen Kampf gegen Korruption‘ anzustoßen“, wie es bei „Zeit Online“ heißt. Kommenden Freitag will der König seine alljährliche Rede halten. An diesem Tag wollen die Protestierenden aussetzen, eine Großdemo ist jedoch für heute geplant.
Auswärtiges Amt rät zu Zurückhaltung
Was bedeuten die aktuellen Demonstrationen in Marokko nun für Reisende? Laut dem Auswärtigen Amt ist die politische Lage in Marokko trotz der Proteste „weitgehend stabil und ruhig“. Die Proteste werden in den Reisehinweisen als „friedlich“ beschrieben, gewaltsame Ausschreitungen kommen demnach nur „vereinzelt“ vor. Das AA erklärt, die Demonstrationen fänden „schwerpunktmäßig in Rabat, Casablanca, Agadir und Umgebung, Oujda, Tanger, Beni Mellal, Taza, Temara und Lqliaa“ statt, weitere Demonstrationen seien jedoch nicht auszuschließen.
Das Amt rät daher, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und sich in lokalen sowie sozialen Medien zu informieren. Auch das Hotel oder Reisebüro wisse mitunter genauer über die Lage vor Ort Bescheid. Zum eigenen Schutz sollten Reisende die Orte der Demonstrationen sowie größerer Menschenansammlungen weiträumig meiden. Außerdem rät es, „Bewegungen nach Einbruch der Dunkelheit“ einzuschränken, was wir als einen Rat verstehen, im Dunklen besser nicht nach draußen zu gehen. Darüber hinaus solle man sich mit öffentlichen politischen Meinungsäußeren besser zurückhalten.
Marokko und die aktuelle Lage in Nahost
Angesichts der Konflikte zwischen Israel und der Hamas in Gaza und den teils heftigen Reaktionen in angrenzenden Ländern, stellt sich auch in dieser Hinsicht für Marokko-Reisende weiterhin die Frage, wie sicher Reisen aktuell sind. Das Auswärtige Amt (AA) hat Reisewarnungen für Israel und die Palästinensischen Gebiete sowie für die angrenzenden Länder Libanon, Syrien, Irak und Teile Ägyptens ausgesprochen, ebenso wie für den Iran. Von Reisen in Teilgebiete Jordaniens wird dringend abgeraten. Für Marokko gibt und gab es es von deutscher Seite angesichts der Nahost-Lage keine Reisewarnung.
Hinweise aus früheren Versionen der Reisehinweise, nach denen man in Marokko in der Vergangenheit mit „pro–palästinensischen Demonstrationen mit teilweise hohen Teilnehmerzahlen“ zu rechnen hatte, wurden seitens des Amts mittlerweile gelöscht. In einer früheren Version dieses Artikels hieß es darüber hinaus zum Hintergrund: Gleichzeitig hatte Marokko sein Verhältnis zu Israel mit dem Unterzeichnen der Abraham-Abkommen zuletzt normalisiert. Laut einem Beitrag im ZDF gelte längst nicht mehr Israel als der Hauptfeind. Eine weitaus „größere Bedrohung“ sähen viele arabische Länder hingegen im Iran und seinen Verbündeten in Syrien, Irak, Jemen und dem Libanon.
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Terrorismus und Grenzgebiete
Mehr als Auswirkungen durch den Nahostkonflikt scheinen Touristen in Marokko aktuell weiterhin terroristische Angriffe befürchten zu müssen. Zwar gebe es vor Ort erhebliche Sicherheitsmaßnahmen, schreibt das Auswärtige Amt, das Risiko terroristischer Angriffe bestehe aber fort. So wurden etwa 2018 zwei Touristinnen während einer Wanderung „nahe des Mont Toubkal im Atlasgebirge Opfer eines Gewaltverbrechens mit terroristischem Hintergrund“, wie es in einer früheren Version hieß. Das Schweizer Departement für auswärtige Angelegenheiten schreibt zudem: „Die marokkanischen Sicherheitsbehörden melden regelmäßig die Aushebung von Terrorzellen.“ Auch in der Schweiz ist man jedoch überzeugt, dass Reisen nach Marokko „grundsätzlich sicher“ sind.
Besondere Vorsicht besteht laut dem deutschen Auswärtigen Amt besonders in bestimmten Landesteilen sowie Grenzregionen. So seien etwa Reisen in die Grenzregion zu Algerien nicht sicher und das AA rät dringend davon ab. Die Landesgrenze zu dem marokkanischen Nachbarland ist seit 1994 geschlossen. Reisende müssen mit Festnahmen und anderen Beeinträchtigungen ihrer Sicherheit rechnen. „Wüstentouren in die Dünenlandschaften Südmarokkos (Erg Chebbi südlich von Merzouga bzw. Erg Chegaga und Erg Lihoudi südlich von Zagora)“ können jedoch weiterhin unternommen werden. Urlauber sollten dazu jedoch ortskundige Reiseveranstalter buchen, bevorzugt in einer Gruppe reisen und auf keinen Fall die Hauptstraßen verlassen. Zudem sollte die aktuelle Sicherheitslage unbedingt vor einer solchen Reise geprüft werden.
Auch vor Reisen in die Westsahara rät das AA dringend ab. Dort sei keine konsularische Betreuung möglich und abseits befestigter Straße bestehe Gefahr durch Minen und nicht-detonierte Kampfmittel, insbesondere im Grenzgebiet zu Mauretanien. Außerdem mahnt das AA Reisen ins Rif-Gebirge im Nordosten des Landes an. Dort werde Cannabis angebaut und Belästigungen durch Rauschgifthändler seien nicht auszuschließen. Reisende in dieses Gebiet sollten nicht allein unterwegs sein und keine Drogen kaufen. Drogenbesitz kann in Marokko zu hohen Freiheitsstrafen führen.
Kriminalität und Naturkatastrophen
Gefahr besteht in Marokko auch durch Raubüberfälle und Diebstähle, ganz besonders in den touristischen Gebieten. Dabei könne es „teilweise auch zum Einsatz von Gewalt und Waffen gegen Touristen kommen, besonders wenn Angreifer unter Drogeneinfluss stehen“, heißt es beim AA.
Auch die Natur kann unter Umständen die Sicherheit von Reisenden beeinflussen. So liegt das Land in einer seismisch aktiven Zone und Erdbeben können nicht ausgeschlossen werden. Im hohen Atlasgebirge muss darüber hinaus mit Überflutungen während der Regenzeit (November bis März) gerechnet werden. Auch streunende Hunde sind ein Problem und können gefährlich werden. Halten Sie Abstand.
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Paare, allein reisende Frauen und LGBTQ+
Marokko ist ein muslimisches Land, und der Großteil der Bevölkerung ist konservativ eingestellt. So ist auch das Rollenverständnis traditionell. Allein reisenden Frauen rät das AA, zurückhaltend aufzutreten und ein „gesundes Misstrauen“ zu zeigen. Außereheliche Beziehungen sind per Gesetz verboten und können entsprechend strafrechtlich geahndet werden. Im Hotel muss eventuell eine Heiratsurkunde vorgelegt oder getrennte Zimmer gebucht werden.
Auch sexuelle Beziehungen gleichgeschlechtlicher Partner sind verboten und können strafrechtlich verfolgt werden. In der Bevölkerung bestehen starke Vorurteile und es drohen Geld- und sogar Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren. Das Auswärtige Amt rät dringend zu zurückhaltendem Verhalten in der Öffentlichkeit. Im „Gay Travel Index 2025“ (TRAVELBOOK berichtete) steht Marokko weiterhin auf dem 189. Platz von 210 Plätzen insgesamt, also sehr weit hinten im weltweiten Vergleich.
Das sollten Sie bei einem Urlaub in Marokko beachten
Der vielleicht wichtigste Hinweis angesichts der aktuellen innenpolitischen Lage sowie der Situation in Nahost ist der, die Geschehnisse im Auge zu behalten, wenn sie nach Marokko reisen möchten. Das heißt, sich in den lokalen, sozialen und internationalen Medien gut zu informieren, um abschätzen zu können, wie sich die Lage entwickelt, und um zu wissen, was aktuell passiert.
Das Auswärtige Amt hat zudem eine ganze Reihe an Ratschlägen für einen sicheren Aufenthalt in Marokko veröffentlicht. TRAVELBOOK fasst die wichtigsten kurz zusammen:
- Informieren Sie sich über die lokalen und sozialen Medien und verfolgen Sie die politische Lage aufmerksam.
- Meiden Sie Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig.
- Halten Sie sich in der Öffentlichkeit mit politischen Meinungsäußerungen zurück.
- Meiden Sie die oben genannten Gebiete und versuchen Sie nicht, die Landesgrenze nach Algerien zu überqueren.
- Reisen Sie nicht allein und abseits der Straßen.
- Unternehmen Sie Wüsten- und andere Offroadtouren nur mit landeskundigen Reiseführern und in Gruppen.
- Bewahren Sie persönliche Dokumente wie Ausweise, Geld und Co. sicher auf und speichern sie Kopien ab.
- Nehmen Sie keine unnötigen Wertgegenstände und nur wenig Bargeld mit.
- Seien Sie wachsam.