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2026 lohnt sich der Besuch besonders

Diese Stadt in Europa ist noch ein echter Geheimtipp

Trencin
Cafés am Friedensplatz in Trencin mit der mit der mittelalterlichen Burganlage im Hintergrund Foto: picture alliance / imageBROKER | Wolfgang Weinhäupl
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TRAVELBOOK Redaktion

4. Dezember 2025, 6:29 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Was verbindet eine alte Festung, Street-Art, vegane Küche und Café-Kultur? Trencin in der Slowakei. Die Stadt überrascht mit Geschichte, Kunst und sprüht vor Ideen für das Kulturhauptstadtjahr 2026.

Wenn man nach Trencin kommt, merkt man schnell: Hier ist einiges in Bewegung gekommen. Der Grund: Im nächsten Jahr darf sich Trencin neben dem finnischen Oulu mit dem Titel der Kulturhauptstadt Europas schmücken. 

Noch liegt die Stadt im Nordwesten der Slowakei abseits des Massentourismus. Mit einer neugestalteten Fußgängerzone, renovierten Museen, einer „Fiesta-Brücke“ über die Waag und vielen weiteren Projekten will sich Trencin von seiner besten Seite zeigen. 

Die Burg ist das Wahrzeichen

Was wäre Trencin ohne seine Burg? Die mittelalterliche Festungsanlage thront bereits von weitem sichtbar hoch über der Stadt. Am beliebten Café „Coffee Sheep“ biegt man in eine kleine Gasse ab, die über Serpentinen steil hinaufführt. Auf dem Weg begegnet man mitten in der Stadt Schafen. Auch eine ungewöhnliche Kunstinstallation wartet auf dem Weg zur Burg: Wer ein Baugerüst erklimmt, kann ein riesiges Farbrad drehen und durchschauen. Der Panoramablick in den Talkessel färbt sich mal grau, mal gelb. Mit den Farbfiltern wird die Luftverschmutzung durch Abgase und Feinstaub zu verschiedenen Zeiten dargestellt.

Weiter geht es zur Kasse, wo man zwischen einer unbegleiteten Besichtigung oder einer Führung wählen kann. Man ist zu Recht stolz auf sein historisches Erbe. Hoch hinaus geht es auf den Turm, der zu den ältesten Teilen der Anlage gehört. Bis dahin vermitteln Exponate Wissenswertes über die Burg. Im Mittelalter herrschte der Adelige Matthäus Csák (1260–1321) von hier aus über weite Gebiete in der heutigen Slowakei und Ungarn. Sein Wohnraum wirkt für heutige Maßstäbe dennoch spartanisch.

Die mittelalterliche Burganlage thront über dem slowakischen Trencin.
Die mittelalterliche Burganlage thront über dem slowakischen Trencin Foto: picture alliance / Amazing Aerial Agency | Ewold Kooistra

Mountainbiken und Skifahren am Stadtrand

Wer gut zu Fuß ist und etwas von der Landschaft sehen will, nimmt einen längeren Weg zur Burg. Hinter dem Stadtturm geht es links an der alten Stadtmauer entlang zum 215 Hektar großen Waldpark Brezina. Die Route ist gut ausgeschildert und bietet schöne Ausblicke. Für sportlich aktive Menschen bietet das Waldstück eine Mountainbike-Strecke. Im Winter gleiten hier Langläufer auf Skiern durch die schneebedeckte Landschaft. 

Als die Ritter noch auf der Burg lebten, sah die Gegend noch ganz anders aus: Alte Bilder bezeugen, dass die Hügel kahl und baumlos waren. So war sichergestellt, dass Angreifer bereits aus großer Entfernung rechtzeitig erkannt wurden.

Pause mit Kaffee und süßen Palacinky

Nach einer Burgbesichtigung lohnt sich eine Kaffeepause. Auf dem zentralen Mierove namestie reiht sich ein Café an das nächste. Zu den kulinarischen Delikatessen zählen die palacinky – Palatzinki ausgesprochen. Die dünnen Pfannkuchen erinnern an französische Crêpes und sind ein Erbe der früheren Donaumonarchie. Es gibt sie hier in unendlichen Varianten, von süß bis pikant. Im Café „Lary Fary“ kann man etwa einen fruchtigen Genuss aus Kirschen und Mohn bestellen. Bei „Mak palacinkaren“ ein paar Straßen weiter freuen sich Kinder über die originelle „Prinzessinnen“-Variante mit Marshmallows, während Erwachsene eher den Klassiker mit Quark und Marmelade wählen.

Was für die Tschechen das Bier ist, ist offenbar für die Slowaken der Kaffee als Element des sozialen Zusammenhalts. Etwas versteckt in einer kleinen Seitengasse neben dem Ludovit-Stur-Platz findet man die Kaffeerösterei „Coffee Lab“. Der Besitzer Martin Ondik ist sichtlich stolz auf seine Röst- und Espressomaschinen, die er blitzblank hält. Die Atmosphäre ist entspannt, das Publikum lokal. Stammgäste kommen vorbei, um sich zu unterhalten. Überhaupt hat man als Besucher schnell den Eindruck, dass hier jeder jeden kennt, obwohl Trencin immerhin mehr als 54.000 Einwohner hat.

Palacinky
Palacinky sind dünne Pfannkuchen, die es in süßen oder herzhaften Varianten gibt Foto: Michael Heitmann/dpa-tmn

Legende vom Wassermann

Wieder draußen auf dem Ludovit-Stur-Platz trifft man auf eine Attraktion, die Touristen und kleine Kinder geradezu magisch anzieht. Die Statue eines grünen Wassermanns stößt in regelmäßigen Abständen in hohem Bogen eine Fontäne aus. Abends gibt es dazu tolle Lichteffekte. 

Die Statue aus dem Jahr 1998 knüpft an die örtliche Legende vom Wassermann Valentin an. Er soll einst aus Mähren im heutigen Tschechien zugewandert sein. In Trencin verliebte sich Valentin in die Lebkuchenbäckerin Anicka, die seine Gefühle erwiderte. Doch Bürger der Stadt stellten sich aus Angst vor dem Wassergeist gegen die Verbindung. Eines Tages fing das Haus der Lebkuchenbäckerin Feuer. Der Wassermann zögerte nicht und löschte den Brand, kam dabei aber selbst ums Leben. Zur Erinnerung an diese Heldentat ließen die Menschen der Legende zufolge einen Brunnen errichten.

Ein Wassermann sprüht eine Fontäne auf einem Platz
Ein Wassermann sprüht eine Fontäne auf einem Platz in der Fußgängerzone im Zentrum der slowakischen Stadt Trencin Foto: Michael Heitmann/dpa-tmn

Alte Eisenbahn- wird zur Fiesta-Brücke

Der Fluss Waag spielt in Trencin eine entscheidende Rolle in den Plänen für das Kulturhauptstadtjahr 2026. Eine alte Eisenbahnbrücke soll zur „Fiesta-Brücke“ werden. „Sie wird zu einer Promenade, einem Aufenthaltsort mit Grünflächen und einer Vielzahl an gastronomischen Angeboten und sogar zu einem Raum für kulturelle oder sportliche Aktivitäten“, kündigte Stadtarchitekt Martin Bedats an. Geplant sind eine Kletterwand und Trampoline für Kinder. 

Von der Innenstadt aus erreicht man die Brücke bequem in einem kleinen Spaziergang. In einer Unterführung unter einer Schnellstraße kann man auf dem Weg Werke von Street-Art-Künstlern in einer Galerie bewundern. 

Die 255 Meter lange Eisenbahnbrücke, die einst abgerissen werden sollte, ist derzeit noch eine Baustelle. Die geplanten Kosten der Instandhaltungsmaßnahmen und Umbauarbeiten belaufen sich auf fast 15 Millionen Euro. Nach dem Wunsch der Planer soll das „ikonische Bauwerk“ künftig Teil der visuellen und sozialen Identität der Stadt werden. Die Brücke verbindet beide Ufer der Waag (auf Slowakisch vah), des längsten Flusses des EU- und Nato-Mitgliedstaats.

Eine alte Eisenbahnbrücke im slowakischen Trencin
Die alte Eisenbahnbrücke im slowakischen Trencin soll in eine „Fiesta-Brücke“ mit Gastronomie und Kunstveranstaltungen verwandelt werden Foto: Michael Heitmann/dpa-tmn

Künstler aus ganz Europa zu Gast

Wer nicht auf Kunsterlebnisse warten will, wird heute schon in der städtischen Galerie fündig. Sie ist nach dem slowakischen Maler Milos Alexander Bazovsky (1899-1968) benannt. Nach Studien in Budapest, Prag und Wien fand er Inspiration in volkstümlichen Motiven. 

Im Zuge des Kulturhauptstadt-Programms kommen zeitgenössische Künstler aus anderen europäischen Ländern zu Werksaufenthalten in die Galerie. So präsentierte etwa die Norwegerin Marit Benthe Norheim in Trencin ihre Meerjungfrauen-Skulpturen, die mal freundlich, mal eher furchterregend und geheimnisvoll wirken. In einem Workshop der Künstlerin erzählten Kinder ihre Erlebnisse mit dem Wasser.

Neben historischen Bauwerken und künstlerischen Angeboten hat Trencin trotz seiner kleinen Größe auch kulinarisch einiges zu bieten. Im Restaurant „Roots Vegan Food“ werden täglich wechselnde Mittagsgerichte ganz ohne Fleisch angeboten – in diesem Teil Europas immer noch eine Rarität. Zu probieren gab es etwa den Rote-Beete-Wellington mit Erbsenpüree und Kartoffeln.

Die Pizzeria „Castello“ bietet italienische Küche und das „Mestsky hostinec“ Burger mit Rindfleisch vom Bauernhof. Im Brauhaus „Lanius“ kann man den Tag bei einem Bier in Ruhe ausklingen lassen. Einmal probiert haben sollte man das „Pretzelbier“ – eine slowakische Hommage an das Münchner Oktoberfest.

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Eröffnungsfeier Mitte Februar

Die große Eröffnungsfeier findet in Trencin am 15. Februar statt. Im März ist ein Literaturfestival geplant, gefolgt von einem Lichtkunstfestival sowie einer Serie von Konzerten mit Roma-Musik im April. Das Programm beinhaltet zudem eine Reihe von Kunstinterventionen im öffentlichen Raum, zum Beispiel in einem Krankenhaus und im Rathaus. Einer der Höhepunkte des Jahres ist das Fiesta-Festival auf der umgestalteten Brücke über die Waag im September.

Anreise nach Trencin

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Trencin liegt an der Bahnstrecke Bratislava-Zilina. Von Dresden aus ist die Stadt in etwas mehr als sieben Stunden mit Umstiegen in Prag und Puchov zu erreichen. Von München dauert es über Wien und Bratislava ebenfalls rund sieben Stunden. Der Flughafen in Bratislava mit Direktverbindungen nach Dortmund und Berlin ist mit Zug und Airport-Bus in knapp zwei Stunden zu erreichen, der Flughafen Wien-Schwechat in dreieinhalb Stunden. 

Trencin liegt verkehrsgünstig an der slowakischen Autobahn D1, die nach Bratislava führt, wo Anschluss an die D2 Richtung Tschechien sowie an das österreichische Autobahnnetz besteht.

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