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Nach Zugräumung

TRAVELBOOK-Autorin: »Warum die Bahn es sich mit ihrer Sitzplatz-Politik zu einfach macht

Die Deutsche Bahn pflegt ein offenes System: Man darf auch mit spontan erworbenem Ticket einsteigen
Mit ihrem offenen System verspricht die Deutsche Bahn Flexibilität – doch übernimmt sich damit Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

20. April 2026, 10:43 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Kunden der Deutsche Bahn sollen die Möglichkeit haben, „spontan in jeden Zug einsteigen“ zu können – nur bitte nicht zu viele auf einmal! Sonst müssen einige Fahrgäste das Verkehrsmittel wieder verlassen. Genau das ist erst vor wenigen Tagen erneut passiert, in einem ICE von Köln nach Berlin. Vom sogenannten offenen System bleibt da wenig übrig. Unsere Autorin hätte da eine naheliegende Idee, wie es besser ginge – und viel Fantasie braucht es dafür nicht.

Ich habe selbst einmal in einem völlig überfüllten Zug der Deutschen Bahn gesessen, auf einem letzten freien Platz im Bordrestaurant. Los fuhr der Zug jedoch zunächst nicht. Stattdessen ertönten Durchsagen, wonach zahlreiche Passagiere den ICE wegen Überfüllung verlassen müssten. Natürlich wollte das niemand. Der Bahn-Tag war einer der besonders störanfälligen Sorte, etliche Verbindungen waren ausgefallen.

Ich musste nun im Bordrestaurant etwas bestellen, um die eigene Daseinsberechtigung gewissermaßen zu finanzieren. Aber auch das hätte keinen dauerhaften Schutz davor bedeutet, an der nächsten Station doch hinausgebeten zu werden, wie ein Mitarbeiter im Speisewagen erklärte. Eine unangenehme Situation. Und auch wenn die Deutsche Bahn nach einer jüngeren solchen (BILD berichtete) betonte, dass Zugräumungen „nur äußerst selten“ vorkämen. Dass sie es überhaupt tun, ist aus meiner Sicht ein Unding und dabei nicht ein Mal nötig.

Das offene System der Bahn funktioniert nicht

Ich gehöre selbst zu den Fahrgästen, die es sich in schöner Regelmäßig zunutze machen, dass man bei der DB spontan zusteigen kann – eine Möglichkeit, die Fahrgäste auch weiterhin behalten sollen, wie die Bahn im Gespräch mit BILD betonte. Und ja, eigentlich immer ohne Sitzplatzreservierung. Ich bin sehr eigen und schaffe es nur selten, mit einem vorgegebenen Platz vorliebzunehmen. Wenn mir etwa die Speisepläne der Mitreisenden so gar nicht zusagen wollen, suche ich mir ein besseres Plätzchen, und meist hat man ja doch Glück und findet etwas Passendes.

Oder: eben nicht. Haben sich nun, aus welchen Gründen auch immer, zu viele Menschen „spontan“ überlegt, mit einem bestimmten Zug zu reisen, kann dieser noch voller werden als ohnehin schon üblich. Und dann kann es passieren, dass Passagiere wieder aussteigen müssen. Wer? Solche ohne Sitzplatzreservierung – selbst mit einem ansonsten gültigen Ticket. Da scheint es sogar egal zu sein, ob dieses besonders günstig erworben wurde, beispielsweise als Sparpreis durch einen Frühbucher, oder zu einem stattlichen Betrag.

Besonders widersprüchlich wird es beim Flexpreis. Entsprechende Tickets kosten bekanntlich etwas mehr und sollen dafür den großen Vorteil bieten, dass man theoretisch jeden passenden Zug am Reisetag nutzen kann. In der Praxis wird man dann womöglich trotz teurem Ticket nicht mitgenommen. Stattdessen sind die 5,50 Euro für die Sitzplatzreservierung das Zünglein an der Waage.

Die Sitzplatzregelung bei FlixTrain ist deutlich sinnvoller

5,50 Euro – einerseits nicht sehr viel Geld. Doch andererseits: für das, worum es hier geht, sehr wohl.

Beim Konkurrent FlixTrain erhält jeder Fahrgast automatisch einen Sitzplatz, und hat bereits für das Ticket selbst im Zweifelsfall deutlich weniger bezahlt. Ist im FlixTrain kein Platz mehr verfügbar, dürfen für betreffenden Zug keine weiteren Fahrkarten verkauft werden. Dies nachzumachen, würde für die Deutsche Bahn Einnahmeeinbußen bedeuten, und natürlich zulasten der so gern beschworenen „Flexibilität“ gehen. Doch was nützt Flexibilität, wenn Züge regelmäßig an ihre Grenzen geraten?

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In überfüllten Zügen läuft nichts rund – und Gefahren drohen

Wenn Züge als ausgebucht gelten, aber dennoch weitere Fahrgäste ohne festen Platz zusteigen können, ist das zunächst unlogisch. Und im nächsten Schritt kostet es den Komfort. Man denke nur an das WLAN an Bord – ein Shared Medium, das, wenn es von zu vielen Nutzern gleichzeitig beansprucht wird, unweigerlich zusammenbricht.

Und auch beim Bedarf am Notwendigsten kann es in überfüllten Zügen schnell zu Engpässen kommen. Denn die Bordtoiletten verfügen nur über begrenzte Sammeltanks. Bei hoher Auslastung sind sie entsprechend häufiger außer Betrieb oder eingeschränkt nutzbar.

Auch interessant: Alle Toiletten im Zug defekt – und nun?

Fahrgäste, die keinen Sitzplatz finden, müssen mitunter stundenlang stehen oder auf dem Boden kauern. Dadurch schließen Türen langsamer, der Fahrgastwechsel dauert länger, Verspätungen entstehen. Und dabei bleibt es nicht. Überfüllte Wagen, blockierte Gänge und Menschen, die sich in Eingangsbereichen drängen, erschweren die Betriebsabläufe und bergen Sicherheitsrisiken. Im Notfall werden Evakuierungen zusätzlich erschwert, weil Wege und Ausgänge nicht frei sind.

Die Probleme sind bekannt, doch werden nicht behoben

In diesem Beitrag aus dem Jahr 2022 erklärt TRAVELBOOK Näheres dazu, wer im Fall einer Zugräumung einen überfüllten ICE verlassen muss. Dort heißt es auch, dass Fahrgäste, die (wegen einer fehlenden Sitzplatzreservierung) mit dem Bahnsteig vorliebnehmen müssen, einen 30-Euro-Gutschein erhalten. Das macht die Sache kaum besser. Im Gegenteil: Es zeigt, dass es für das offensichtlich bereits bekannte Problem längst einen Standardprozess gibt. Dass derartige Fälle offenbar häufig genug vorkommen, um eine pauschale Entschädigung vorzusehen.

Fakt ist: Wer hunderte Euro für spontane Reisen verlangt, kann nicht gleichzeitig so tun, als seien 5,50 Euro der Preis für Planbarkeit. Die Bahn sollte sich an der Sitzplatzregelung seines Günstig-Mitbewerbers ein Beispiel nehmen.

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