8. Oktober 2025, 17:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Mit 8000 Quadratkilometern ist das Elsass die kleinste Region Frankreichs. Von Deutschland aus ist sie ganz einfach mit dem Auto erreichbar, denn die Grenze verläuft im Norden und Osten entlang der deutschen. Zur Weihnachtszeit erstrahlen die kleinen Städte und Ortschaften in festlichen Dekorationen, weshalb ein Besuch besonders dann lohnenswert ist. TRAVELBOOK verrät, was es im Elsass zu Weihnachten zu sehen gibt.
Ende November verwandelt sich die Region zwischen Rhein und den Vogesen in ein Weihnachtswunderland. Von der Hauptstadt Straßburg bis zu den winzigsten Dörfern – alles schmückt sich. Fast 150 Weihnachtsmärkte locken mit Kunsthandwerk und Köstlichkeiten. Kein Wunder also, dass viele das Elsass als das Weihnachtswunderland bezeichnen.
Weihnachtszeit im Kayserberg und elsässischer Eintopf
Das Städtchen Kaysersberg erinnert auf den ersten Blick an ein Postkartenmotiv. Inmitten der Weinberge gelegen, mit Fachwerkhäusern und Storchennestern auf den Dächern, ähnelt der Ort einer Stadt aus einem Märchen. Der Weihnachtsmarkt findet an jedem Wochenende (Freitag, Samstag, Sonntag) vom 28. November bis zum 21. Dezember statt. Wer einzigartige Geschenke sucht, der wird in einer der 30 Holzbuden fündig. Neben den von den Kunsthandwerkern geschaffenen Stücken gibt es auch köstlichen Glühwein, Plätzchen und andere weihnachtliche Leckereien. In einem der historischen Winzerhäuser kann man über ein Dezember-Wochenende ein paar kuschelige Nächte verbringen.
Unbedingt probieren sollten sie das elsässische Gericht Baeckoffe, das einem Eintopf sehr nahekommt. In einem Topf werden dafür Rind-, Lamm- und Schweinefleisch für mindestens 12 Stunden mariniert. Im Anschluss daran kommt das Ganze für zwei bis drei Stunden mit Gemüse wie Kartoffeln und Möhren zum Garen in den Ofen.
Zauberhaftes Colmar
Nur zehn Kilometer südlich von Kayserberg liegt der Ort Colmar. Entlang der Place des Dominicains und in den Vierteln Klein Venedig und Koifhus gibt es Konzerte, Märchenerzählungen und viel Weihnachtsstimmung. Am aufregendsten für Kinder ist der mannshohe Briefkasten des Weihnachtsmannes, in den die Wunschzettel gesteckt werden.
452 Jahre Weihnachtsmarkt in Straßburg
Mit 452 Jahren einer der ältesten Weihnachtsmärkte Europas ist der „Christkindelmärik“ in Straßburg. Das erste Mal fand der Weihnachtsmarkt im Jahre 1570 statt und verzaubert bis heute Menschen aus aller Welt. Am Fuße des prächtigen Münsters und in den Straßen und Plätzen der Innenstadt stehen rund 300 Holzhütten, in denen Händler dutzende originelle Geschenkideen anbieten. Besonders für den Weihnachtsbaum gibt es viel Schmuck und auch für Leckereien ist gesorgt. Vom 26. November bis zum 24. Dezember 2025 kann man über den berühmten Weihnachtsmarkt schlendern und in die weihnachtliche Atmosphäre eintauchen und sich der Weihnachtsmagie aussetzen.
Auf dem Kléber-Platz thront ein fast 30 Meter hoher Tannenbaum, einer der höchsten Weihnachtsbäume in Europa. Eines sollten Sie unbedingt den Lieben daheim mitbringen: Bredele, die typisch elsässischen Weihnachtsplätzchen. In der Pâtisserie Kübler in der Avenue des Vosges schmecken sie vorzüglich.
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Legenden von Feen und Riesen zu Weihnachten im Elsass
Beschaulicher als in Straßburg geht es in den vielen Puppenstubenstädtchen an der elsässischen Weinstraße zu. Die stillen Dörfer sind die Orte für Legenden, Elfen, Feen und Riesen. Einer der zentralen Figuren in der elsässischen Weihnachtszeit ist Hans Trapp. Im Elsass begleitet er das Christkind und ist, anders als das Christkind, eine gruselige Persönlichkeit. Beruhen soll diese fiktive Figur auf einer realen Person, und zwar dem Ritter Hans von Trotha, der im 15. Jahrhundert lebte. Den Legenden nach begleitet Hans Trapp das Christkind, um ungehorsame und freche Kinder zur Vernunft zu bringen. Noch heute fürchten sich Kinder vor dieser Figur, die immer noch eine wichtige Rolle zu Weihnachten im Elsass spielt.
Ein schöner Brauch findet in der Gemeinde Turckheim statt. Dort verwandelt sich das Rathaus zur Weihnachtszeit in einen Adventskalender. Jeden Abend im Dezember bis Heiligabend kommt pünktlich um 17 Uhr eine Prozession aus Sternenträgern und Laternenanzündern aus dem Rathaus und öffnet einen Fensterladen. Dahinter verbergen sich Symbole aus der Adventszeit.
Die Erfinder des Weihnachtsbaums
Wer die Stadt Sélestat besucht, sollte unbedingt einen Abstecher in die Humanistische Bibliothek machen. Dort gibt es neben uralten Büchern und Schriftstücken auch die erste schriftliche Erwähnung des Verkaufs von Tannen zum Christfest. Dieses ist datiert auf das Jahr 1521, was die Elsässer mächtig stolz macht. Deshalb werden diese auch als Erfinder des Weihnachtsbaums bezeichnet.
Nur 20 Minuten mit dem Auto von Sélestat entfernt liegt das Städtchen Gertwiller. Hier steht nahe der Kirche ein Hexenhaus, das fast zum Anbeißen ist! Denn die Fassade ist dekoriert mit Herzen und Sternen aus Lebkuchenteig. Die Fensterläden gleichen Gewürzkuchen mit Mandeln und kandierten Früchten. Der Hexenmeister heißt Michel Habsiger und ist der Lebkuchenmeisterbäcker der Pâtisserie Lips. Seine Lebkuchen backt er seit mehr als 200 Jahren in Handarbeit nach traditionellen Rezepten. Zudem gibt es auf dem Dachboden über der Bäckerei ein Museum mit Lebkuchen-Schmuckbildern, die man, zum Beispiel, ins Poesiealbum kleben kann.