Bademäntel, Handtücher, Kosmetik

Das kann passieren, wenn man im Hotel was mitgehen lässt

Hotel Badezimmer
Ein Extra-Koffer für die vermeintlichen Souvenirs aus dem Hotel? Keine gute Idee! Selbst das Klopapier ist Eigentum des Hotels – nehmen Sie es mit, machen Sie sich des Diebstahls strafbar
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Mal ehrlich: Fast jeder von uns hat im Hotel doch schon mal ein Handtuch stibitzt oder kennt zumindest jemanden, der damit kein Problem hat. Aber wussten Sie, dass Sie eigentlich nicht mal die Hygieneartikel aus dem Hotelbad mitnehmen dürften? TRAVELBOOK verrät, was erlaubt ist – und wofür man Sie des Diebstahls bezichtigen kann.

Handtücher und Bademäntel sind mit Abstand die am meisten geklauten Gegenstände in Hotels. Das hat eine Umfrage des Wellness-Guides „Wellness Heaven“ unter mehr als 1100 Hoteliers ergeben. Danach folgen Kleiderbügel, Stifte, Besteck und Kosmetik. Erschreckend: Manche Gäste sind sogar so dreist, dass sie ganze TV-Geräte, Kunstwerke und Matratzen aus dem Zimmer schleppen!

Zu den absurdesten Gegenständen, die der Umfrage zufolge entwendet wurden, zählen ausgestopfte Jagdtrophäen, Zimmernummern, Badarmaturen und ein komplettes Geschirrservice. Aus der Lobby eines Hotels in Italien ist sogar ein Klavier verschwunden, wie einer der befragten Hoteliers berichtet.

Unterschiedliches Klauverhalten in 4- und 5-Sterne-Hotels

„4-Sterne-Gäste begnügen sich hingegen mit weniger spektakulären Geschenken“, heißt es in den Umfrageergebnissen. „Handtücher und Kleiderbügel sind bei ihnen tendenziell beliebter als bei 5-Sterne-Gästen, praktische Utensilien wie Batterien und Fernbedienungen klaut der 4-Sterne Hotelgast mit besonderer Wonne.“

Millionenschaden für die Hotels

Der Hotelverband Deutschland (IHA) schätzt, dass den Betreibern durch den Diebstahl ein Schaden in Millionenhöhe entsteht. „Gestohlen wurde wohl schon so ziemlich alles, von duftenden Seifen, exklusiven Shampoos, bequemen Hausschuhen, über Kissen und Bettwäsche bis hin zum Toilettensitz und Fernseher, Lampen und Pflanzen, Wandgemälden oder Glühbirnen“, sagt IHA-Sprecher Christopher Lück zu TRAVELBOOK.

Streng genommen dürfte man nicht mal die kleinen Kosmetik-Fläschchen aus dem Bad mitnehmen
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Darf ich überhaupt etwas mitnehmen?

Da gehen die Meinungen auseinander. „Genau genommen darf man aus dem Hotelzimmer gar nichts mitnehmen“, sagt IHA-Sprecher Christopher Lück. Selbst Kleinigkeiten wie Seifen, Shampoos und Cremes gehören Lück zufolge zur Hotelausstattung und sind zur Benutzung während des Aufenthaltes vorgesehen – nicht als kostenlose Souvenirs.

Hoteliers sind aber in der Regel bei kleineren Gebrauchsgegenständen kulant. „Kugelschreiber, Notizblock, Bade-Amenities und auch die Badeschuhe sind Dinge, die der Gast mitnehmen kann“, sagt Anne Heußner, die mit ihrer PR-Agentur Primo viele Hotels an der Nord- und Ostseeküste betreut. Der IHA empfiehlt allerdings, auch bei diesen Gegenständen besser vorher nachzufragen, ob sie zum Mitnehmen gedacht sind.

„Gegenstände des Hotelbetriebs wie zum Beispiel Handtücher, Bademäntel, Bettwäsche, Fernseher oder Fernbedienungen sind dagegen selbstverständlich nie zur Mitnahme durch den Gast gedacht. Packt er sie dennoch ein, macht er sich in der Regel des Diebstahls strafbar“, sagt Lück. „Fakt ist: Hoteldiebstahl ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine strafbare Handlung“, betont der IHA-Sprecher.

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Diebstahl schwierig nachzuweisen

Bei Handtüchern und Bademänteln drücken viele Hoteliers in der Regel noch ein Auge zu. Gerade in Wellnesshotels, wo zusätzliche Handtücher und Bademäntel im Spa-Bereich ausgegeben werden, ist die Lage ohnehin unübersichtlich. So nehmen manche Gäste die Spa-Handtücher mit aufs Zimmer, andere lassen sie im Wellnessbereich zurück oder nutzen auf Nachfrage noch ein zweites.

Im Nachhinein lässt sich also kaum noch feststellen, durch wen und wann genau ein Gegenstand tatsächlich entwendet wurde. Auch lassen etwa viele Gäste beim Check-out die Zimmertür offen stehen, sodass bis zur nächsten Kontrolle jederzeit jemand das Zimmer betreten und etwas herausnehmen könnte. „Die Frage ist: Wer war es wirklich? Wie wollen Sie beweisen, ob der Gast es wirklich war?“, sagt der Sprecher eines großen deutschen Hotelunternehmens, das nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit TRAVELBOOK. Früher habe man den einen oder anderen Gast noch angeschrieben, wenn etwas fehlte. „Aber der Aufwand lohnt sich nicht.“

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Vor allem größere Hotels betroffen

Und es gibt noch einen Grund, warum Langfinger oft verschont bleiben: „Meistens drücken die Hoteliers beide Augen zu, sie möchten ja, dass der Gast wiederkommt“, sagt Primo-Geschäftsführerin Anne Heußner. Generell habe sich aber gezeigt: „Je kleiner das Hotel, umso familiärer, umso weniger werden Gegenstände entwendet.“

Verschont bleiben jedoch auch die kleineren Hotels nicht, die ohnehin nur schwer die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebs gewährleisten können. Das regelmäßige Ersetzen von Bademänteln kann dann durchaus ein erheblicher Kostenfaktor sein. Folge: Viele Unterkünfte stellen sie ihren Gästen gar nicht mehr zur Verfügung.

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Keine Polizei

Wird ein Gast jedoch erwischt, oder man kann ihm die Mitnahme eines Gegenstands zweifelsfrei nachweisen, dann steht es dem Hotel frei, Anzeige zu erstatten. „Egal, was der Gast mitnimmt – im schlimmsten Fall betrachtet es ein Hotel als Diebstahl, wenn man, ohne zu fragen, einfach einpackt, was einem gefällt“, sagt IHA-Sprecher Lück. Zu einer Anzeige kommt es allerdings äußerst selten. Meist würden Fälle von Diebstahl eher diskret behandelt, wie Maximilian Bosse, Chef des Hotels Essener Hof, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ verriet. „Da wird nicht die Polizei gerufen, sondern ein Brief geschrieben mit dem Inhalt: Sie haben den Bademantel vermutlich irrtümlich eingesteckt und können ihn zurückschicken oder auch kaufen.“

Apropos kaufen: Um Langfingern vorzubeugen, bieten viele namhafte Hotels inzwischen die Möglichkeit, ihre Produkte käuflich zu erwerben, etwa im hoteleigenen Shop oder online.