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Auch zwei in Deutschland dabei

9 ehemalige Gefängnisse, in denen man heute übernachten kann

Gefängnishotels
Zahlreiche Hotels werben weltweit mit Knastluxus. Dieses Foto stammt vom Gefängnishotel mit dem bezeichnenden Namen „Liberty" in Offenburg. Foto: Hotel Liberty
Co-Redaktionsleiterin

1. Oktober 2026, 19:25 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Würden Sie gern mal eine Nacht im Gefängnis verbringen? Erfahren, wie es sich in einer winzigen Zelle auf einer unbequemen Pritsche hinter Gittern so schläft? Wenn ja, dann tun Sie das doch – ohne eine Bank zu überfallen oder etwas anderes Kriminelles anzustellen. An vielen Orten auf der Welt gibt es Gefängnishotels, die teilweise fast authentische Hinter-Gittern-Erlebnisse bieten. Wir zeigen neun spannende Unterkünfte, von denen zwei in Deutschland liegen.

Hotel Liberty, Offenburg

Gefängnishotel Liberty
In der hoteleigenen „Strafbar“ befand sich mutmaßlich einst eine Folterkammer Foto: Hotel Liberty

Die massiven Wände, schweren Zellentüren und Gitter an manchen Fenstern lassen noch heute erahnen, welchen Zweck das rund 200 Jahre alte Backsteingebäude ursprünglich erfüllte. An Urlaub und Entspannung war hier lange Zeit nicht zu denken. Zwischen 1845 und 2009 diente der Bau als Gefängnis von Offenburg. Gerade in den Anfangsjahren saßen hier auch Widerstandskämpfer und politisch Verfolgte ein.

Mit der Geschichte des Hauses im Fokus wurde das einstige Gefängnis behutsam in das stilvolle Hotel Liberty umgewandelt. Heute wirbt es mit seiner Philosophie von Freiheit, wofür der Name ja auch sinnbildlich steht. Dass hier badische Revolutionäre, sozialistische Querdenker, Opfer des Naziregimes und später Untersuchungshäftlinge wie der Schäuble-Attentäter Dieter Kaufmann gefangen gehalten wurden, verschweigen sie nicht. Sie erzählen all das in einem Text zur Geschichte des Gefängnisgebäudes. Eine hochwertige Ausstattung und ein moderner Glaskubus haben aus dem einst bedrückenden Ort ein außergewöhnliches Luxusdomizil gemacht.

Wilmina, Berlin

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In Berlin hat 2022 mit dem Wilmina ebenfalls ein Gefängnishotel eröffnet. Untergebracht ist das stilvolle Hotel im ehemaligen Frauengefängnis in der Kantstraße 79 in Charlottenburg. Das Projekt übernahmen die Architekten Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst. Zu Nazizeiten wurden hier Gegner des Regimes festgehalten. Ab 1939 waren die Häftlinge ausschließlich Frauen, die von der Gestapo der sogenannten „Roten Kapelle“ zugeordnet wurden. Darunter Frauen wie Libertas Schulze-Boysen, Melitta Gräfin von Stauffenberg oder Mildred Harnack.

Nach Kriegsende wurde das Gefängnisgebäude als Jugendarrest-Anstalt und bis 2010 als Archiv für das Kammergericht genutzt. Danach stand es leer, wurde nur hin und wieder für Dreharbeiten wie die von „Der Vorleser“ (2009) genutzt. Im Vorderhaus hat der kanadische Lichtdesigner Bocci sein neues Hauptquartier bezogen – mit zahlreichen futuristischen Lichtinstallationen, die das ehemalige Gerichtsgebäude zum Leuchten bringen.

Karosta, Liepāja (Lettland)

Karosta
Viel verändert hat sich im Innern des Karosta seit seiner Zeit als Militärgefängnis anscheinend nicht Foto: Karostas Cietums

Wer möchte nicht nachts geweckt, barfuß aus dem Bett gezerrt und in den Flur kommandiert werden, wo irgendein Typ in einer Uniform einen mit gefühlt viel zu vielen Dezibel anschreit? Sie auch nicht? Andere aber schon. Und die buchen sich freiwillig ins einstige Militärgefängnis Karosta in Liepāja, Lettland, ein. Das war einst Nazi- und Sowjet-Gefängnis. Heute steht es Besuchern tagsüber wie zur Übernachtung offen.

Wer im Karosta die Nacht verbringen möchte, bezahlt ab 15 Euro. Zudem unterschreibt man eine Einwilligungserklärung zu all den unschönen Erlebnissen, die dort warten – seien es lebendige Quälgeister oder tote. Denn nicht nur, dass Besucher hier die Nacht im Gefängnis-Flair verbringen. Obendrein soll es im Karosta auch noch spuken. Unruhige Seelen, die hier einst gequält wurden, sollen nachts Türen öffnen oder Glühbirnen zum Flackern bringen. Na dann, gute Nacht.

„Four Seasons Istanbul at Sultanahmet“, Istanbul (Türkei)

Das Four Seasons Istanbul at Sultanahmet wirbt mit seiner besonderen Architektur
Das Four Seasons Istanbul at Sultanahmet wirbt mit seiner besonderen Architektur Foto: picture alliance / Westend61 | Hans Lippert

Ebenfalls einst ein Gefängnis war das luxuriöse „Four Seasons Istanbul at Sultanahmet“ in der Türkei. Die politischen Gefangenen und Künstler, die hier weggesperrt wurden, bleiben unerwähnt. Dafür wirbt das Four Seasons damit, dass Gäste hier in einem, zum luxuriösen Leben umfunktionierten, türkischen Gefängnis nächtigen. Dieses sei mit seinen dramatischen Kuppeln und Türmen ein „Beispiel türkischer neoklassizistischer Architektur“.

Unitas Hotel, Prag (Tschechien)

Die Historie ihres Hauses erzählen auch die Betreiber dieses respektvoll umfunktionierten Gefängnishotels: das Unitas Hotel im tschechischen Prag. Einst ein Jesuiten- und dann Nonnenkloster, wurden die hier lebenden Schwestern schließlich von der Staatssicherheit überfallen und abtransportiert. In dem einstigen Kloster hat man dann das Hauptzentrum der Stasi eingerichtet. Hier wurden in den Jahren der kommunistischen Herrschaft politische Gefangene verhört und gefoltert, etwa der damals zukünftige Präsident der Tschechoslowakei, Václav Havel. Nach dem Ende der sozialistischen Herrschaft wieder Kloster mit einer ersten Pension wurde das Haus schließlich vollständig renoviert und als Vier-Sterne-Hotel wiedereröffnet.

Malmaison, Oxford (England)

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Das Malmaison in Oxford wirbt damit, dass es „besser als dein Durchschnitts-Gefängnis“ sei. Gäste laufen hier durch einen mehrstöckigen Gefängnisaufbau, mit Zellen neben- und übereinander. Das heutige Gefängnishotel ist Teil des einstigen Oxford Castles. Dessen Überreste wurden nach seiner Zerstörung im britischen Bürgerkrieg schließlich im 18. Jahrhundert zum Stadtgefängnis umgebaut, das bis 1996 als solches genutzt wurde. Und natürlich, wie könnte es auch anders sein, soll es auch im Malmaison spuken. Zu spüren und zu sehen sein soll unter anderem der Geist von Mary Blandy, die 1752 hier für die Vergiftung ihres Vaters gehängt wurde.

Auch interessant: Das unheimliche Hotel, das Stephen King zum Horrorklassiker „The Shining“ inspirierte

Courthouse Hotel Shoreditch, London (England)

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Für seine berühmten Ex-Insassen feiert sich besonders das Courthouse Hotel Shoreditch im Londoner East End. Einst Amtsgericht mit Polizeistation saßen hier kriminelle Berühmtheiten wie die Kray-Zwillinge ein. Das waren zwei Gangster, die die organisierte Kriminalität im East End der 1950er und 1960er Jahre unter ihrer Kontrolle hatten. Zudem pflegten sie Kontakte zu Prominenten wie Frank Sinatra, Judy Garland sowie hochrangigen Politikern ihrer Zeit. Auch Autor George Orwell wurde hier einst festgehalten. Und gleich gegenüber befindet sich das Rathaus, in dem man das letzte Opfer Jack the Rippers obduziert hat.

Hotelgäste können in der Jailhouse Bar in den kleinen, renovierten Zellen der einstigen Polizeistation sitzen und mit einem Kray-Porträt anstoßen. Sie übernachten in ungleich größeren Zimmern und Suiten mit Namen wie „Magistrate King“ oder „Xscape King“ und können sich im Pool, Kino oder auf der Bowlingbahn vergnügen.

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Långholmen, Stockholm (Schweden)

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Ein bisschen subtiler spielen andere Gefängnishotels mit ihrem ursprünglichen Zweck. So etwa das Långholmen auf der gleichnamigen Insel in Stockholm, Schweden. 250 Jahre war das Haus ein Gefängnis, als Strafanstalt für Frauen im Jahr 1724 gegründet und anschließend expandiert. Bereits 1989 wurde der ehemalige Knast zu einem Hotel und Hostel mit Konferenzräumen umfunktioniert. Heute lädt das Hotel seine Gäste zum Essen, Bleiben und Arbeiten in ruhiger und sicherer Atmosphäre ein. Vom einstigen Gefängnis steht noch der Grundaufbau. Und dort dürfen Gäste zusammen „Ausbruch“ und „Gefangener für einen Tag“ spielen.

Jail Hill Inn, Illinois (USA)

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Im Jail Hill Inn im US-Bundesstaat Illinois erinnern nur noch der Hotel-Name und hier und da eingeritzte Häftlingsnamen an das einstige Bezirksgefängnis. Die heutigen Gäste werden eingeladen, in großzügigen Suiten zu übernachten, ihren Morgenkaffee in den Gemeinschaftsräumen zu genießen oder sich dort bei abendlichem Wein und Käse zu entspannen.

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