11. Dezember 2025, 10:41 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Kennen Sie sich in der italienischen Küche gut aus? Dann sind Ihnen die klassischen Pastasaucen sicher längst vertraut. Aber wetten, dass Sie von dieser einen noch nichts gehört haben? Pasta alla Zozzona – eine von vielen als geradezu „schmutzig“ oder zumindest besonders üppig empfundene Kreation, die außerhalb Roms erstaunlich unbekannt ist. TRAVELBOOK stellt die vielleicht deftigste aller Pastasaucen vor.
Was ist Pasta alla Zozzona?
Es gibt üppigere und weniger üppige Pastasaucen. In die erste Kategorie fallen zweifellos Klassiker wie Amatriciana oder Carbonara – beide werden mit knusprigem Guanciale (Schweinebacke) und reichlich Käse zubereitet, bei Carbonara kommt auch noch Eigelb hinzu. Und nun stellen Sie sich einmal vor, man würde diese Saucen miteinander vereinen, und dann auch noch einen dritten römischen Pasta-Klassiker hineinwerfen: Cacio e Pepe. Das wäre ziemlich… versaut, oder? Genau auf diese „schmutzige“ Idee ist man einst in Rom gekommen. Das Ergebnis nennt sich Pasta alla Zozzona, was sich sinngemäß als „schmutzige“ oder „schamlos üppige“ Pasta übersetzen lässt.
Die genaue Entstehungsgeschichte der Sauce ist nicht dokumentiert. Heute geht man davon aus, dass es sich um eine volkstümliche, improvisierte Kreation handelt, die vermutlich als schnelles Resteessen entstand. „Deshalb lautet das Motto für Pasta alla Zozzona: Je mehr man hat, desto mehr gibt man hinein.“ Dies schreibt „La Cucina Italiana“, ein bereits 1929 gegründetes italienisches Koch- und Food-Magazin, auf seinem Internetauftritt. Bemerkenswert ist das insofern, als Italiener gemeinhin für ihre ausgeprägte kulinarische Traditionstreue bekannt sind. Bei dieser „Hybrid-Sauce“ sind sie hingegen weniger streng – und das hat gute Gründe.
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Wenn auch „tief in der römischen Tradition verwurzelt“, wie „La Cucina Italiana“ schreibt, ist Pasta alla Zozzona außerhalb ihrer Geburtsstadt, geschweige denn Italiens, kaum bekannt. Deshalb muss man beim Nachkochen mitunter ein wenig improvisieren. Guanciale – eigentlich zwingende Zutat für Carbonara, Amatriciana und Co. – ist nicht überall erhältlich. Deshalb ist als Kompromiss auch mal Pancetta (fetter Bauchspeck) gestattet. Im Internet verbreitete Rezepte für Pasta alla Zozzona schreiben oft die Verwendung von Salsiccia vor, teilweise anstelle von und oft auch zusätzlich zu Guanciale.
Wichtig: Aufgrund ihrer Geschichte gibt es für Pasta alla Zozzona kein standardisiertes Rezept. Die Sauce ist der Definition nach improvisiert und variiert daher von Trattoria zu Trattoria sowie in römischen Haushalten – und weltweit. Auch Nutzer auf Plattformen wie Reddit berichten, dass sie die Zubereitung je nach vorhandenen Zutaten spontan anpassen und zum Beispiel manchmal, ganz nach Lust und Laune, ein zusätzliches Eigelb einrühren. Die folgende Anleitung basiert auf einem Rezept von „La Cucina Italiana“ und berücksichtigt Ergänzungen von Giallo Zafferano, einem der bekanntesten italienischen Rezeptportale.
Zubereitung für 4 Personen
- 320 g Rigatoni
- 200 g Guanciale
- optional: 250 g Wurst (z. B. Salsiccia)
- 60 g Pecorino Romano
- 350 g Kirschtomaten aus der Dose
- 4 Eigelb
- 40 g Pecorino Romano zum Mischen
- Natives Olivenöl extra (nach Bedarf)
- 1 Glas Rotwein
- Salz und Pfeffer
In einer großen Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und den kleingeschnittenen Guanciale (und die Wurst) darin knusprig auslassen. Die Kirschtomaten hinzugeben, kurz mitgaren. Die Sauce immer wieder mit etwas Rotwein ablöschen, verdampfen lassen. In der Zwischenzeit die Rigatoni in reichlich gesalzenem Wasser al dente kochen. Die Pasta abgießen und zur Sauce geben. Die Pfanne vom Herd nehmen und nun die Eigelbe und den Pecorino nach und nach unterrühren, sodass eine cremige Sauce entsteht. Mit Salz, Pfeffer und bei Bedarf etwas Olivenöl abschmecken. Auf Tellern anrichten und mit weiterem Pecorino bestreuen.
Was Sie von Pasta alla Zozzona erwarten dürfen – und was nicht
Die „schmutzigste“ Pasta Italiens ist sicher etwas für Fans deftiger, herzhafter Küche – ein klarer Kontrast zu leichten Pastagerichten. Durch den fetten Speck sowie den großzügigen Einsatz von Käse und Eigelb ist die Sauce gehaltvoll und kalorienreich – nach dem Verzehr könnte Ihnen zum Beispiel konzentrierte Schreibtischarbeit etwas schwerfallen. Viel eher lässt sich die Zozzona als Comfort Food denn als hohe Küchenkunst einordnen, doch das tut dem Geschmack natürlich keinen Abbruch. Gleichzeitig zeigt sie auf schmackhafte Weise, dass Italiener bei traditionellen Gerichten eben doch nicht immer starr an Regeln festhalten.

