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Regionale Spezialitäten aus Italien, die Sie vermutlich nicht probieren möchten

Regionale Spezialitäten aus Italien: O pere e o musso
Sieht roh aus, ist aber gekocht und verzehrfertig: 'O pere e 'o musso. Was dahintersteckt und weitere regionale Spezialitäten aus Italien, bei TRAVELBOOK. Foto: Getty Images / misterbike
Laura Pomer
Freie Autorin

10. September 2026, 16:57 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Keine Frage, in Italien kann man richtig gut essen! Meist kommt die italienische Küche sehr bodenständig und traditionell daher. Und dann gibt es auch Gerichte, die zumindest aus unserer Sicht durchaus ungewöhnlich wirken. TRAVELBOOK hat Spezialitäten aus verschiedenen Regionen gesammelt – und wir wollen wetten, dass Sie nur die wenigsten davon spontan appetitlich finden werden.

Geschmäcker sind verschieden, und das hat mehrere Gründe. Zum einen ist uns eine gewisse Vorliebe für bestimmte Geschmacksrichtungen tatsächlich in die Wiege gelegt: Die Menge unserer Geschmacksrezeptoren und wie empfindlich sie auf bestimmte Aromen reagieren, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Mindestens ebenso wichtig sind jedoch Prägung und Gewöhnung. Was wir von klein auf kennen und regelmäßig essen, empfinden wir meist als vertraut und appetitlich. Ungewohnte Geschmäcker oder Konsistenzen können dagegen befremdlich oder gar abstoßend wirken.

Nicht zuletzt sind unsere Vorstellungen von dem, was überhaupt als Delikatesse gilt, kulturell geprägt. Für die einen eine regionale Spezialität, sind gewisse Speisen für andere allemal gewöhnungsbedürftig. Und so gehören in manchen Regionen Italiens etwa Speisen zum kulinarischen Erbe, die bei uns vermutlich nicht auf dem Teller landen würden.

Pajata (Latium)

Pajata (oder „Pagliata“) ist eine traditionelle Spezialität aus Rom und gilt dort als Delikatesse. Sie wird Ihnen am wahrscheinlichsten in Form einer gehaltvollen Sauce zu Rigatoni begegnen, und rein optisch wirkt daran auf den ersten Blick wohl nichts ungewöhnlich.

Pajata ist eine mehrere regionaler Spezialitäten aus Italien
Sieht ansprechend aus – doch die Vorstellung davon, was sich in Pajata verbirgt, findet man jenseits von Italien vielleicht nicht so lecker Foto: Getty Iamges/ pdcpicture

Man sollte jedoch wissen, dass für Pajata der Dünndarm eines noch nicht entwöhnten Kalbs verwendet wird. Vor der Zubereitung reinigt man diesen gründlich von außen – von innen allerdings nicht, und das ganz bewusst. So bleibt der darin enthaltene Milchbrei – streng genommen eine anverdaute Mischung aus Milch und Enzymen – bei der Zubereitung erhalten. Näheres über das demnach „kontroverseste römische Gericht“ erfährt man auf der Website „In Rome cooking“.

Pani câ meusa und Frittula (Sizilien)

Ein Panino in Italien zu essen – daran ist nichts ungewöhnlich. Doch hier lohnt sich der genaue Blick zwischen die Sesambrötchenhälften. Das in Palermo äußerst beliebte Streetfood Pani câ meusa wird mit Kalbsmilz und -lunge gefüllt, die zuvor gekocht oder gedämpft und anschließend in Schweineschmalz gebraten wurden. Je nach Variante kommen Zitronensaft oder Käsesorten wie Ricotta oder Caciocavallo hinzu.

Pani câ meusa – eine regionale Spezialität aus Italien, genauer Palermo
Pani câ meusa (übersetzt: Brot mit Milz) ist eine tief in Palermo verwurzelte Spezialität Foto: Getty Images

Eng verwandt mit Pani câ meusa ist die Frittula. Dafür werden kleine Fleischstücke und Abschnitte vom Kalb in heißem Fett knusprig ausgebacken. Man könnte vielleicht auch sagen: Es kommen Schlachtabfälle zum Einsatz, oder zumindest weniger begehrte Teile des Tieres und unter anderem fetthaltiges Gewebe. Serviert wird die Frittula traditionell heiß an Straßenständen und auf Märkten in Palermo.

Auch interessant: Fakten über die italienische Küche, die Sie noch nicht kannten

Lampredotto (Toskana)

Innereien kann man auch in anderen italienischen Regionen verköstigen. Der toskanische Gegenentwurf zu Pani câ meusa und Frittula ist Lambretto. In diesem Fall ist es Labmagen – ein Organ, das im Verdauungstrakt von Wiederkäuern vorkommt – und zwar vom Rind. Das Fleisch wird viele Stunden lang gekocht und dann klassischerweise an Salsa verde (Italiens Version einer grünen Kräutersauce) im Sandwich serviert.

Latte dolce fritto (Ligurien)

Fritto misto – wörtlich „gemischtes Frittiertes“ – kennt man vor allem als üppige Mischung aus frittierten Meeresfrüchten, je nach Region ergänzt um Gemüse. In Ligurien kommt dagegen noch einiges mehr auf den Teller. Beim Fritto misto alla ligure werden neben saisonalem Gemüse wie Artischocken, Möhren, Blumenkohl, Pilzen, Zucchiniblüten oder Salbei auch Fleisch und Innereien frittiert – etwa Stücke von Huhn, Kalb oder Lamm sowie Leber oder Hirn.

Und was dabei auf keinen Fall fehlen darf, ist die Latte dolce fritta – die „frittierte süße Milch“. Ja, genau: alles zusammen angerichtet. Für diese süße Komponente wird eine mit Zitronenschale aromatisierte Milchcreme gekocht, in Stücke geschnitten, paniert und ebenfalls ins heiße Öl gegeben.

Laura Pomer
Freie Autorin

Frittierte süße Milch mit Fleisch – hat was!

„Wenn ich in Italien bin, dann kulinarisch ziemlich ‚schmerzfrei‘ – oder besser gesagt: offen für regionale Spezialitäten aller Art. Dann esse ich auch Dinge, die ich zu Hause vielleicht nicht unbedingt bräuchte.

In Ligurien, genauer gesagt in der Gemeinde Sori, habe ich ein Fritto misto alla ligure probiert. Eine ziemlich witzige Erfahrung, denn fast jedes frittierte Stück auf dem Teller war eine kleine Überraschung. Unter dem Teigmantel wusste man nie genau, was einen erwartete. Dass sich zwischen Fleisch und Gemüse auch frittierte Milch tummeln würde, hätte ich dabei nicht gedacht. Ich hätte sie aber auch nicht missen wollen. Mein Kopf musste den unerwarteten Geschmack damals erst mal begreifen. Doch auch wenn sie allemal ungewöhnlich war, fand ich ausgerechnet diese Kombination irgendwie total gut.“

Sanguinaccio Dolce

Und wenn wir schon bei süß sind. Vielerorts in Italien, vermehrt aber in Kampanien, gibt es ein Dessert, das aus Bitterschokolade und Tierblut hergestellt wird. „Eine Tasse Kuh- oder Schweineblut ist Teil des Rezepts, das 6 Portionen ergibt“, schreibt dazu ein Tester auf „Reddit“. Das Blut schmecke man dabei nicht heraus – seine Zugabe diene vor allem der cremigen und glatten Textur. Ein anderer „Reddit“-Nutzer schätzt trotzdem ausgerechnet die für Desserts ungewöhnliche Zutat: Normalerweise sei er kein Freund von Schokolade, doch dieses Gericht habe ihm köstlich gemundet.

’O pere e ’o musso (Kampanien)

Neapel verbinden Sie kulinarisch vermutlich mit der weltberühmten neapolitanischen Pizza. Die Region steht aber auch für ’O pere e ’o musso: Schweinefüße und Kalbsschnauze (s. auch großes Foto oben).

Die Zubereitung ist denkbar einfach: Die genannten Teile werden gekocht – fertig. Entsprechend sehen sie auch aus wie Schweinefüße und Kalbsschnauze. Wer diese Spezialität nicht kennt und ihr etwa an einem Streetfood-Stand begegnet, fühlt sich beim ersten Anblick vielleicht eher an die Auslage einer Metzgerei erinnert. Tatsächlich handelt es sich aber um fertiges Essen, das meist mit Zitronensaft beträufelt und schlicht in Papier gewickelt verkauft wird. Man isst den Snack klassisch mit den Fingern.

O pere e 'o musso, auch unter den regionalen Spezialitäten Italiens
Bei O pere e ‚o musso ist Kennern die Naturbelassenheit der verwendeten Fleischstücke – Schweinefüße und Kalbsschnauze – wichtig Foto: picture alliance / ROPI | Antonio Pisacreta

Auch hier darf man betonen, dass es sich um eine nachhaltige Form der Verwertung handelt. Das betrifft ’O pere e ’o musso ebenso wie die oben erwähnten Innereiengerichte.

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Casu marzu (Sardinien)

Dieses Gericht werden Sie in einem Restaurant wohl eher nicht auf der Speisekarte vorfinden. Trotzdem ist es eine regionale Spezialität, die in dieser Sammlung nicht fehlen sollte. Denn auf Sardinien wird Casu marzu bis heute nach traditioneller Art hergestellt und mitunter angeboten, wenn auch abseits offizieller Verkaufswege. Oft ist vom „gefährlichsten Käse der Welt“ die Rede.

Es handelt sich um einen Schafskäse, der von der „Käsefliege“ Piophila befallen wird, deren Larven sich im Inneren des Käses entwickeln. Durch ihre Verdauung wird das ursprünglich feste Innere weich und cremig und erhält seinen charakteristisch intensiven Geschmack. Und jetzt halten Sie sich fest: Die Spezialität wird klassischerweise mitsamt der lebenden Larven verzehrt.

Casu Marzu, eine kaum unbedenkliche unter den regionalen Spezialitäten aus Italien
Man muss nicht alle regionale Spezialitäten in Italien ausprobieren – von Casu marzu bitte Abstand halten! Foto: Getty Images / Ivan Canavera

Das klingt nicht nur unschön (und sieht auch so aus), sondern der Verzehr kann eine medizinische Behandlung erforderlich machen. Denn wenn Larven lebend in den menschlichen Verdauungstrakt gelangen, können sie den Darm reizen und verletzen.

In Deutschland gibt es nicht minder „irritierende“ Gerichte

Wie eingangs erklärt, sind Geschmäcker ebenso wie Küchentraditionen verschieden. Bevor wir uns also über die genannten italienischen Spezialitäten auslassen, sollten wir einen Blick in die eigenen Kochbücher werfen. Denn auch hierzulande gibt es einiges, das für Menschen aus anderen Ländern zunächst wenig appetitlich wirken dürfte – vom Labskaus über den Mettigel bis zum Milbenkäse.

Und was Italiener wohl über unseren Toast Hawaii denken, der hierzulande sogar in Form einer „Pizza Hawaii“ existiert, wollen wir an dieser Stelle lieber gar nicht erst vertiefen.

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