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Alles zum höchsten Berg der Welt

Forscher suchen neue Route auf den Mount Everest

Mount Everest
Wunderschön, aber lebensgefährlich: Der Mount Everest zieht Menschen aus der ganzen Welt anFoto: Getty Images

Er liegt mitten im Himalaya, der Weg zu seinem Gipfel dauert Wochen und er ist mit 8848 Metern der höchste Berg der Welt: der Mount Everest. Kaum eine Region auf der Welt ist so lebensfeindlich, wie dieser Gigant. Dennoch gehen Menschen immer wieder das Risiko einer Besteigung ein. Doch wie genau läuft eine Besteigung eigentlich ab? Und warum ist sie so gefährlich?TRAVELBOOK hat hinter die Fassade des „Mythos Mount Everest“ geblickt.

Die einen sagen, es sei der schönste Augenblick ihres Lebens gewesen, ein wahr gewordener Traum. Die anderen berichten von Leichen, die den Weg pflastern, von Chaos und von der Angst einzuschlafen, weil sie befürchteten, nie wieder aufzuwachen. Tatsächlich gab es bis 1980 nur 99 Menschen, die es bis zum Gipfel geschafft hatten. Darunter war auch Reinhold Messner, der den Mount Everest Anfang der 70er Jahre als erster Mensch ohne zusätzliche Sauerstoff-Unterstützung bezwang. Klar ist: Eine Besteigung ist lebensgefährlich. Nun will ein Bergsteiger-Team eine sicherere Route finden.

TRAVELBOOK weiß, was Mount-Everest-Touristen erwartet.

So viel kostet ein Aufstieg zum Mount Everest

Nach den 80er Jahren schien die Zahl der Everest-Expeditionen zu explodieren: In den 90er Jahren erreichten erstmals 100 Menschen pro Jahr den Gipfel – also mehr als in den 30 Jahren nach der Erstbesteigung insgesamt.

Dabei ist eine Expedition alles andere als günstig. Im Durchschnitt zahlt man etwa 50.000 Euro, nicht wenige zahlen für ihre Expedition sogar mehr als 90.000 Euro – nach oben gibt es kaum Grenzen. Die bisherige Rekordsaison war 2019: Damals hatten 878 Menschen den höchsten Berg der Welt erklommen. Doch wie funktioniert eigentlich so ein Aufstieg?

Das südliche Base Camp auf der nepalesischen Seite Foto: Getty Images

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Schon das Base Camp liegt auf mehr als 5000 Metern

Vom Fuß des Berges bis zum Gipfel gibt es mehrere Lager, die sogenannten Camps. Die ersten sind das nördliche und das südliche Base Camp (Basislager). Das südliche Base Camp auf der nepalesischen Seite ist bei Touristen besonders beliebt. Es liegt auf einer Höhe von 5365 Metern. Zum Vergleich: Der höchste Berg der Alpen, der Montblanc, ist 4810 Meter hoch. Alleine das Base Camp zu erreichen ist von Lukla, dem Städtchen, wo sich der nächstgelegene Flughafen befindet, mit etwa fünf bis sechs Tagen Dauer nicht nur recht zeitaufwändig, sondern auch körperlich sehr anstrengend. Viele ungeübte Bergsteiger müssen schon diese Expedition abbrechen. Trotzdem ist dieser Part noch der einfachste Teil einer Besteigung, alleine 2015 nahmen knapp 40.000 Touristen die Strapazen auf sich.

Nach dem Basislager folgen noch vier weitere Camps: Camp 1 auf 5943 Metern, Camp 2 auf 6400 Metern, Camp 3 auf 7162 Metern und Camp 4 auf 8000 Metern.

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Der gefährliche Khumbu-Eisbruch – und eine geplante neue Route

Vom ersten Basecamp aus starten die Expeditionen zum Gipfel. Auf der Südroute, der Standardroute, geht es zunächst in den Khumbu-Eisbruch. Hier fällt das Gletschereis in einer Spalte bis zu 600 Meter ab – überquert wird sie auf Leitern. Immer wieder gibt es dort Lawinen und Unfälle. Rund 40 Menschen starben am Khumbu-Eisbruch bislang, wie es vom Tourismusministerium Nepals heißt, das zu den Bergen Statistik führt. 2014 starben dort gleich 16 Sherpas in einer Lawine.

Nun wollen ein französischer und ein nepalesischer Bergsteiger mit ihren jeweiligen Söhnen bald eine neue Route aus Nepal präsentieren – eine, die den Khumbu-Eisbruch umgeht und die nach Ansicht der Bergsteiger deshalb sicherer ist. Einer der Kletterer, der 70 Jahre alte Marc Batard sagte, dass er die Möglichkeit der neuen Route im vergangenen Jahr sah, als er für Sightseeing mit einem Hubschrauber unterwegs war. Im Mai möchten sie nun auf der neuen Route den gut 8848 Meter hohen Everest-Gipfel erklimmen. Sollte das Team erfolgreich hochkommen, dürfte es nach Einschätzung von Batard noch rund zwei, drei Jahre dauern, bis andere Expeditionsfirmen auf der alternativen Route Bergsteiger hochführen könnten. Es müssten dazu unter anderem mehr Kletterhaken im Fels angebracht werden.

Mount Everest
Der Khumbu Eisfall am Mount Everest, wie er mit einer Leiter (!) bezwungen wirdFoto: Getty Images

Erschwerend hinzu kommt, dass der Weg nur in einem kurzen Zeitfenster beschritten werden kann, den „Fenstertagen“. Sie treten, wenn überhaupt, im Frühjahr zwischen April und Mitte Juni auf. Es gibt jedoch auch Jahre, in denen es niemand zum Gipfel schafft, zum Beispiel 2015, als ein schweres Erdbeben Nepal erschütterte.

Wer den Khumbu-Eisbruch überwunden hat, durchquert das Tal des Schweigens sowie die Lhotse-Flanke und gelangt schließlich zum Südsattel, der auf 8000 Metern liegt. Dort befindet sich das vierte Basecamp, von dem aus es direkt zum Gipfel geht.

Der lebensgefährliche Aufstieg dauert mehr als einen Monat

Kaum zu glauben, aber der gesamte Aufstieg dauert insgesamt durchschnittlich 60 (!) Tage. Das liegt nicht nur an der langen und schwierigen Strecke, sondern auch daran, dass sich die Teilnehmer erst in der Höhe akklimatisieren müssen, um nicht Opfer der gefürchteten Höhenkrankheit zu werden. Dafür gibt es zwei Methoden: Zum einen dürfen nur wenige Höhenmeter pro Tag zurückgelegt werden, zum anderen müssen Kletterer teilweise die Strecken, die zuvor erklommen wurden, noch einmal herab- und wieder heraufsteigen. Mit einem sogenannten Hypoxie-Zelt, das die geringe Sauerstoffsättigung nachahmt, kann man sich schon vor der Besteigung zu Hause vorbereiten und somit einige Tage sparen.

Aber auch das mindert nicht die Gefahr der sogenannten Todeszone, in der sich Bergsteiger ab dem vierten Camp befinden. Hier wird es akut lebensgefährlich. In dieser Höhe ist das Risiko, an der Höhenkrankheit oder einem Ödem zu sterben, sehr groß. Der Grund: Der Sauerstoffgehalt in dieser Höhe ist zu gering für den menschlichen Körper. Auch deswegen wird die letzte Etappe zum Gipfel an einem Tag umgesetzt. Dafür wandern die Bergsteiger schon früh morgens los. Umso dramatischer ist es, wenn man sich in der Todeszone länger als nötig aufhalten muss. Das passiert allerdings immer wieder – und dafür gibt es zwei Ursachen.

Hunderte Todesfälle bei der Besteigung

Ein Grund sind zu lange Wartezeiten. Denn auch wenn es unglaublich erscheint, ist der Andrang zum Gipfel manchmal so groß, dass die Bergsteiger auf der letzten Etappe zum Gipfel zu lange in eisigen Temperaturen warten müssen. Genau das geschah 2019 zweimal, wie TRAVELBOOK berichtete. Als es im Frühling 2019, ganz oben in der Todeszone, wo der menschliche Körper abbaut und sich nicht erholen kann, einen Stau gab, starben elf Menschen. Ein Foto des Staus ging um die Welt – und brachte der nepalesischen Regierung Kritik, dass sie zu viele Menschen nach oben ließ, die nicht geeignet für das Abenteuer waren. Der Grund war, dass es damals nur zwei Fenstertage gab, 2018 waren es elf gewesen.

Schlange stehen um auf den Gipfel des Mount Everest zu kommen: das ist keine Seltenheit mehr
Schlange stehen um auf den Gipfel des Mount Everest zu kommen: das ist keine Seltenheit mehr Foto: Getty Images

Eine zweite Ursache ist Unerfahrenheit. Viele Trekking-Touristen unterschätzen den Abstieg zurück zum nächsten Base Camp, der noch einmal genauso kräftezehrend wie der Aufstieg ist. In beiden Fällen ist die Situation mindestens lebensbedrohlich und oft sogar tödlich. Alleine 2019 sind elf Menschen auf dem Weg zum Gipfel gestorben, acht Personen werden bis heute vermisst. Traurige Gesamtbilanz: Seit der ersten Besteigung gibt es mehr als 300 Todesfälle.

Die Leichen weisen den Weg zum „Dach der Welt“

Der erfahrene Bergsteiger Elia Saikaly beschrieb 2019 drastisch auf seinem Instagram-Kanal: „Tod. Massensterben. Chaos. Warteschlangen. Leichen auf dem Weg und im Camp 4.“ Auch der deutsche Bergsteiger Luis Stitzinger berichtete auf BILD: „Ich selbst habe sechs Tote gezählt.“ Besonders verstörend: Viele der Leichen liegen noch immer am Wegesrand, konserviert und tiefgefroren. Denn die Bergung auf dem Dach der Welt ist kompliziert.

So seien für die Bergung einer einzigen Leiche sechs bis acht Sherpas notwendig, erkärt der Bergführer Kari Kobler, der selbst schon 17 Everest-Expeditionen leitete, der Schweizer Zeitung „Blick“. Das liegt daran, dass die gefrorenen Leichen schwerer werden, bis zu 150 Kilo. So makaber es sein mag, aber einige der Leichen sind mittlerweile sogar so bekannt, dass sie zu Legenden geworden sind – und zu Wegweisern.

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Die Legende von „Green Boots“

Kaum eine Everest-Leiche ist so bekannt wie „Green Boots“. Sie trägt einen roten Fleecepulli und bekam ihren Namen wegen der leuchtend grünen Bergstiefel. Seit 20 Jahren liegt sie in etwa 8500 Metern auf dem Everest. Sie ist ein wichtiger Wegweiser auf der Nordroute. Etwa 80 Prozent der Bergsteiger, die sich für die Nordroute entscheiden, machen außerdem in der Höhle „Green Boots Cave“ eine Pause, wie der irische Abenteurer und Filmemacher Noel Hanna der „BBC“ sagte.

Die Identität von „Green Boots“ ist bis heute nicht geklärt. Allerdings geht man mittlerweile davon aus, dass es sich um den indischen Bergsteiger Tsewang Paljor handelt, der bei seiner Expedition die gleichen grünen Stiefel trug. Er ist einer der acht Toten des „Mount Everest Desasters von 1996“, als Bergsteiger in einen Blizzard gerieten. Diese tragische Geschichte ist Basis für mehrere Filme, darunter auch der Blockbuster „Everest“ mit den Hollywood-Stars Keira Knightley und Jake Gyllenhall.

Diese Geschichte, wie auch das Schicksal von „Green Boots“, sollten eigentlich zur Vorsicht mahnen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es scheint, als würden immer mehr Menschen das Risiko eingehen, den Mount Everest zu besteigen.

Kritik an der Kommerzialisierung

Einer Studie aus dem Jahr 2020 von US-Forschern, die im Fachmagazin „PLOS One“ veröffentlicht wurde, ist mittlerweile zwar die Chance, den Mount Everest erfolgreich zu besteigen, heutzutage doppelt so hoch wie noch vor etwa 20 Jahren – mit einer nahezu unveränderten Sterberate. Dennoch sehen viele erfahrene Bergsteiger den Trend der Besteigung des höchsten Bergs der Welt extrem kritisch. Reinhold Messner kritisierte schon vor mehr als 15 Jahren, der Mount Everest werde „zum Rummelplatz“ für Touristen. Sein damaliger Begleiter Peter Habeler sagte in einem Interview mit dem „Spiegel“ 2018: „Die Berge vertragen nicht so viele Menschen“. Was er damit meinte, wird klar, wenn man die Mengen an Müll betrachtet, die viele Bergsteiger auf den Expeditionen zurücklassen.

So finden sich auf dem höchsten Berg der Erde Massen von kaputten Zelten und leere Sauerstoffflaschen. Alleine 2018 sammelte China in einer Expedition mehr als acht Tonnen Müll vom Mount Everest. Davon waren alleine zwei Tonnen menschlicher Kot. Dabei gibt es seit 2015 sogar ein Gesetz, dass jeder Bergsteiger beim Abstieg auch einen Teil Unrat, mindestens acht Kilo, mitnehmen muss. Wer sich widersetzt, muss 100 bis 4000 Dollar Strafe zahlen – die viele vermögende und vor allem erschöpfte Bergsteiger jedoch in Kauf nehmen. Doch wenn sowohl der mit der zunehmenden Kommerzialisierung einhergehende Müll als auch die Lebensgefahr der Touristen so ein Problem ist, warum wird dann der Tourismus nicht eingeschränkt?

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Der Grund ist simpel: Der Tourismus ist für China und besonders für das bitterarme Nepal ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In Nepal ist der Trekking- und Höhenbergsteig-Tourismus sogar der wichtigste Industriezweig des Landes. Einschränkungen wären fatal für die einheimische Bevölkerung.

Vorschlag soll Bergsteiger auf dem Mount Everest besser schützen

Allerdings gibt es mittlerweile vonseiten des nepalesischen Tourismusministeriums mehrere Regeln. Eine davon ist, dass die Wagemutigen zwar Fotos und Videos von sich und ihrer Gruppe machen könnten – nicht aber von anderen Menschen auf dem Berg. Die zuständige Chefin, Mira Acharya, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich dabei um eine alte Regel handle, an die sich bislang niemand gehalten habe. Es gebe jetzt eine Strafe, sagte sie – ohne diese aber auf Nachfrage zu konkretisieren. Außerdem müssen die Bergsteigerinnen und Bergsteiger vor dem Aufstieg ein medizinisches Attest einreichen und eine Bergungs- und eine Corona-Versicherung abschließen.

Ob dadurch jedoch wirklich weniger Bergsteiger den Mount Everest erklimmen wollen, ist nicht klar. In dieser Hauptsaison im Frühling sind laut Tourismusministerium insgesamt mehr als 300 Ausländer, darunter ein halbes Dutzend Deutsche und eine Ukrainerin, sowie ihre nepalesischen Teams auf dem Everest unterwegs. Auch das erste Team aus nur schwarzen Bergsteigern, das die Spitze erreichen will, sei dort, berichtete die „Himalayan Times“.

Zudem sind diesen Frühling andere Rekorde zu erwarten: Der nepalesische Bergführer Kami Rita Sherpa etwa will seinen eigenen Everest-Rekord brechen und zum 26. Mal auf der Spitze stehen. Auch Bergführerin Lakpa Sherpa will ihren Rekord brechen und zum 10. Mal auf dem Berg stehen. Die beiden führen nach Daten der „Himalayan Database“ bei Männern beziehungsweise Frauen die Liste mit der höchsten Anzahl von Everest-Besteigungen an.

Und so bleibt es abzuwarten, wie sich der Tourismus auf dem höchsten Berg der Erde weiter entwickeln wird. Oder wie Bergsteiger-Legende Peter Habeler sagte: „Wo das hinführt, kann ich nicht sagen.“

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