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9 Dinge, die Sie vor einer Reise auf die Kapverden wissen müssen

Kapverden
Die Kapverden sind ein spannendes und sehr vielseitiges Reiseziel
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Südafrika, Tunesien, Ägypten, Marokko – wenn es um Urlaub in Afrika geht, hört wohl bei den meisten Reisenden der Horizont bei diesen Ländern auf. Immer beliebter wird aber ein afrikanisches Inselparadies, das nicht nur mit einer absolut einmaligen Natur gesegnet ist, sondern auch auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken kann und heute eine der stabilsten Demokratien auf dem „schwarzen Kontinent“ stellt: die Kapverden. TRAVELBOOK hat die wichtigsten Tipps im Überblick.

Diese Inseln vulkanischen Ursprungs, von denen neun bewohnt sind, könnten unterschiedlicher nicht sein, und bieten deshalb für jeden etwas: Spektakuläre Wanderungen auf Santiago und Santo Antao, entspannten Badeurlaub auf Sal oder Boa Vista, pulsierendes Leben in Metropolen wie Praia und Mindelo sowie romantische Abgeschiedenheit auf Brava, dem mit nur 64 Quadratkilometern kleinsten Eiland des Archipels.

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Tiefe Wälder, die archaische Gebirgszüge begrünen, gehören genauso zum Repertoire der Kapverden wie palmengesäumte Strände und laute, bunte Märkte, auf denen man nahezu alles kaufen kann. Über allem thront majestätisch der immer noch aktive Vulkan Pico do Fogo auf der „Feuerinsel“ Fogo, eine 2829 Meter hohe Naturgewalt, dessen Besteigung der sprichwörtliche Höhepunkt für jeden Aktivurlauber ist. Die Küche des Landes wie auch die einheimische Kreolsprache sind geprägt sowohl von afrikanischen als auch europäischen Einflüssen, und das halboffizielle Landesmotto ist wohl das sympathischste aller Zeiten: No Stress.

Wessen Neugier jetzt geweckt ist, dem sollte allerdings gesagt sein, dass die Kapverden trotz eines zart aufkeimenden Tourismus und der vergleichbar guten Sicherheitslage immer noch ein Dritte-Welt-Land sind. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann hat einige der Inseln bereist und verrät, was Sie vor einer Reise unbedingt wissen sollten.

Wie ist die Sicherheitslage im Land?

Die Hinweise zur Reisesicherheit des Auswärtigen Amtes sind relativ kurz gehalten und entsprechen im Allgemeinen dem, was man als umsichtiger Reisender wohl ohnehin beachten würde: So wird dazu geraten, auf das auffällige Tragen von Schmuck zu verzichten sowie besonders in städtischen Ballungsgebieten verstärkt auf Wertsachen acht zu geben. Zudem könne es sowohl in der Stadt als auch bei Bergwanderungen in einsameren Regionen zu Raubüberfällen kommen, weshalb man sich von einem einheimischen Führer begleiten lassen solle.

So weit, so theoretisch – aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich mich nirgendwo und zu keiner Tages- bzw. Nachtzeit irgendwo auf den Inseln Santiago, Fogo oder Brava unsicher gefühlt habe, auch wenn ich alleine unterwegs war. Die Kapverdianer sind in der Regel sehr freundliche und respektvolle Menschen, und wer sich auf überall mögliche Begegnungen und Gespräche einlässt, der wird höchstwahrscheinlich eine wunderbare Zeit haben.

Kapverden

Wie komme ich auf die Kapverden?

Von mehreren deutschen Städten aus, etwa ab Frankfurt und Düsseldorf, gibt es Direktflüge auf die Kapverden mit Tuifly. Die Flugzeit beträgt nur knappe 6 Stunden. Alternativ fliegt zum Beispiel die portugiesische Fluggesellschaft Tap Air ab mehreren deutschen Städten mit Zwischenstopp über Lissabon auf die Kapverdischen Inseln.

Wie reise ich am besten innerhalb der Kapverden?

Es gibt zwei Alternativen, um am besten und sichersten von Insel zu Insel zu reisen: Erstens die regelmäßig stattfindenden Kurzstreckenflüge, die von der Gesellschaft Binter Cabo Verde bedient werden. Diese sind für den durchschnittlichen Reisenden mehr als erschwinglich und bringen Gäste schnell an ihr Ziel, so beträgt die maximale Reisedauer zwischen den Inseln gerade einmal knapp eine Stunde.

Des Weiteren verkehren zwischen einigen der Insel alternativ auch Personenfähren, so zum Beispiel zwischen Fogo und Brava. Meiner Erfahrung nach geht es bei diesen Bootsfahrten allerdings relativ chaotisch zu, auf jeden Fall sollte man mit langen Wartezeiten am Pier rechnen, da man aufgrund der Wetterlage allerhöchstens kurzfristig sagen kann, wann denn so ein Boot tatsächlich kommt. Unser Gepäck wurde alsdann auf einen großen Laster verladen und nach der Ankunft einfach achtlos auf die Straße gestellt – ein sicheres Gefühl sieht anders aus. Zudem kann das Meer selbst, bzw. starker Wellengang, die Reise per Schiff zu einer echten Tortur für die Nerven machen, wenn einem nämlich entweder selbst schlecht wird oder man dabei zuhören bzw. riechen muss, wie anderen schlecht wird.

Um auf den Inseln selbst gut und günstig voran zu kommen, bieten sich die beliebten Sammeltaxis, die sogenannten Aluguers, an – sie sind um ein vielfaches günstiger als die ebenfalls überall verkehrenden Taxis und bieten darüber hinaus echten Lokalkolorit, da man meist in so einem Sammeltaxi der einzige Tourist sein wird, und das unter sehr viel mehr Fahrgästen, als das Auto eigentlich maximal aufnehmen könnte/dürfte. In großen Städten wie der Hauptstadt Praia verkehren zudem Linienbusse.

Kapverden

Schroffe Bergformationen wie diese sind charakteristisch für die Insel Santo Antao
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Wie ist das Wetter auf den Kapverden?

Generell ist zu sagen, dass es auf den Kapverden nur zwei Jahreszeiten gibt: Die sogenannte Zeit der Winde (Tempo das Brisas) und die Regenzeit (Tempo das Chuvas) – je nach Jahr und Wetterlage dauert diese von Juli bzw. August bis Oktober/November. Das Problem: Während auf den Inseln fast immer ein frischer bis kräftiger Wind bläst, hat es in den vergangenen Jahren auf Cabo Verde kaum geregnet – da die Inseln aber über wenige Fließgewässer oder nennenswerte Wasserreserven verfügen, ist das kühle Nass aktuell nicht selten Mangelware, was sich auch negativ auf die ohnehin fragile Landwirtschaft und die Ernten auswirkt.

Laut der Seite „Transafrika“ liegen die Temperaturwerte auf den Kapverden das gesamte Jahr über zwischen durchschnittlich 23 und 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Die Wassertemperatur beträgt das ganze Jahr über um oder gar deutlich über 20 Grad, was die Inseln zu einem beliebten Badeziel macht.

Der deutsche Winter ist gleichzeitig auch die beste Zeit für eine Reise auf die Kapverden, dann dann sind die Temperaturen etwas milder. Weihnachten und die Sommermonate herrscht hier Hochsaison, denn die Kapverden sind ein von Emigration geprägtes Land, und nicht wenige Menschen kehren dann zu den wichtigen Feiertagen aus dem Ausland zu ihren Familien zurück.

 

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Welche Impfungen brauche ich für die Kapverden?

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin empfiehlt für eine Kapverden-Reise eine Standardimpfung gegen „Tetanus, Diphtherie, außerdem ggf. Impfungen gegen Hepatitis A und saisonale Grippe“. Abhängig von der Dauer und der Art der Reise könne man eventuell noch weitere Impfungen in Betracht ziehen – der individuelle Rat eines reisemedizinischen Arztes oder eines Tropeninstitutes wird hier empfohlen, und das spätestens vier Wochen vor der geplanten Reise. Außerdem zu erwägen seien Impfungen gegen Typhus, Hepatitis B bei engem Kontakt zu lokaler Bevölkerung, Herpes zoster sowie Meningitis. Auch eine Malariaprophylaxe sei empfehlenswert, zumindest für eine Reisezeit von August bis November, meist könne das Ansteckungsrisiko aber auch durch das Auftragen von Insektenschutzmitteln verringert werden.

Für die Reiseapotheke empfiehlt das Institut „auf jeden Fall Mittel gegen Insektenstiche, Fieber und Schmerzen, Durchfall, Desinfektionsmittel, Pflaster und Verbandsmaterial, Sonnenschutzmittel. Weitere Medikamente (Antibiotikum, Malariamedikamente) können sinnvoll sein.“

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Der Pico do Fogo ist mit 2829 Metern der höchste Berg der Kapverden und nach dem Teide auf Teneriffa (3718 Meter) der zweithöchste Berg im Nordatlantik
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Wieviel Geld muss ich für eine Kapverden-Reise einplanen?

Generell gilt: Der Wechselkurs von Euro zum Kapverdischen Escudo (CVE) beträgt etwa 1 zu 100 – für 150 Euro erhält man also etwas mehr als 15.000 CVE, und das war meiner Erfahrung nach auch ein guter Startbetrag für eine zwei Wochen lange Reise. Leider nehmen die Geldwechsler für den Umtausch im Regelfall eine Gebühr, am Flughafen von Santiago etwa sind es stolze fünf Prozent. Dennoch empfiehlt es sich, Geld schon am Airport zu tauschen, denn Wechselstuben wird man auf den Kapverden wahrscheinlich vergeblich suchen, und wäre ohne Landeswährung sonst angewiesen auf Straßenhändler – die man hingegen an jeder Ecke findet. Darüber hinaus gibt es in den größeren Städten die Möglichkeit, Geld am Automaten abzuheben – je nach Bankinstitut wird hier meist eine Gebühr fällig.

Die Kapverden sind ein durchaus günstiges Reiseland, ein gutes Essen bekommt man schon für etwa sechs Euro, eine Taxifahrt bereits ab 100 CVE, also einem Euro. Preise für Hotels variieren natürlich je nach Lage und Saison, aber auch hier kann man ab etwa 30 Euro schon etwas finden – dabei sollte man allerdings keinesfalls europäische Standards erwarten. Die Seite „Precios Mundi“ bietet einen sehr guten und realistischen Überblick über die durchschnittlichen Preise auf den Inseln.

Welche Dokumente benötige ich für eine Kapverden-Reise?

Zur Einreise auf die Kapverden benötigen Sie einen Reisepass sowie ein Visum, das Sie bei der deutschen Botschaft des Landes beantragen können und das eine maximale Gültigkeit von 90 Tagen hat. Bei der Anreise mit Schiffen ist zu beachten, dass die Einreise nur über die Häfen von Praia, Mindelo und Sal erlaubt ist, bei Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld in Höhe von 100.000 CVE (umgerechnet knapp 900 Euro).

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Welche Reiseart ist die richtige für mich?

Eines sollte sich jeder, der sich für eine Reise auf die Inseln interessiert, von vorn herein absolut klar machen: Die Kapverden sind ein Dritte-Welt-Land, und man sollte, wie bereits erwähnt, auf keinen Fall europäische oder gar deutsche Standards erwarten. Wasser sollte man generell nur aus der Flasche trinken, und in vielen Gebieten wie der Cha das Caldeiras auf Fogo ist es generell Mangelware und muss mühselig transportiert werden. Hier ist selbst eine Dusche keine Selbstverständlichkeit, und schon gar kein warmes Wasser. Auch gehobenere Hotels haben nicht selten Probleme mit dem Internet oder der Versorgung mit Lebensmitteln, zudem ist die Einrichtung mitunter spartanisch und auch neuere Häuser machen teilweise einen etwas heruntergekommenen Eindruck.

Auch als erfahrener Backpacker würde ich daher die Erfolgschancen für einen individuellen Roadtrip eher gering einschätzen, es sei denn man plant alles von zuhause akribisch vor, was das Ganze ja dann irgendwie ad absurdum führen würde. Beliebt und sicher sind dagegen die Gruppenreisen von Veranstaltern wie „Reisen mit Sinnen“ – diese bieten verschiedene Reiselängen und -programme an, die sich vor allem um die Landeskultur und die teils spektakulären Wanderreviere auf den Kapverden drehen. Viele Gäste buchen im Anschluss an eine Aktivreise noch ein paar Tage Badeurlaub dazu, alternativ kann man aber auch dank der Flugverbindung über Lissabon die portugiesische Hauptstadt noch ein wenig erkunden.

Wer einen reinen Pauschalurlaub im Hotel plant, findet auf Reisebuchungsseiten wie Holidaycheck oder Expedia entsprechende Angebote, oft auch mit Bewertungen der jeweiligen Unterkünfte durch Gäste, die dort schon Urlaub gemacht haben,

Kapverden

Mindelo auf Sao Vicente gilt als die heimliche Hauptstadt der Kapverden und als Hochburg für die nationale Musik- und Kunstszene
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Welche Dinge sollte ich als Tourist auf den Kapverden besser vermeiden?

Genauso wie überall sonst auf der Welt sollte man als Tourist vor allem bei Dunkelheit einsame und/oder als unsicher eingestufte Gegenden meiden sowie auf das demonstrative Zurschaustellen von materiellen Dingen verzichten. Wie bereits erwähnt sollte vom Trinken aus Wasserhähnen abgesehen werden, auch Eiswürfel im Drink oder nur mit Leitungswasser abgespültes Obst oder Gemüse können sensiblen Mägen durchaus Probleme bereiten.

Wenn Sie sich selbst zudem als Reisender und nicht einfach nur als Tourist sehen, sollten Sie auf kleine Unregelmäßigkeiten oder Abweichungen von ihren Erwartungen mit Humor und Gelassenheit reagieren, nicht etwa mit latenter Überheblichkeit und dem Bemühen von vermeintlich bestätigten Vorurteilen. In einem Land, in dem das Motto „No stress“ lautet, kann es eben im Restaurant schonmal länger dauern, und auch die deutsche „Tugend“ Pünktlichkeit kann man hier nicht überall erwarten – lokale Reiseunternehmen, die mit deutschen Veranstaltern zusammenarbeiten, sind in dieser Hinsicht jedoch höchst bemüht.