Global Peace Index 2020

Wo Asien am gefährlichsten ist – und wo es sicherer wird

Global Peace Index Asien
Der Global Peace Index unterteilt Asien in drei Regionen – die Länder darin gehören zum Teil zu den friedlichsten und unfriedlichsten der ganzen Welt
Foto: Collage: TRAVELBOOK/ Getty Images/ Institute for Economics and Peace

Der jährliche Global Peace Index gibt einen Überblick, wo es auf der Welt gerade am friedlichsten ist und welche Regionen unsicher sind. Der riesige asiatische Kontinent ist dabei in drei Regionen unterteilt: während die Regionen Asien-Pazifik und Südasien im vergangenen Jahr unfriedlicher geworden sind, gehört Russland-Eurasien zu den fortschrittlichen Regionen.

Asien ist mit rund 44,6 Millionen Quadratkilometern nicht nur riesig, sondern auch schwer über einen Kamm zu scheren. Wohl auch deshalb hat das Institute for Economics and Peace (IEP) den Kontinent im jährlich erscheinenden Global Peace Index (GPI) in drei Regionen unterteilt: Asien-Pazifik, Südasien und Russland-Eurasien.

Russland-Eurasien schafft es im Regionen-Vergleich lediglich auf Rang sieben, zeigt dabei aber klare Ambitionen, die Friedenstreppe aufwärts zu klettern. Das friedlichste Land der Region ist Kasachstan, besonders unsicher ist die Situation hingegen in Russland. Noch hinter dieser Region liegt Südasien auf Platz acht. Am friedlichsten verhielt sich hier im letzten Jahr Bhutan, das gefährlichste Land in Südasien und auch weltweit bleibt weiterhin Afghanistan.

Der sichere Asien-Pazifik-Raum ist unsicherer geworden

Obwohl im weltweiten Vergleich auf Rang drei, zeigt der asiatisch-pazifische Raum einen leichten Friedensrückgang, um 0,2 Prozent. Laut den GPI-Machern zeigt sich das an zunehmenden Todesfällen aufgrund interner Konflikte, an steigenden Militärausgaben sowie einem schwächeren Engagement bei der Finanzierung der UN-Friedenssicherung.  Verbessert haben sich die Mordrate und die Zahl an Gewalttaten. Fünf Länder des asiatisch-pazifischen Raums gehören weiterhin zu den Top 25 im weltweiten Vergleich.

Das sind die (un)sichersten Länder im asiatisch-pazifischen Raum 2020 (in Klammern die Platzierung im weltweiten Ranking von 163 Ländern):

1. Neuseeland (2)

2. Singapur (7)

3. Japan (9)

4. Australien (13)

5. Malaysia (20)

6. Taiwan (37)

7. Mongolei (39)

8. Südkorea (48)

9. Indonesien (49)

10. Laos (50)

11. Timor-Leste (54)

12. Vietnam (64)

13. Kambodscha (78)

14. Papua-Neuguinea (101)

15. China (104)

16. Thailand (114)

17. Myanmar (127)

18. Philippinen (129)

19. Nordkorea (151)

Neuseeland ist der friedliche Vorreiter in der Region und das zweitfriedlichste Land auf der Welt. Und das, obwohl es im Vergleich zum Vorjahr einen 2,3 prozentigen Rückgang in der Friedenswertung gab, nachdem es in zwei Moscheen in Christchurch am 15. März 2019 terroristischer Anschläge gab, bei denen 51 Menschen getötet wurden.

Das zweitfriedlichste Land in der Region ist Singapur, das weltweit den siebten Platz belegt und verbesserte Zahlen bei der Mord- und Inhaftierungsrate sowie der Streitkräfte zeigt. Auch Australien ist im letzten Jahr friedvoller geworden, nachdem der politisch motivierte Terror im Land abgenommen hat. 2020 liegt Australien auf Platz vier in der Region und 13 der Welt. Allerdings zeigt das Land seit 2017 einen kontinuierlichen Anstieg seiner Waffenimporte.

Nordkorea rangiert auf dem letzten Platz in der Region und ist dessen einziges Land, das sich auf den unteren 25 Plätzen im Welt-Ranking bewegt. Dass sich Nordkorea im Friedens-Ranking verschlechtert hat, hat vor allem mit der Reduzierung der UN-Mittel zur Friedenssicherung zu tun. Die Sanktionen wurden wegen Nordkoreas Raketentests beschlossen und üben Druck auf die nordkoreanische Wirtschaft aus.

Die größten Abwärtsentwicklungen haben im Asien-Pazifik-Raum jedoch Indonesien und Timor-Leste gemacht. In Indonesien ist das auf den Anstieg der Todesfälle durch interne Konflikte zurückzuführen. Außerdem ist das Land politisch instabiler geworden, was sich an zahlreichen Studenten-Demonstrationen im September und Oktober 2019 zeigte. In Timor-Leste schwächelt vor allem die Sicherheitslage im Land. Durch die extreme Armut und hohe Arbeitslosigkeit ist die Kriminalitätsrate gestiegen, was zu einer erhöhten Polizeipräsenz führte. Außerdem hat der politisch motivierte Terror zugenommen. Gleichzeitig gibt es aber auch Verbesserungen, etwa bei der Militarisierung, was auf das gestärkte Engagement bei der UN-Friedenssicherung zurückzuführen ist.

Noch unfriedlicher ist China, das aktuell auf Platz 104 im weltweiten Vergleich rangiert. Vor allem durch die politischen Unruhen und teils gewaltsamen Ausschreitungen in der Region Hongkong ist das Land abgerutscht. Die Proteste waren durch eine geplante Änderung der Gesetze für flüchtige Straftäter der Regierung ausgelöst worden und gingen weiter, nachdem der Entwurf zurückgezogen wurde. Auch Chinas Inhaftierungsrate ist gestiegen. Laut dem GPI sind aktuell geschätzt „1,5 Millionen Uiguren und andere ethnische Minderheiten in Umerziehungslagern in der autonomen Region Xinjiang inhaftiert.”

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Südasien bleibt eine der unsichersten Regionen der Welt

Die Region Südasien ist die zweitunruhigste Region der Welt, was auch damit zusammenhängt, dass zu der Region das unfriedlichste Land der Erde, Afghanistan, gezählt wird. In der Gesamtübersicht wurde die Region im letzten Jahr unsicherer, namentlich wegen Verschlechterungen in den Bereichen Sicherheit und Militarisierung in Bhutan, Nepal, Sri Lanka und Afghanistan.

Das sind die (un)sichersten Länder im südasiatischen Raum 2020 (in Klammern die Platzierung im weltweiten Ranking von 163 Ländern):

1. Bhutan (19)

2. Nepal (73)

3. Sri Lanka (77)

4. Bangladesch (97)

5. Indien (139)

6. Pakistan (152)

7. Afghanistan (163)

Das friedlichste Land Südasiens ist Bhutan, das in der Top 20 der friedlichsten Länder weltweit ist. Nichtsdestotrotz nahm hier die Zahl der Flüchtlinge im vergangenen Jahr zu, ebenso wie die Polizeipräsenz –Bhutan ist sogar das Land mit der bei weitem höchsten Polizeirate in ganz Südasien.

Afghanistan bleibt die unfriedlichste Region der Erde. Zwar unterzeichneten die Taliban im Februar 2020 eine Friedensvereinbarung mit den USA, die Anschläge gingen aber auch danach weiter. Das Land am Hindukusch wird außerdem von innerstaatlichen Disputen durchgeschüttelt: Ashraf Ghani war, fünf Monate nach der Wahl, im Februar erneut zum Präsidenten erklärt worden. Sein Kontrahent Abdullah Abdullah erkannte das nicht an und proklamierte eine Gegenregierung. Neben diesen Konflikten zeigt sich der Friedensrückgang auch an einer steigenden Mordrate, mehr Waffenimporten, zunehmenden Flüchtlingszahlen und einer geringeren Unterstützung der UN-Friedensmission.

Das bevölkerungsreichste Land Südasiens ist Indien. Es rankt auf Platz fünf in der Region und 139 weltweit. Unruhen gibt es dort immer wieder, vor allem wegen Differenzen zwischen den unterschiedlichen politischen, ethischen und religiösen Gruppierungen. Im letzten Jahr eskalierten die Spannungen zwischen Hindus und Muslimen, nachdem die Staatsbürgerschaft im Dezember 2019 so geändert wurde, dass es besonders Mitglieder der muslimischen Minderheit fortan schwer haben, die Staatsbürgerschaft zurückzubekommen. Die Inhaftierungsrate und die Zahl der Todesfälle, die auf interne Konflikte zurückzuführen sind, stiegen im letzten Jahr an, während die Militärsausgaben sanken, die Streitkräfte verringert und die UN-Friedensmission stärker unterstützt wurden.

Die größten Verbesserungen zeigte Bangladesh mit 2,3 Prozent. Besonders im Bereich Sicherheit geht es dem Land besser. Das zeigt sich etwa darin, dass die Zahl der gewaltsamen Proteste abgenommen hat. Gleichzeitig sind die Zahlen der internen Konflikttoten, die Mordrate und die Auswirkungen terroristischer Akte  gesunken.

Russland-Eurasien ist friedlicher

Nur zwei der neun Regionen weltweit sind im letzten Jahr insgesamt friedlicher geworden, eine davon ist Russland-Eurasien – sogar zum vierten Mal in Folge. Sowohl im Bereich anhaltender Konflikte als auch bezüglich der Sicherheit hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Im Bereich Militarisierung hat sich die Region allerdings verschlechtert. In Russland-Eurasien haben nur zwei asiatische und ein europäisches Land nachgelassen: Kasachstan, Turkmenistan und die Ukraine.

Das sind die (un)sichersten asiatischen Länder im russisch-eurasischen Raum 2020 (in Klammern die Platzierung im weltweiten Ranking von 163 Ländern und die zur Region zählenden europäischen Länder):

1. Kasachstan (70)

2. Moldawien (71)

3. Kirgisistan (93)

4. Weißrussland (94)

5. Georgien (95)

6. Armenien (99)

7. Usbekistan (103)

8. Tadschikistan (107)

9. Turkmenistan (116)

10. Aserbaidschan (120)

11. Ukraine (148)

12. Russland (154)

Kasachstan ist das friedlichste Land in der russisch-eurasischen Region und rangiert auf Platz 70 im Weltranking. Trotz seiner Spitzenposition hat das Land auch die größten Einbußen erlitten, vor allem im Bereich Sicherheit. Besonders politische Verfolgungen und Menschenrechtsverletzung sind ein Problem und auch die Mordrate, die Polizeipräsenz und die Zahl der Flüchtlinge sind gestiegen.

Das letztplatzierte Russland hat sich dagegen in allen Bereichen verbessert, wie etwa die geringeren Polizei- und Mordzahlen zeigen. Letztere fielen laut GPI von über 20 pro 100.000 Einwohner auf unter zehn im letzten Jahrzehnt. Trotzdem bleibt politische Instabilität ein Problem.

Aserbaidschan und Armenien haben sich weltweit am meisten und zweitmeisten verbessert – besonders durch die Optimierung ihrer nachbarschaftlichen Beziehung.

Weltweite Unruhen pausieren wegen Corona

Die Welt ist insgesamt unfriedlicher geworden (TRAVELBOOK berichtete). Die Gründe dafür sind vielfältig. Dazu gehören vermehrte terroristische Aktivitäten und die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten, ebenso wie die zunehmenden Flüchtlingszahlen und das gespannten politische Klima in Europa und den USA sowie die ansteigenden regionalen Spannungen in Osteuropa und Nordost-Asien.

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Weltweit zeigt sich ein Trend zu autoritären Regierungen, etwa an der Zunahme der Polizeipräsenz, des politischen Terrors und der Zahl der Inhaftierungen. Gleichzeitig nehmen die Zahlen gewaltsamer Demonstrationen weltweit zu. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich die Proteste zwar beruhigt, die Macher des Global Peace Index gehen aber davon aus, dass diese in Zukunft wiederaufflammen werden.