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Liste von „Ethical Traveler“

Die 10 ethisch korrektesten Reiseziele der Welt

Belize, ehtische korrekte Reiseziele
Belize in Zentralamerika zählt zu den ethisch korrekten Reisezielen 2021. Es grenzt im Osten an das Karibische Meer.Foto: Getty Images

Schöne Strände, gutes Essen, ein schickes Hotel – das reicht manchen Urlaubern schon. Andere achten bei der Wahl ihres Reiseziels aber auch auf gewisse Standards in Sachen Menschenrechte, Umwelt- und Tierschutz. Die gemeinnützige Organisation „Ethical Traveler“ hat auch in diesem Jahr eine Liste mit den zehn ethischsten Reisezielen der Welt erstellt, wobei auch die Corona-Pandemie eine Rolle gespielt hat.

Auf ausgetretenen Pfaden die Welt erkunden? Für viele Reisende kommt das nicht infrage. Sie wollen hinter das schauen, was jeder Urlauber zu Gesicht bekommt. Ihre Ziele sind deshalb häufig auch Entwicklungs- oder Schwellenländer, also jene Länder, die im Vergleich zu den wohlhabenderen Staaten in einigen Bereichen Defizite aufweisen. Oft sind solche Länder touristisch noch relativ wenig erschlossen, was einen zusätzlichen Reiz für Reisende darstellt. Schließlich ist die Lebensweise dort oft noch sehr traditionell und es gibt teils noch unberührte Natur und geheime Orte. Doch welche dieser Länder sind nicht nur vergleichsweise unerforscht, sondern auch ethisch korrekte Reiseziele?

Schließlich gibt es nicht nur die schöne, unberührte Seite, die Reisende sehen. Denn in vielen dieser Länder werden Menschenrechte verletzt, und der Schutz von Umwelt und Tieren findet nicht oder nur kaum statt. Eine Orientierung für alle Urlauber ist eine Liste, welche die Non-Profit-Organisation „Ethic Traveler“ jährlich veröffentlicht. Dabei handelt es sich nicht um ein Ranking, sondern um eine aufbereitete Auswahl der zehn ethisch korrektesten Reiseziele 2021.

Einfluss der Corona-Pandemie mit in die Bewertung aufgenommen

In die diesjährige Bewertung sind auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie eingeflossen. Dazu hat sich Ethical Traveler alle Länder, die in den vergangenen fünf Jahren auf der Gewinner-Liste standen, genauer angesehen. „Wir haben untersucht, wie diese Länder mit der Pandemie umgegangen sind und wie sich die Krankheit auf ihre Reise- und Tourismusbranche ausgewirkt hat. Wir haben auch recherchiert, ob es positive Initiativen und Ansätze gibt, die aus dieser Krise hervorgehen – zum Beispiel Strategien, um den Tourismus nachhaltiger zu gestalten“, heißt es auf der Webseite zur Methodik.

„Obwohl alle unsere Gewinner schwer unter der Corona-Pandemie gelitten haben, haben sie es geschafft, ihre Prioritäten richtig zu setzen und einen klügeren, nachhaltigeren Weg in die Zukunft einzuschlagen“, schreibt Ethical Traveler mit Blick auf das vergangene schwierige Reisejahr.

10 ethisch korrekte Länder 2021 (in alphabetischer Reihenfolge)

(Die mit Sternchen markierten Länder waren schon 2020 unter den Top 10 vertreten.)

So werden die ethisch korrekten Reiseziele bestimmt

Für die Liste untersucht Ethical Traveler jährlich Entwicklungsländer und prüft, inwieweit sich diese als Reise- und Tourismusland eignen. Heißt: Sie sollten eindrucksvolle Landschaften, gute Outdoor-Aktivitäten und bereichernden Kontakt zu Einheimischen bieten. Dann werden die Staaten hinsichtlich vier Kriterien unter die Lupe genommen: Umweltschutz, Sozialfürsorge, Umgang mit Menschenrechten und Tierschutz. Und zwar über mehrere Jahre, um einen Eindruck zu bekommen, was etwa in Sachen Umweltschutz geplant und auch erfolgreich umgesetzt wurde. Als Grundlage der Bewertung dienen unter anderem Daten von Quellen wie der Non-Profi-Organisation Freedom House, Reporter ohne Grenzen, dem Kinderhilfswerk Unicef und der Weltbank.

Rund zwei Dutzend Staaten kommen in die engere Auswahl. Im Anschluss wird untersucht, welche Fortschritte die jeweiligen Länder im vergangenen Jahr gezeigt haben. Um am Ende die zehn Länder zu identifizieren, die es in die Liste schaffen, nehmen die Mitarbeiter auch gezielt Kontakt zu Bürgerrechtlern des Landes auf. Außerdem sprechen sie mit Reisenden, die vor Ort waren, oder analysieren die Presse. In Bezug auf die Corona-Pandemie hat Ethical Traveler nach eigenen Angaben Berichte internationaler Institutionen und anderer Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ausgewertet. Außerdem wurden staatliche Quellen im Land sowie lokale und internationale Medien untersucht.

Kritik an der Methodik

Mit der Liste möchte Ethical Traveler Urlauber inspirieren, Länder zu besuchen – und damit zu unterstützen –, die ethisch korrekt sind. Wobei dies natürlich immer Definitionssache ist. In diesem Jahr könnte man die Wahl erneut skeptisch betrachten. Im Blickfeld: die Mongolei und Uruguay. So schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem Jahresbericht 2017/2018 über die Mongolei: „Menschenrechtsverteidiger berichteten weiterhin über körperliche Angriffe und Schikanen durch staatliche Ordnungskräfte und Sicherheitsdienste von Privatunternehmen.“ Weiter heißt es: „Folter und andere Misshandlungen inhaftierter Personen, unter ihnen auch Menschen mit Behinderungen und Ausländer, blieben weiterhin straflos und wurden nur in seltenen Fällen zur Anzeige gebracht, da keine unabhängige zuständige Ermittlungsbehörde existierte.“

In Uruguay sind es unter anderem die Haftbedingungen und die Rechte von Homosexuellen, Trans- und Intersexuellen, die in puncto Menschenrecht Fragen aufwerfen. Zudem heißt es im Jahresbericht 2017/2018 von Amnesty International, dass „Menschen mit psychosozialen Behinderungen weiterhin gegen ihren Willen und isoliert in psychiatrischen Einrichtungen festgehalten“ würden.

 

Aber auch die Juroren von Ethical Traveler sind sich der Problematiken in einigen der gelisteten Länder bewusst. Sie schreiben dazu: „Obwohl wir diese Liste sorgfältig erstellen, müssen wir uns ständig daran erinnern: Alles ist relativ. Kein Land ist perfekt. Alle haben echte und oft schwerwiegende Mängel. Jeder unserer Gewinner ist jedoch bemüht, in den von uns berücksichtigten Bereichen ‘das Richtige zu tun‘.“

Wer mit wirklich gutem Gewissen reisen will, sollte sich also nicht nur auf diese eine Auswertung verlassen, sondern mehrere Quellen zurate ziehen.