Liste von „Ethical Traveler“

Die 10 ethisch korrektesten Reiseziele der Welt

Armenien
Das Kloster Khor Virap in Armenien. Die ehemalige Sowjetrepublik Armenien im Kaukasus ist neu in der Liste der ethischen Ziele.
Foto: Getty Images

Schöne Strände, gutes Essen, ein schickes Hotel – das reicht manchen Urlaubern schon. Andere achten bei der Wahl ihres Reiseziels aber auch auf gewisse Standards in Sachen Menschenrechte, Umwelt- und Tierschutz. Die gemeinnützige Organisation „Ethical Traveler“ hat auch in diesem Jahr eine Liste mit den zehn ethischsten Reisezielen der Welt erstellt.

Auf ausgetretenen Pfaden die Welt erkunden? Für viele Reisende kommt das nicht infrage. Sie wollen hinter das schauen, was jeder Urlauber zu Gesicht bekommt. Ihre Ziele sind deshalb häufig auch Entwicklungsländer, also jene Länder, die im Vergleich zu den wohlhabenderen Staaten in einigen Bereichen Defizite aufweisen. Oft sind solche Länder touristisch noch relativ wenig erschlossen, was einen zusätzlichen Reiz für Reisende darstellt, schließlich ist die Lebensweise dort vielerorts noch sehr traditionell, und das Land bietet teils noch unberührte Natur und geheime Orte, die kaum ein Tourist bislang gesehen hat.

Doch in welche Entwicklungsländer kann man mit gutem Gewissen reisen? Schließlich gibt es nicht nur die schöne, unberührte Seite, die Reisende sehen. Denn in vielen dieser Länder werden Menschenrechte verletzt, und ein Schutz von Umwelt und Tieren findet nicht oder nur kaum statt.

Eine Orientierung für alle Urlauber ist eine Liste, welche die Non-Profit-Organisation „Ethic Traveler“ jährlich veröffentlicht. Dabei gibt es nicht das ethisch korrekte Ziel schlechthin, sondern vielmehr eine nicht in Form eines Rankings aufbereitete Auswahl der zehn ethischsten Reiseziele 2020. Einige waren bereits in der Liste von 2019 aufgeführt.

Die Liste der 10 ethischsten Länder 2020 (in alphabetischer Reihenfolge)

  • Armenien (Europa/Asien)
  • Kap Verde (Afrika)
  • Costa Rica* (Zentralamerika)
  • Dominica (Karibik)
  • Jamaika (Karibik)
  • Mongolei* (Asien)
  • Palau* (Mikronesien)
  • Gambia* (Afrika)
  • Trinidad und Tobago (Karibik)
  • Uruguay* (Südamerika)

(Die mit Sternchen markierten Länder waren schon 2019 unter den Top 10 vertreten.)

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So wird bewertet

Für die Liste untersucht Ethical Traveler jährlich Entwicklungsländer und prüft, inwieweit sich diese als Reise- und Tourismusland eignen. Heißt: Sie sollten eindrucksvolle Landschaften, gute Outdoor-Aktivitäten und bereichernden Kontakt zu Einheimischen bieten. Dann werden die Staaten hinsichtlich vier Kriterien unter die Lupe genommen: Umweltschutz, Sozialfürsorge, Umgang mit Menschenrechten und Tierschutz. Und zwar über mehrere Jahre, um einen Eindruck zu bekommen, was etwa in Sachen Umweltschutz geplant und auch erfolgreich umgesetzt wurde. Als Grundlage der Bewertung dienen unter anderem Daten von Quellen wie der Non-Profi-Organisation Freedom House, Reporter ohne Grenzen, dem Kinderhilfswerk Unicef und der Weltbank.

Rund zwei Dutzend Staaten kommen in die engere Auswahl. Dann wird untersucht, welche Fortschritte die jeweiligen Länder im vergangenen Jahr gezeigt haben. Um am Ende die zehn Länder zu identifizieren, die es in die Liste schaffen, wird auch gezielt Kontakt zu Bürgerrechtlern des Landes aufgenommen, mit Reisenden, die vor Ort waren, gesprochen, oder die Presse analysiert.

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Kritik an der Methodik

Mit der Liste möchte „Ethical Traveler“ Urlauber inspirieren, Länder zu besuchen – und damit zu unterstützen –, die ethisch korrekt sind, wobei dies natürlich immer Definitionssache ist. In diesem Jahr könnte man die Wahl erneut skeptisch betrachten – im Blickfeld: die Mongolei und Uruguay. So schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem Jahresbericht 2017/2018 über die Mongolei: „Menschenrechtsverteidiger berichteten weiterhin über körperliche Angriffe und Schikanen durch staatliche Ordnungskräfte und Sicherheitsdienste von Privatunternehmen.“ Und weiter: „Folter und andere Misshandlungen inhaftierter Personen, unter ihnen auch Menschen mit Behinderungen und Ausländer, blieben weiterhin straflos und wurden nur in seltenen Fällen zur Anzeige gebracht, da keine unabhängige zuständige Ermittlungsbehörde existierte.“

In Uruguay sind es unter anderem die Haftbedingungen und die Rechte von Homosexuellen, Trans- und Intersexuellen, die in puncto Menschenrecht Fragen aufwerfen. Zudem heißt es im Jahresbericht 2017/2018 von Amnesty International, dass „Menschen mit psychosozialen Behinderungen weiterhin gegen ihren Willen und isoliert in psychiatrischen Einrichtungen festgehalten“ würden.

 

Die Juroren von Ethical Traveler sind sich der Problematiken in einigen der gelisteten Länder bewusst und schreiben dazu: „Obwohl wir diese Liste sorgfältig erstellen, müssen wir uns ständig daran erinnern: Alles ist relativ. Kein Land ist perfekt. Alle haben echte und oft schwerwiegende Mängel. Jeder unserer Gewinner ist jedoch bemüht, in den von uns berücksichtigten Bereichen ‘das Richtige zu tun‘.“

Wer mit wirklich gutem Gewissen reisen will, sollte sich nicht nur auf diese eine Auswertung verlassen, sondern mehrere Quellen zurate ziehen.