Gesetze, Regierung, Bevölkerung

Wie gründet man sein eigenes Land?

Freistadt Christiania
Die Freistadt Christiania gehört zu den bekanntesten Mikronationen der Welt
Foto: Getty Images

Immer wieder wird über Menschen berichtet, die einfach so einen Staat gründen, meist Mikronationen. Aber kann jeder einfach so ein Land gründen? Und wer entscheidet eigentlich, ob ein Staat anerkannt wird?

Einzelpersonen, die sich ihre eigene Mini-Nation mit eigenem Geld und Steuersystem, eigenen Gesetzen und Briefpapier wünschen, gibt es immer wieder.

So hat zum Beispiel eine Gruppe homosexueller Australier im Jahr 2004 versucht, auf Cato Island, einer der australischen Koralleninseln, ein eigenes Königreich zu gründen – aus Protest gegen das 2004 verabschiedete Gesetz, das eine gleichgeschlechtliche Ehe in Australien verbietet. Das selbsternannte Königreich „Gay and Lesbian Kingdom of the Coral Sea Islands“ wurde bisher allerdings weder national noch international anerkannt.

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Immerhin geduldet wird von der Stadt Kopenhagen (Dänemark) die autonome Kommune „Christiania“. 1971 auf ehemaligen Militärgebiet gegründet, ist die „Freistadt“ zu einem Wohnraum für Alternative geworden.

Umgekehrt sieht es in Westarctica aus: Auf dem Papier hat das Land zwar mehr als tausend Einwohner, doch keiner der Bürger kann dort auch leben. Denn die von dem US-Amerikaner ausgerufene Mikronation liegt mitten in der Antarktis. Unsere Redakteurin wurde dort dennoch Baronin – die ganze Geschichte lesen Sie hier.

Sie wollen nicht nur ebenfalls adlig werden, sondern selbst eine ganze Mikronation gründen? TRAVELBOOK erklärt mit einem Augenzwinkern, wie man seinen eigenen Staat gründet – und was kompliziert werden könnte.

Schritt 1: Sie brauchen Land!

Gleich der erste Schritt könnte der schwierigste werden: Das Auffinden eines freien, ausreichend großen Fleckchens Erde für die Staatsgründung ist nahezu unmöglich. Ihre Mietwohnung können Sie nämlich nicht einfach so zum eigenen Staatsgebiet erklären. Und falls Sie planen, eine künstliche Insel irgendwo im Meer aufzuschütten: Auch für Küsten und Teile des Ozeans gibt es Verwalter. Genauso, wie viele kleine, unbewohnte Inseln meist zu einem Land gehören.

Sollten Sie auf eine internationale Anerkennung keinen Wert legen – die Sie erst zum offiziellen Staat macht – können Sie auch den Vorgarten zu Ihrem Land erklären. Hierbei riskieren Sie zwar, von Ihren Nachbarn ausgelacht zu werden – aber Land ist Land.

Fazit: Unmöglich ist es nicht, aber eben fast…

Schritt 2: Finden Sie eine Bevölkerung!

Ein Staatschef oder König braucht ein Volk bzw. Untertanen: Also finden Sie sie! Ein Ein-Mann-Staat ist überflüssig, schließlich kann man sich – auch ohne territoriales Gebiet zu besitzen – Grundsätze und Regeln auferlegen.

Aber vielleicht gibt es ja Gleichgesinnte in Ihrem Bekanntenkreis, die ähnliche Interessen verfolgen und bereit wären, in einer Mikronation zu leben.

Fazit: Sollte machbar sein.

 

Schritt 3: Bilden Sie eine Regierung!

Neben Staatsgebiet und Bevölkerung brauchen Sie noch eine Regierung. Sie können sich natürlich von Ihrem Volk zum König krönen lassen oder selbst ein Staatsoberhaupt ernennen. Aber unterschätzen Sie den Rest nicht! Gesetze, Wirtschaft, Familieninteressen, Gesundheitssysteme: Das alles will geregelt werden.

Fazit: Unmöglich! Denn die Chance ist hoch, dass Sie mit Ihren Regeln international nicht akzeptiert werden. Und ohne diese Anerkennung dürfte es bald Probleme mit dem echten Gesetzgeber Ihres Landes geben.

Fazit

Lassen Sie es bleiben! Der Traum vom eigenen Königreich mag zwar groß sein, doch realistisch umsetzbar ist er nicht. Wenn Sie trotzdem dran hängen: Gründen Sie Ihre eigene virtuelle Welt zum Beispiel in einem Computerspiel inklusive Hymne, Flagge und eigener Briefmarke.