Gesetze, Regierung, Bevölkerung

Wie gründet man sein eigenes Land?

Freistadt Christiania
Die Freistadt Christiania gehört zu den bekanntesten Mikronationen der Welt
Foto: Getty Images

Einige Schotten träumen von der Unabhängigkeit von Großbritannien, viele Katalanen wollen die Unabhängigkeit von Spanien – und dann gibt es noch die Menschen, die einfach so einen Staat gründen, meist Mikronationen. Aber kann jeder einfach so ein Land gründen? Und wer entscheidet eigentlich, ob ein Staat anerkannt wird?

Schottland, das Land der Kilts und Dudelsäcke, des Whiskeys und des Shortbreads, gehört seit 300 Jahren zum Vereinigten Königreich. Damit könnte es nach Ansicht vieler Schotten Schluss sein: Denn immer wieder drängen Separatisten darauf, unabhängig zu werden von Großbritannien. Und auch viele Bürger in Katalonien wollen eigenständig sein und nicht mehr zu Spanien gehören.

Während in diesen Fällen mit allen Mitteln der Politik gearbeitet wird, gibt es auch Einzelpersonen, die sich ihre eigene Mini-Nation wünschen: mit eigenem Geld und Steuersystem, eigenen Gesetzen und Briefpapier.

Cato Island

So hat zum Beispiel eine Gruppe homosexueller Australier im Jahr 2004 versucht, auf Cato Island, einer der australischen Koralleninseln, ein eigenes Königreich zu gründen – aus Protest gegen das 2004 verabschiedete Gesetz, das eine gleichgeschlechtliche Ehe in Australien verbietet. Das selbsternannte Königreich „Gay and Lesbian Kingdom of the Coral Sea Islands“ wurde bisher allerdings weder national noch international anerkannt.

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Christiania in Kopenhagen

Immerhin geduldet wird von der Stadt Kopenhagen (Dänemark) die autonome Kommune „Christiania“ (sehen Sie hier Fotos). 1971 auf ehemaligen Militärgebiet gegründet, ist die „Freistadt“ zu einem Wohnraum für Alternative geworden. Der Geruch von Cannabis liegt in der Luft (hier werden softe Drogen verkauft), Hunde laufen frei herum. Inzwischen leben in der Gemeinde, die heute als eine Art Sehenswürdigkeit bei Touristen gilt, 1000 Leute.

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Principality of Hutt River

Ebenfalls Anfang der 1970er hat ein Landwirt namens Leonard George Casley sein Grundstück im Westen Australiens zum Fürstentum erklärt. Die heute dort lebenden 23 Einwohner müssen zwar keine Steuern an Australien zahlen, erhalten aber auch keine Sozialleistungen wie zum Beispiel Kindergeld. Sprich: Australien geht nicht gegen den selbsternannten Staat „Principality of Hutt River“ vor, erkennt ihn aber auch nicht an.

Wäre eine Mikronation auch etwas für Sie?

Schritt 1: Sie brauchen Land!

Gleich der erste Schritt könnte der schwierigste werden: Das Auffinden eines freien, ausreichend großen Fleckchens Erde für die Staatsgründung ist nahezu unmöglich. Ihre Mietwohnung können Sie nämlich nicht einfach so zum eigenen Staatsgebiet erklären. Und falls Sie planen, eine künstliche Insel irgendwo im Meer aufzuschütten: Auch für Küsten und Teile des Ozeans gibt es Verwalter. Genauso, wie viele kleine, unbewohnte Inseln meist zu einem Land gehören.

Sollten Sie auf eine internationale Anerkennung keinen Wert legen – die Sie erst zum offiziellen Staat macht – können Sie auch den Vorgarten zu Ihrem Land erklären. Hierbei riskieren Sie zwar, von Ihren Nachbarn ausgelacht zu werden – aber Land ist Land.

Fazit: Unmöglich ist es nicht, aber eben fast…

Schritt 2: Finden Sie eine Bevölkerung!

Ein Staatschef oder König braucht ein Volk bzw. Untertanen: Also finden Sie sie! Ein Ein-Mann-Staat ist überflüssig, schließlich kann man sich – auch ohne territoriales Gebiet zu besitzen – Grundsätze und Regeln auferlegen.

Aber vielleicht gibt es ja Gleichgesinnte in Ihrem Bekanntenkreis, die ähnliche Interessen verfolgen und bereit wären, in einer Mikronation zu leben.

Fazit: Sollte machbar sein.

Schritt 3: Bilden Sie eine Regierung!

Neben Staatsgebiet und Bevölkerung brauchen Sie noch eine Regierung. Sie können sich natürlich von Ihrem Volk zum König krönen lassen oder selbst ein Staatsoberhaupt ernennen. Aber unterschätzen Sie den Rest nicht! Gesetze, Wirtschaft, Familieninteressen, Gesundheitssysteme: Das alles will geregelt werden.

Fazit: Unmöglich! Denn die Chance ist hoch, dass Sie mit Ihren Regeln international nicht akzeptiert werden. Und ohne diese Anerkennung dürfte es bald Probleme mit dem echten Gesetzgeber Ihres Landes geben.

Fazit

Lassen Sie es bleiben! Der Traum vom eigenen Königreich mag zwar groß sein, doch realistisch umsetzbar ist er nicht. Wenn Sie trotzdem dran hängen: Gründen Sie Ihre eigene virtuelle Welt zum Beispiel in einem Computerspiel inklusive Hymne, Flagge und eigener Briefmarke.