24. September 2025, 7:38 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Neuseeland ist für mich eines der schönsten Länder der Welt. Das liegt zum einen an den unglaublichen Naturorten auf der Nord- und Südinsel. An den sattgrünen Hügellandschaften, den dramatischen Klippen, den glitzernden Seen und Buchten, malerischen Fjordlandschaften, schwarzen und weißen Stränden, beeindruckenden Bergen, brodelnden Schlamm- und Wasserpools sowie etlichen weiteren Naturschön- und besonderheiten, die dieses faszinierende Land zu bieten hat. Zum anderen liegt die Schönheit Neuseelands aber auch an den besonderen und wirklich außerordentlich gastfreundlichen Menschen.
Wie sind die Menschen in Neuseeland?
Ich habe einige Monate in Neuseeland verbracht, war im Van allein, mit Freunden und meiner Familie dort unterwegs. Und nicht einmal gab es einen Moment, an dem ich mich unwillkommen gefühlt habe. Nicht einmal ein schräg dahin gerauntes Wort von einem Neuseeländer, meist Kiwi genannt. Immer, und ich sage ganz ehrlich immer, sind mir die Menschen in Neuseeland mit Freundlichkeit und Offenheit entgegengetreten.
Ein Beispiel für Gastfreundschaft in Neuseeland
Am besten kann ich die dort erlebte Gastfreundschaft an diesem Beispiel skizzieren: Es war April 2018 und ich war gerade mit einer Freundin im Van in Queenstown unterwegs. Wir wachten früh am Morgen auf, zitternd vor Kälte. In der Nacht hatte es geschneit und wir, komplett unvorbereitet auf diese Art von Kälte, wickelten uns in alle Kleidungsstücke und die beiden Decken, die wir dabei hatten, und versuchten, uns mit Tee und Kaffee irgendwie warm zu bekommen.
Und dann tauchte plötzlich Pam neben unserem Auto auf. Eine fröhlich strahlende Frau in ihren Sechzigern, an der Leine einen wuscheligen kleinen Hund namens Moose. Pam entschied kurzerhand, dass sie uns vor der Kälte retten wollte. Sie lud uns zu Kaffee und heißer Dusche in ihr Haus in der Nähe ein – und wir nahmen es mehr als dankbar an. Das allein beeindruckte mich bereits tief. Als wir wenig später frisch geduscht und aufgewärmt bei ihr auf der Couch saßen, bot Pam uns an, bei ihr zu bleiben. So lange, wie wir es wollten. Wir blieben mehrere Tage und weinten beim Abschied. Noch lange danach blieben Pam und ich in Kontakt.
Auch interessant: Der perfekte Roadtrip durch Neuseeland
Natürlich ist Pam ein außerordentliches Beispiel für die Gastfreundschaft in Neuseeland. Und sicherlich laden nicht alle Kiwis die diversen Van-Reisenden einfach so in ihre Häuser ein (wobei ich einige kenne, die genau das jederzeit tun würden). Aber es ist ein Beispiel einer zutiefst freundlichen und gastfreundschaftlichen Kultur. Wenn ich versuche, die Menschen aus Neuseeland, die ich vor Ort und anderswo kennengelernt habe, im Allgemeinen zu beschreiben, würde ich sagen: zurückhaltend, überaus freundlich, bodenständig, unkompliziert und oftmals ehrlich offen für neue Bekanntschaften. Das gilt für alle Menschen, die ich unterwegs kennengelernt habe, diejenigen mit europäischen Wurzeln ebenso wie Māori. Das gilt ebenso für eine gute Freundin aus Neuseeland, meine Schwiegermutter, einen neuseeländischen Ex-Freund sowie verschiedene andere Bekannte – und jeder einzelne von ihnen ist überaus gastfreundlich.
Sri Lanka gehört zu den gastfreundlichsten Ländern der Welt
Das gastfreundlichste Land der Welt ist …
Die Kultur der Gastfreundschaft in Neuseeland
Auf die Frage, warum Kiwis so gastfreundlich sind, habe ich mich auf der offiziellen Tourismus-Homepage des Landes umgeschaut und ein paar Erklärungsansätze gefunden.
Neuseeland wird dort als „Schmelztiegel-Nation mit einer zusammengewürfelten Geschichte aus Māori, europäischen, pazifischen und asiatischen Wurzeln“ beschrieben und seine Menschen als „unkompliziert“, „entspannt, formlos und freundlich“. Rund 69 Prozent der 4,4 Millionen Kiwis sind von europäischer Abstammung. 14,5 Prozent sind Māori, 9,2 Prozent Asiaten und 6,9 Prozent pazifische Insulaner.
Die vielschichtige Einwandererkultur ist ein wichtiges Element bei der Frage nach der Gastfreundschaft der Neuseeländer. Nicht nur kamen alle heute dort lebenden Kulturen einmal von woanders auf der Welt nach Neuseeland, welches die Māori übrigens Aotearoa nennen. Sie mussten auch verschiedene Kulturen miteinander vereinen, besonders die europäische und die Māori-Kultur.
Ein tief in die heutige neuseeländische Kultur verwobenes Element sind eben jene Traditionen der Māori, die auch im täglichen Leben eine bedeutende Rolle spielen. Dazu gehören laut newzealand.com „Māori-Werte wie Manaakitanga (herzliche Gastfreundschaft) (…)“. Hinzu komme eine entspannte, „positive ,she’ll be right‘ (das passt schon)-Einstellung“ sowie unterschiedliche Einflüsse mehrerer Generationen von Einwanderern. Auch ein gewisser Stolz auf ihr Land und Naturverbundenheit tragen zur Freundlichkeit und dem entspannten Umgang untereinander bei.
Auch interessant: Tāne Mahuta – der Baum, der Menschen zum Weinen bringt
Methodik zum TRAVELBOOK AWARD
Wir sagen es jedes Jahr: Alle nominierten Regionen, Länder und Co. des TRAVELBOOK Awards sind bereits Gewinner. Auch dann, wenn es nicht zum Gesamtsieg gereicht hat. Das gilt auch für Neuseeland. Denn: Jedes Land hat es im Vorhinein bereits auf die Shortlist geschafft, wurde also aus einer großen Anzahl von Anwärtern in einer Kategorie ausgewählt.
Die TRAVELBOOK-Redaktion hat die Community auf Facebook und Instagram um Hilfe gebeten sowie Experten aus der Reisebranche zurate gezogen, um die Shortlist zu erstellen. Die TRAVELBOOK-Leser haben dann fast 150.000 Stimmen abgegeben und ihre Trendreiseziele 2026 gekürt.