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Redakteurin war vor Ort

Warum ich Silvester kein zweites Mal in Neapel verbringen werde

Neujahr in Neapel in Italien
Feuerwerke vor dem Vesuv? Mein Silvester in Neapel sah leider alles andere als traumhaft aus. Foto: dpa picture alliance

Zu Silvester mal nicht vor Kälte zitternd und bibbernd auf die Feuerwerke warten, sondern das Neue Jahr im Warmen feiern. Das war der Plan unserer Redakteurin Sonja, die den Jahreswechsel im italienischen Neapel verbrachte. Hier erzählt sie, warum das trotz sommerlicher Temperaturen keine gute Idee war.

Die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar habe ich in der Vergangenheit selten zu Hause verbracht. Ich feierte in entlegenen Skihütten in den Alpen, wo man von Silvesterfeuerwerken nichts mitbekommen konnte, in einem österreichischen Bergdorf, wo abtrünnige Feuerwerkskörper schon vor Mitternacht für einen Großbrand sorgten, und in Vietnam, wo an diesem Abend grundsätzlich nicht viel passiert, denn das neue Jahr beginnt dort zu einem anderen Zeitpunkt. Kurz: Ich bin es gewohnt, das Neujahr im Ausland zu begrüßen und weiß, dass Silvester in vielen Ländern ganz anders gefeiert wird, als wir es hier gewohnt sind. Als ich mich in diesem Jahr dazu entschied, Silvester in Neapel zu verbringen, wurde ich trotzdem überrascht. Ich erlebte einen Jahreswechsel, den ich so kein zweites Mal mitmachen möchte.

Euphorischer Start in den Abend

Als ich am 31. Dezember mittags in der drittgrößten Stadt Italiens ankam, sprühte es auf den Gassen vor Leben. Neapel war chaotisch, laut und voller Menschen – genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Freund, mit dem ich unterwegs war, und ich liefen durch die Gassen und saugten die Energie auf. Gegen 19 Uhr wurden wir hungrig und wollten zu Abend essen. Doch die Straßen, durch die wir uns wenige Stunden vorher gedrängt hatten, waren wie ausgestorben. Kaum ein Restaurant hatte geöffnet. Weil die Italiener aber grundsätzlich gerne später dinieren, ab halb neun etwa, machten wir uns vorerst keine Gedanken.

Als wir schließlich doch ein Restaurant fanden, das noch Pizza und Pasta servierte, merkten wir, dass es um uns herum immer ruhiger wurde. Die letzten geöffneten Bars stellten die Stühle auf die Tische und sperrten zu. Mittlerweile war es 20 Uhr und gespenstisch still auf den Straßen. Die Knaller, die alle paar Minuten achtlos von Balkonen geschmissen wurden, erschreckten uns daher besonders. Neapels Straßen sind dafür bekannt, ziemlich eng und dunkel zu sein. Die Häuser stehen oft so nah beieinander, dass sich Menschen auf gegenüberliegenden Balkonen häufig sogar die Hand reichen können. Besonders gefährlich ist es also, von einem der Balkone Böller oder illegale Feuerwerke zu schießen. Wo viele Menschen nah und unübersichtlich zusammen sind, kann schnell viel Ungewolltes passieren – besonders zu Silvester.

Neapel ist zu Silvester in besonders gefährliches Pflaster

Wir suchten etwa eine halbe Stunde vergeblich nach einer offenen Bar, es huschten nur noch wenige Menschen an uns vorbei. Eher zufällig stolperten wir am Weg zurück zu unserem Hotel über etwas, das wie eine Fata Morgana schien: Zwischen dunklen und unbelebten Straßen hatte in einer kleinen Nebengasse eine Bar geöffnet. Wir setzten uns neben eine große Gruppe junger Italiener und schlürften endlich einen Aperol Spritz.

Bestellt hatten wir bei einer coolen italienischen Frau, die wohl Mitte 30 war und so wirkte, als ob sie nichts aus der Ruhe bringen würde. Ihre Antwort auf meine Nachfrage, was denn heute los wäre, und ob die gähnende Leere in den Straßen mit speziellen Corona-Verordnungen zu tun habe, fiel überraschend aus. Die Menschen feiern das neue Jahr hier mit der Familie oder engen Freunden, erzählte sie. Sicher ist aber, dass sie den Abend des 31. zu Hause verbringen. Auf den Straßen sei es zu Mitternacht viel zu gefährlich, erst ab 1:30 Uhr würden die Neapolitaner das Haus wieder verlassen.

Böller mal anders

Dass Böller oder illegale Feuerwerke einen Spaziergang zu Mitternacht an Silvester nicht allzu entspannend machen, kenne ich auch aus Berlin. Speziell in Neukölln und Kreuzberg sollte man sich um diese Zeit nicht auf den Straßen aufhalten. Aber in Neapel legt man noch eine Schippe darauf. Das erzählt mir eine Freundin aus Rom, mit der ich an diesem Abend noch telefoniere, um die Lage besser einschätzen zu können. Sie warnt mich vor dem in Neapel verbreiteten Brauch, das neue Jahr zu Mitternacht mit Pistolenschüssen zu feiern. Aus echten Pistolen. Mit echten Patronen.

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Wir bestellten die zweite Runde Getränke also to go und zogen uns auf den Balkon unseres Hotelzimmers zurück. Ganz wie in Neapel üblich kamen wir mit den Urlauberinnen auf dem benachbarten Balkon ins Gespräch und feierten spontan mit ihnen uns neue Jahr. Die beiden Frauen aus Österreich verabschiedeten sich kurz nach Mitternacht, um auf der Straße weiterzufeiern. Doch schon nach einer halben Stunde kehrten sie wieder zurück. Sie seien mehrmals angesprochen und gewarnt worden, sich wieder an einen sicheren Ort zu begeben. Neapel an Silvester? Eher keine gute Idee…

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