Am 16. Februar

Wie Vietnam mit dem Tet-Fest das neue Jahr feiert

Vietnam, Tet-Fest
In Vietnam wird das neue Jahr mit dem Tet-Fest willkommen geheißen
Foto: Getty Images

Nach dem chinesischen Mondkalender, mit dem viele asiatische Länder Feiertage berechnen, beginnt das neue Jahr, das Jahr des Hundes, erst am 16. Februar – auch in Vietnam. Gefeiert wird mit Glücksspielen und Feuerwerken. Mancherorts werden traditionelle Tänze aufgeführt und schwimmende Kerzen aufs Wasser gesetzt.

Die Vorbereitungen beginnen schon Wochen vor dem eigentlichen Fest: Türen werden lackiert, Boote repariert, Fenster geputzt, Wohnungen dekoriert und ja, auch ganze Häuser neu gestrichen. Es soll Glück bringen. Denn was während der Feierlichkeiten passiert, ist ein Omen für das gesamte kommende Jahr. Kein Wunder, dass in Vietnam nichts dem Zufall überlassen wird.

Traditionell schmücken die Vietnamesen zum Tet-Fest Häuser und Straßen mit Blumen oder kleinen Orangenbäumen. Daran baumeln rot-goldene Anhänger mit Fischen, Buddhas oder – insbesondere in diesem Jahr – mit Hunden. Fragt man nach der Bedeutung, bekommt man meist die Antwort „luck“, zu Deutsch: Glück. Was auch sonst.

Am Neujahrsabend gibt es ein spezielles Festessen

Auch die Kleidung kann Einfluss auf das bevorstehende Jahr nehmen: Vor allem in der Küstenstadt Hội An, die für ihre langjährige Schneiderkunst bekannt ist, ist die Nachfrage nach roten Kleidern hoch. Wartet man sonst etwa zwei Tage auf ein maßgeschneidertes Abendkleid, muss man sich jetzt wesentlich länger gedulden. Und auch die Preise schießen in die Höhe, Touristen und Einheimische zahlen oft das Doppelte als üblich.

Am Neujahrsabend reihen sich am Flussufer Plastikstühle und -tische aneinander. Gegessen wird spezielles Festessen, darunter ein Reiskuchen, der in Blätter gewickelt aussieht wie ein Päckchen, oder geröstete Wassermelonenkerne. Mit Spielen kann man sich die Zeit bis zum mitternächtlichen Feuerwerk vertreiben. Auf einer Art Kirmes schmeißt man Dosen um oder versucht, mit verbundenen Augen und einem Knüppel in der Hand, einen Keramiktopf zu zerschlagen. Wer wissen will, wie die berühmten Laternen, die das Stadtbild Hội Ans zieren, hergestellt werden, erfährt es in einem Workshop am Straßenrand. Traditionelle Tänze und Sketche werden in Gewändern und Drachenkostümen vorgeführt, brennende Kerzen schwimmen auf dem Wasser. Das Korkenknallen um Mitternacht bleibt allerdings aus – die Vietnamesen zischen lieber eine Dose Bier.

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Zukunftsprognosen am Neujahrstag

Den ersten Tag im ersten Monat, also Neujahr, verbringen Vietnamesen mit ihren Familien und Freunden. Sie beten in Tempeln und Pagoden für das neue Jahr, überreichen sich (rote!) Umschläge mit Geldscheinen und lassen sich die Zukunft von Wahrsagern voraussagen. Einige Läden öffnen erst gar nicht, Märkte finden in einer Mini-Version statt – in vielen Städten ist es besonders morgens gespenstisch still. Als Vorbote für das neue Jahr wird auch derjenige betrachtet, der als erstes das Haus betritt. Junge, verheiratete Männer mit Kindern sind zum Beispiel sehr willkommen.

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Was das Tet-Fest für Touristen bedeutet

Viele Reisende flüchten vor dem Neujahrsfest in benachbarte Länder. Denn während der Festtage (zwischen drei und 14 Tagen im Januar oder Februar) bleiben viele Restaurants und Geschäfte geschlossen, Flug- und Zugtickets sind rar und verhältnismäßig teuer. Dasselbe gilt für Hotelzimmer. In Internetforen liest man Kommentare von besorgten Travellern, die sich vor einer Stadt im Stillstand fürchten. Ganz so ist es nicht, und dennoch ist es wohl die einzige Zeit im Jahr, in der sich die Menschen im Land einzig ihrer Familie widmen. Besonders in Hội An kommt man der Tradition und den Einheimischen ein Stückchen näher, wenn es heißt „Chúc mừng năm mới“, „Frohes neues Jahr“. Man muss sich einfach darauf einlassen und akzeptieren, dass es einen Tag nicht ausschließlich um uns Touristen geht.

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