21. Oktober 2026, 16:54 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Was macht eigentlich ein echtes Szeneviertel aus? Kreative Cafés, ein junges Publikum, alternative Kultur? Der Reisekonzern Tui hat auf diese Frage eine deutlich konkretere Antwort gefunden und stellt diese in einem neuen Ranking der coolsten Szeneviertel Deutschlands vor. An welchen Kategorien die „Coolness“ eines Viertels festgemacht wird und welche Stadt hier besonders glänzen konnte, zeigt TRAVELBOOK.
Laut dem ZDL-Onlinewörterbuch entstand der Begriff des Szeneviertels in den 1980er-Jahren als Bezeichnung für Stadtteile, in denen sich besonders viele junge, kreative und trendorientierte Menschen ansiedeln. Geprägt werden diese Viertel von einem lebendigen Kultur- und Gastronomieangebot. Genau dieses urbane Lebensgefühl versucht Tui nun messbar zu machen.
Doch was junge Menschen gerade interessiert und als cool empfinden, lässt sich nur schwer in Zahlen fassen. Der Reiseveranstalter hat dafür einen kreativen Ansatz gewählt: Statt auf klassische Faktoren zu setzen, orientiert sich das Ranking an aktuellen Trends. So soll sichtbar werden, was das urbane Lebensgefühl im Jahr 2026 ausmacht.
TikTok-Hashtags, Pilates-Studios und Pistazieneis …
Und woran erkennt man aktuelle Trends? Natürlich an den sozialen Netzwerken. Deshalb spielt auch TikTok im Ranking eine wichtige Rolle. Tui wertete aus, wie häufig einzelne Viertel im August 2026 auf der Plattform mit Hashtags erwähnt wurden. Die untersuchten Stadtteile stammen übrigens aus dem Vorjahresranking, das die angesagtesten Trendquartiere für 2025 anhand anderer Kriterien ermittelt hatte.
Doch mit TikTok allein ist es nicht getan. Berücksichtigt wurde auch die Zahl der Bars pro 10.000 Einwohner. Ein naheliegender Indikator – schließlich gehört ein lebendiges Nachtleben zum Bild eines Szeneviertels dazu. Als gastronomischer Trendfaktor dienen außerdem Ramen- und japanische Restaurants, deren Anzahl laut Tui auf Basis von Google-Maps-Einträgen erfasst und auf die Einwohnerzahl umgerechnet wurde.
Etwas überraschender fällt das Bewegungsangebot aus: Auch die Zahl der Pilates-Studios fließt in die Wertung ein. Ebenso berücksichtigt werden Secondhand- und Vintage-Läden, die seit Jahren einen Boom erleben und inzwischen vielerorts zum typischen Straßenbild trendiger Viertel gehören.
Und weil auch Essen und Trinken Teil des urbanen Lebensgefühls sein sollen, hat Tui zwei weitere, durchaus spezielle Indikatoren ausgewählt: den Durchschnittspreis für Pistazieneis, das sich 2026 zum echten Trendprodukt entwickelt hat, sowie den Preis für einen Negroni. Ob sich die Coolness eines Viertels tatsächlich an Cocktail- und Eispreisen bemessen lässt, sei dahingestellt. Für ein Schmunzeln sorgt die ungewöhnliche Methodik aber allemal.
Coolstes Szeneviertel: das Belgische Viertel in Köln
Das Belgische Viertel in Köln sichert sich mit 81,4 von 100 möglichen Punkten den ersten Platz im Ranking. Seinen Namen verdankt das Viertel übrigens den Straßen, die nach belgischen Städten und Regionen wie Brüssel, Antwerpen oder Limburg benannt sind. Die Kölner selbst sprechen oft einfach vom „Belgischen“ oder vom „Veedel“ – dem kölschen Wort für Stadtviertel.
Schon seit Jahren gilt das Quartier als einer der kreativsten und lebendigsten Teile der Domstadt. Zwischen Jugendstilhäusern, kleinen Boutiquen, Galerien, Cafés und Bars hat sich eine Szene entwickelt, die weit über Köln hinaus bekannt ist. Auch Kulturveranstaltungen und Konzerte prägen das Viertel. Bei den Ranking-Kriterien spielt das Belgische Viertel seine Stärken voll aus. Nirgendwo sonst finden sich auf die Einwohnerzahl gerechnet so viele Vintage- und Secondhand-Läden. Auch bei der Dichte an Pilates-Studios erreicht das Kölner Veedel den Spitzenplatz. Dazu kommen zahlreiche Bars und solide Platzierungen in den übrigen Kategorien.
Auf dem großen Foto ganz oben ist übrigens die Aachener Straße in Köln zu sehen – der Mittelpunkt des scheinbar coolsten Veedels Deutschlands.
Warum ich das Belgische Viertel liebe!
„Das Belgische Viertel zeigt perfekt, was es heißt, wenn lebendiges Stadtleben und grüne Natur aufeinandertreffen. Abgesehen von den zahlreichen Bars, Restaurants und Cafés kann man sich hier nämlich auch einfach mal ganz entspannt in den anliegenden Stadtpark setzen und die Ruhe genießen. Das belgische Viertel bietet das kulturelle Angebot, das man von einer hippen Stadt wie Köln erwartet. Ob man sich im Kiosk an der Ecke ein Spaßgetränk holt, in der Bar ‚Zum Goldenen Schuss‘ das Tanzbein schwingt und das ein oder andere Kölsch trinkt oder im Café ‚Sonntags am Brüsseler Platz‘ eine leckere Zimtschnecke nascht. Das Viertel ist absolut empfehlenswert und ein berechtigter Lieblingsspot vieler Kölner.“
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Münchner Glockenbachviertel auf Platz 2
Das Glockenbachviertel in München zeigt, dass man für einen Spitzenplatz nicht in jeder Kategorie Rekorde brechen muss. Stattdessen sammelt der Stadtteil durchweg starke Werte und landet so auf Rang zwei des Rankings. Die Zahl der Bars, Vintage-Läden und Pilates-Studios liegt durchgehend auf hohem Niveau, ohne dabei die Extremwerte anderer Viertel zu erreichen.
Gleichzeitig ist das Glockenbachviertel präsent genug, um als Szeneadresse wahrgenommen zu werden, aber nicht so stark in den sozialen Medien vertreten, dass es ausschließlich vom Hype lebt. Auffällig sind lediglich die Münchner Preise: Für eine Kugel Pistazieneis werden hier durchschnittlich fast drei Euro fällig. Damit gehört das Viertel zwar zu den teuersten im Ranking, liegt aber immer noch unter dem Wert des Stuttgarter Bohnenviertels auf Platz vier.
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Platz 3 für überraschendes Szeneviertel in Berlin
Auf Platz drei landet mit Berlin-Mitte das bestplatzierte Viertel der Hauptstadt. Das dürfte manche überraschen. Denn wenn von Berliner Szenevierteln die Rede ist, fallen meist zuerst Namen wie Kreuzberg oder Neukölln. Dabei wird Mitte oft unterschätzt und pauschal als „Innenstadt“ wahrgenommen. Tatsächlich zeigt Berlin einmal mehr, dass die Stadt aus vielen kleinen Zentren besteht. Fast jeder Kiez hat seinen eigenen kulturellen und gastronomischen Mittelpunkt, seine Stammcafés, Bars und Treffpunkte.
Im Ranking profitiert Mitte vor allem von seiner Ausgewogenheit. Während andere Viertel in einzelnen Kategorien herausragen, sammelt der Stadtteil in fast allen Bereichen zuverlässig Punkte. Das gilt besonders für Gastronomie, Nachtleben und die Präsenz in sozialen Netzwerken. Denn Berlin bleibt die unangefochtene TikTok-Hauptstadt des Rankings: Kreuzberg und Neukölln erreichen zwar mit Abstand die meisten Hashtags, doch auch andere Berliner Viertel sorgen dafür, dass die Hauptstadt auf den sozialen Plattformen omnipräsent ist.
Die Plätze 1-10 der coolsten Stadtviertel in Deutschland
- Belgisches Viertel (Köln) – 81,4 Punkte
- Glockenbachviertel (München) – 78,6 Punkte
- Mitte (Berlin) – 74,3 Punkte
- Bohnenviertel (Stuttgart) – 70,0 Punkte
- St. Georg (Hamburg) – 68,6 Punkte
- Altstadt (Düsseldorf) – 67,1 Punkte
- Heusteigviertel (Stuttgart) – 62,9 Punkte
- Unterbilk (Düsseldorf) – 62,9 Punkte
- Maxvorstadt (München) – 62,9 Punkte
- Charlottenburg (Berlin) – 61,4 Punkte