5. Oktober 2025, 7:53 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
In Thüringens Landeshauptstadt Erfurt steht mit der Krämerbrücke einer der ungewöhnlichsten Bauwerke in ganz Deutschland. Denn nicht nur ist sie die längste bewohnte und bebaute Brücke Europas, sie feiert in 2025 auch noch ihren 700-jährigen Geburtstag. Dabei ist das Bauwerk an sich wohl sogar noch viel älter, und heute einer der größten Touristenmagnete der mitteldeutschen Metropole. TRAVELBOOK gratuliert herzlich zum beeindruckenden Jubiläum.
In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt steht, seit 1325, Deutschlands wohl bekannteste Brücke. In ihrer bewegten Geschichte hat sie mehrfach Feuern getrotzt, war schon früh ein wichtiges Handelszentrum und konnte doch nur knapp vor dem Abriss bewahrt werden. 2025 feiert die Krämerbrücke ihren 700-jährigen Geburtstag, dabei ist sie eigentlich sogar noch bedeutend älter. Umgeben von Unesco-Welterbestätten in der Erfurter Altstadt von Erfurt ist sie eines der unbestrittenen Besucher-Highlights, und dabei ihren Wurzeln treu geblieben. Denn immer noch finden sich, wie seit Jahrhunderten schon, auf Europas längster bebauter und bewohnter Brücke zahlreiche Geschäfte.
Laut der offiziellen Seite der Krämerbrücke, die von der Stadtverwaltung betrreut wird, beginnt die Geschichte des Viadukts bereits vor fast 1000 Jahren. So baut man schon früh einen hölzernen Vorgänger der heutigen Brücke über den Fluss Gera, um so Händlern ihren Weg zu erleichtern. In Erfurt trafen sich damals verschiedene bedeutende Fernstraßen. Mathias Kabisch, Marketingleiter der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH, sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Erfurt lag auch an der Via Regia, eine der bedeutendsten mittelalterlichen Handelsroute. Bereits mit dem Bau der Brücke siedelten sich schon früh die ersten Kaufleute und Krämer, also Händler, in der Gegend um und auch auf der Brücke selbst an. Von ihnen hat sie ihren heutigen Namen.“
Hochwertige Waren, kein „Kram“
Dabei habe der Begriff Krämer nichts mit der heutigen Assoziation des Wortes „Kram“ zu tun, im Gegenteil. „Das Wort ist nicht etwa abwertend, sondern deutet auf hochwertige Klein-, Luxus- und Genusswaren hin. Und dieser Tradition ist die Krämerbrücke bis heute treu geblieben. Noch immer findet man hier einzigartige Dinge.“ 1156 wird das Bauwerk erstmals als „pons rerum venalium“ urkundlich erwähnt, als „Brücke der feilgebotenen Dinge“. Schon damals finden sich dort Buden und Verkaufsstände. 1325 entsteht dann die steinerne Form des Monuments, das auch heute noch Besucher aus aller Welt begeistert. Die Stadt Erfurt hatte die Brücke zuvor aus klösterlichem Besitz erworben.
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Schnell entwickelt sich die Krämerbrücke zu dem Wahrzeichen Erfurts, das sie auch heute noch ist. Erbaut aus Sandstein, 125 Meter lang, 19 Meter breit, überspannen ihre sechs Bögen nun seit sieben Jahrhunderten zwei Flussarme der Gera. Geschichtlich belegt ist, dass hier tatsächlich nur feinste Waren gehandelt wurde. Darunter Gewürze, Gold, Seidenstoffe, Farben, Brillen, Glas aus Venedig, Korallen, Feigen, Rosinen, Reis oder Lakritz. 1472 erstmals durch einen Brand schwer beschädigt, baut man in der Folge die ersten Häuser auf der Krämerbrücke. Nun ist sie nicht mehr nur ein Handelszentrum, sondern seitdem auch dauerhaft bewohnt.
Beinahe abgerissen
Finden sich hier anfangs noch 62 Häuser, verkleinert sich deren Zahl durch mehrere weitere Brände bis zum 18.Jahrhundert auf die heutigen 32. Von den ursprünglich an den zwei Brückenköpfen befindlichen Gotteshäusern steht heute nur noch die Ägidienkirche. Die Benediktikirche reißt man 1810 ab. Im 19.Jahrhundert entwickelt sich Erfurt für damalige Verhältnis zu einer Großstadt, und diesem Umstand fällt auch beinahe die Krämerbrücke zum Opfer. „Man überlegte 1895, aufgrund des zunehmenden Verkehrsaufkommens an gleicher Stelle eine größere Brücke zu bauen. Zum Glück haben sich viele Leute für den Erhalt der Brücke engagiert, sodass die größere Rathausbrücke direkt daneben errichtet wurde.“ Ein weiser Entschluss, schließlich ist das Bauwerk heute neben dem Dom-Ensemble DAS Wahrzeichen der Stadt. Von den jährlich bis zu 14 Millionen Tagesgästen möchte ein Großteil auch Europas längste bewohnte Brücke sehen.
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Noch heute finden sich hier moderne Krämer, die die unterschiedlichsten Waren und Angebote „feilbieten“. Auf der offiziellen Webseite oder, noch besser, einem Live-Spaziergang, kann man sich einen Überblick verschaffen. Wer hier verkaufen möchte, muss sich offiziell bei der Stiftung bewerben. Skurril: „Viele Gäste kommen zur Touristeninformation direkt an der Krämerbrücke und fragen, wo sich denn nun die Brücke befindet. Durch deren Bebauung merken sie gar nicht, dass sie bereits drüber gelaufen sind.“ Den besten Blick auf das Bauwerk habe man laut Kabisch seitlich des Bauwerks. Eine tolle Aussicht auf das Monument und die Stadt genießt man vom 33 Meter hohen Turm der Ägidienkirche.
Und natürlich feiern die Erfurter besonders 2025 ihre Krämerbrücke mit zahlreichen Veranstaltungen, Konzerten und anderen Events. Den entsprechenden Kalender kann man ebenfalls auf der Webseite einsehen. Zudem gibt es jedes Jahr am dritten Wochenende im Juni das Krämerbrücken-Fest. „Dabei handelt es sich um das größte Altstadt-Fest in ganz Thüringen. Drei Tage lang wird dann gefeiert.“ Die Krämerbrücke ist jederzeit frei zugänglich, ihr Betreten kostenlos. Aber sicher werden auch Sie hier ein ganz besonderes und persönliches Souvenir finden, dass Sie an den Besuch auf Europa längster bewohnter Brücke erinnert.