In Rheinland-Pfalz

Idar-Oberstein – die Edelsteinhauptstadt Deutschlands

Idar-Oberstein
Ein Besuch in Idar-Oberstein lohnt sich nicht nur wegen der Edelsteine, sondern auch wegen der Felsenkirche, die über der Stadt thront
Foto: dpa Picture Alliance

Mit einer Sache kennt man sich in Idar-Oberstein besser aus als in den meisten anderen Städten der Welt: mit Edelsteinen. Überall in dem rheinland-pfälzischen Städtchen, das ungefähr auf halber Strecke zwischen Saarbrücken und Mainz liegt, gibt es Geschäfte, in denen man Schmuck aus Edelsteinen bekommt. Warum das so ist und warum sich ein Besuch in Idar-Oberstein sonst noch lohnt – TRAVELBOOK hat die Antworten.

Hinweis: Aufgrund der Corona-Pandemie sind Reisen auch innerhalb Deutschlands derzeit nur sehr eingeschränkt möglich, Gaststätten und Museen sind geschlossen und Hotels dürfen keine touristischen Übernachtungen anbieten (Stand: 1. November 2020). Bitte informieren Sie sich vor der Planung einer Reise über die jeweiligen Bestimmungen am Zielort.

Idar-Oberstein: natürliche Vorkommen edler Steine

Es ist naheliegend, dass Idar-Oberstein, das aus den Orten Idar und Oberstein und mehreren Dörfern besteht und etwa 40 Kilometer entfernt von Bernkastel-Kues liegt, ein Zentrum der Edelsteinproduktion wurde. Schließlich gibt es in der Region natürliche Vorkommen von Steinen wie Achat und Jaspis, die sich im vulkanischen Gestein gebildet haben. Achatschleifer siedelten sich an und bearbeiteten die Steine, was um 1660 die ersten Goldschmiede anlockte. Der Fluss Nahe hielt die Schleifmühlen in Bewegung.

Besuch in der Edelsteinmine

In der Edelsteinmine Steinkaulenberg und anderen wurden die begehrten Steine abgebaut. Heute ist die Mine für Besucher zugänglich. In einem Stollen sieht man die noch im Fels ruhenden Achate, Amethyste, Bergkristalle, Rauchquarze und Jaspis-Steine, die von Scheinwerfern angestrahlt werden und der Höhle etwas Märchenhaftes verleihen. Bei einer Führung lernt man viel über die Entstehung der Edelsteine. Der Rundgang unter Tage (mit Schutzhelm und sachkundiger Begleitung) ist 400 Meter lang. Wer mag, kann nach der Führung in einem der Schürffelder selbst sein Glück versuchen. Wen interessiert es, dass die Mineralien und Edelsteine Tag für Tag eigens für die Besucher in die Erde gedrückt werden? Spaß macht das Schürfen in jedem Fall.

 

Weiherschleife: der mühsame Alltag der Achatschleifer

Spannend ist auch ein Besuch der Historischen Weiherschleife. 183 Schleifmühlen gab es früher in Idar-Oberstein, die wasserbetriebene Weiherschleife ist eine der letzten, die noch bestehen. Sie wurde mehrfach renoviert und ist heute für Besichtigungen geöffnet. Man kann sehen, wie mühsam die Arbeit der Schleifer war, die die Steine auf dem Bauch liegend in Form brachten. In einem Mineralienshop kann man anschließend schöne Stücke kaufen.

10.000 Exponate im Deutschen Edelsteinmuseum

Unbedingt besuchen sollte man das seit 1859 bestehende Deutsche Edelsteinmuseum. 10.000 Edelsteine sind dort auf drei Etagen wirkungsvoll in Szene gesetzt. Vom Häufchen aus glitzernden Brillanten bis zur riesigen Amethyst-Druse, in der ein Mensch stehen könnte. Es gibt Gefäße, Skarabäen und Siegel aus Stein, man lernt den Weg vom rohen Diamanten bis zum prachtvoll geschliffenen Brillanten kennen und staunt über die Kopien weltberühmter Diamanten. Hinzu kommen kunstvoll gestaltete Edelstein-Ostereier, heilende Edelsteine der Hildegard von Bingen, gravierte Steine und anderes – große Augen sind garantiert.

Edelsteinmuseum Idar-Oberstein

Im Edelsteinmuseum sind wunderschöne Exponate ausgestellt
Foto: dpa Picture Alliance

Ketten und mehr bei Jakob Bengel

Wer mag, besucht auch noch das Industriedenkmal Jakob Bengel, eine historische Ketten- und Bijouteriefabrik. Bei einer Führung kann man die alten Gerätschaften bewundern, die ab 1870 genutzt wurden. Außerdem gibt es eine Ausstellung mit Halsketten, die bei Jakob Bengel hergestellt wurden. Neue Kollektionen kann man ebenfalls sehen und kaufen. Noch mehr Steine gefällig? Es gibt auch noch das Deutsche Mineralienmuseum, in dem man einen der schönsten Kristallsäle Deutschlands bewundern kann. Und einiges mehr.

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Ausflug zur Felsenkirche

Unbedingt ansehen sollte man sich in Idar-Oberstein die wunderschöne Felsenkirche, die tatsächlich in den Fels gebaut wurde. Sie entstand zwischen 1482 und 1484 in einer Felsnische im Ortsteil Oberstein. Sehenswert im Inneren ist der Flügelaltar von 1400, unbezahlbar der Blick von der Aussichtsplattform über die Stadt.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Idar-Oberstein sind die Burgruine Bosselstein und das Schloss Oberstein. Es gibt eine kleine Gaststätte, die dann immer sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Idar-Oberstein

Spektakulärer Anblick: die Felsenkirche über der Altstadt
Foto: Getty Images

Kulinarische Entdeckungen

Ein Spaziergang durch die Stadt mit ihren vielen mittelalterlichen Fachwerkhäusern lohnt sich, und wer schon mal da ist, sollte sich einige der kulinarischen Besonderheiten schmecken lassen. Spießbraten zum Beispiel, „gefillte Klees“ (gefüllte Kartoffelklöße), „Riewe on Draehurjel“ (Rüben mit gebratener Blutwurst) und Dibbelaabes (eine Spezialität aus Kartoffeln, Speck, Mehl und Gewürzen, die im gusseisernen Bräter im Backofen gebraten wird). Aussprechen können das nur die Einheimischen, genießen dagegen alle.

Stimmungvoll: die Edelstein-Erlebniswelt

Anschließend gibt es noch einmal Edelsteine. In der Edelstein-Erlebniswelt werden die wertvollen Stücke mit Licht in Szene gesetzt. Es gibt Grotten, Wasserfälle und Brunnen, einen Salzkristallgang, eine Höhlenlandschaft und eine Sehnsuchtsgrotte.

Tipp: Idar-Oberstein kann man gut im Rahmen eines Urlaubes an der Mosel besuchen.

(Text: Silke Böttcher)

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