19. Mai 2026, 17:22 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Severinsbrücke in Köln ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Metropole am Rhein und gehört fest zu deren Stadtbild. Doch bei ihrem Bau im Jahre 1956 ereignete sich ein tragischer Unfall, bei dem fünf Arbeiter ihr Leben verloren. Soweit die offizielle Version, denn seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, es könne in Wahrheit noch mehr Tote gegeben haben, die noch immer unter einem Brückenpfeiler begraben seien. TRAVELBOOK erzählt die Geschichte des Unglücks, und hat mit der Stadt selbst darüber gesprochen.
Es kann nur gemutmaßt werden, wie viele Autos pro Tag die Severinsbrücke in der Stadt Köln überqueren. Mit einer Länge von fast 691 Metern überspannt sie den Rhein, und ist damit einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in der Stadt. Vier Fahrspuren, dazu zwei Straßenbahngleise und Wege für Fußgänger und Radfahrer. Eine von insgesamt acht Straßen- bzw. Eisenbahnbrücken auf dem Stadtgebiet. Heute erinnern sich wohl nur noch die wenigsten daran, dass sich1956, vor genau 70 Jahren also, beim Bau der Severinsbrücke ein tragischer Unfall ereignete, um den sich bis heute die wildesten Gerüchte und Spekulationen ranken. Damals verloren fünf Arbeiter ihr Leben. Soweit die offizielle Version.
Doch was ist dran an der Behauptung, die auch die Medien immer wieder aufgreifen – und die besagt, dass am 21. September 1956 möglicherweise noch mehr Menschen bei dem Unglück ihr Leben verloren? Und dass diese Toten, nie geborgen, noch heute in einem Pfeiler der Severinsbrücke begraben liegen? Schauen wir uns zunächst einmal die gesicherten Fakten an. An besagtem Tag arbeitet ein Trupp, geschützt durch einen sogenannten Senkkasten (eine Art Tauchglocke), unter Wasser an einem der Brückenpfeiler. Dem Kölner „Express“ zufolge entfernen sie Schaltafeln und Stützen an seinem Fundament. Plötzlich aber senkt sich ihr „Schutzpanzer“ unerwartet ab, wodurch eine Lawine von Wasser und Kies eindringt, und die Männer unter sich begräbt. Sie haben keine Chance.
Größter Feuerwehreinsatz des Jahrzehnts
Die Kölner Feuerwehr ist sofort mit einem Großaufgebot zur Stelle. Die Bergung ist der größte Einsatz des bisherigen Jahrzehnts. Laut Robert Baumanns, Pressesprecher der Stadt Köln, konnten an diesem Tag nur zwei Menschen aus dem unterirdischen Grab geholt werden. Die erste Person war demnach tot. Die zweite verstarb kurze Zeit darauf im Krankenhaus, heißt es auf TRAVELBOOK-Anfrage. Eine dritte Leiche spült der Rhein am 27. September 1956 ans Ufer. Am 28. bzw. 30. September birgt man noch zwei weitere Leichen. In zahlreichen Medienberichten, die man im Netz zu dem Unglück an der Severinsbrücke findet, liest sich der Fall offenbar fälschlicherweise so, als seien alle fünf toten Arbeiter sofort am 21. September geborgen worden.
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Doch schon kurz nach der Tragödie entstanden die ersten Gerüchte. Demnach könnten noch mehr Menschen unter der Severinsbrücke ums Leben gekommen sein. Immer wieder gab es sogar Spekulationen, diese mutmaßlichen Toten befänden sich unter Umständen sogar immer noch in ihrem „Grab“ unter Wasser. Auch der „Kölner Express“ zitiert Menschen, die wiederum von anderen gehört haben wollen, dass damals noch mehr Arbeiter ums Leben kamen. Vertuschte die Stadt Köln am Ende gar die wahren Ausmaße des Unglücks? Handelte es sich bei den Toten mehrheitlich um Gastarbeiter, die zudem womöglich noch schwarz tätig waren? Und warum wurden die Namen der Toten angeblich nie öffentlich genannt?
Bis heute keine Gedenktafel
Baumanns vertritt im Namen der Stadt zu diesen Hypothesen eine klare Haltung. „Die Gerüchte können nach Durchsicht der Unterlagen nicht bestätigt werden. Für die zeitweise bestehende Behauptung, es hätte noch weitere Tote gegeben, deren Leichen nicht geborgen, sondern beim Bau der Severinsbrücke einbetoniert wurden, gibt es keine Anhaltspunkte. An Spekulationen und Gerüchten oder der Frage, warum diese sich hartnäckig halten, beteiligt sich die Stadt Köln nicht.“ Bereits am 24. September 1956 sei der Unfall im Kölner Hauptausschuss thematisiert worden. In einer Ratssitzung am 17. Oktober desselben Jahres habe man zudem der Toten gedacht. „Da die Unfallursache zunächst nicht feststand, wurden Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft eingeleitet.“
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Weiter sagt Baumanns: „Es wurden fünf Tote geborgen, deren Vor- und Nachnamen keinen Anlass zu der Annahme geben, dass es sich um Gastarbeiter gehandelt habe.“ Interessant aber: Bis heute gibt es an der Severinsbrücke keinerlei Hinweise auf die Tragödie, die sich 1956 hier ereignete. Laut Baumanns habe die Bezirksvertretung Innenstadt beschlossen, von der Aufstellung einer Gedenktafel abzusehen. Auch auf der offiziellen Seite der Stadt Köln zur Severinsbrücke findet sich kein Hinweis auf das Unglück. Es steht also zu vermuten, dass sich die Spekulationen um das Unglück weiter hartnäckig halten dürften. Am 21. September 2026 jährt es sich bereits zum 70. Mal.
Akten, die vielleicht mehr Aufschluss über die Sache hätten geben können, gibt es laut „T-Online“ heute wohl nicht mehr. Demnach seien diese laut Auskunft der Kölner Polizei bei einem anderen Unfall verloren gegangen. Am 3. März 2009 nämlich stürzte das Historische Archiv der Stadt ein, wobei zwei Menschen ihr Leben verloren. In einer aufwendigen Aktion konnten zahlreiche Archivalien wieder geborgen werden. Ob jedoch auch solche darunter sind, die mehr Licht in das Unglück an der Severinsbrücke hätten bringen können, ist nicht bekannt.