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Grabkammern, Saunen, Sarkophage

Reise in Kölns faszinierende Unterwelt

In Köln finden Archäologen tief unter der Erde die Überreste der römischen Kultur
In Köln finden Archäologen tief unter der Erde die Überreste der römischen KulturFoto: dpa Picture-Alliance

Vor über 2000 Jahren kamen die Römer nach Köln. Noch heute entdecken Archäologen Gräber, Paläste, Thermen und Kanäle und erforschen die kulturellen Hinterlassenschaften. Denn alles ist noch da – man muss nur wie Indiana Jones in die Tiefen der Geschichte hinabsteigen.

Überirdisch sind vom Köln der Römerzeit – der Colonia Claudia Ara Agrippinensium – nur ein paar Mauerstücke und ein Festungsturm stehen geblieben. Aber bei der Archäologie gilt stets die Regel: Wer in die Tiefe geht, kann viel mehr entdecken. Steigt man etwa in Köln-Weiden eine Treppe sechs Meter unter das heutige Straßenniveau hinab, gelangt man durch geheimnisvolles Dämmerlicht in eine kühle Grabkammer aus dem 2. Jahrhundert.

Ein Blick in die unterirdische Grabkammer aus dem 2. Jh. n. Chr.
Ein Blick in die unterirdische Grabkammer aus dem 2. Jh. n. Chr. Foto: All mauritius images

Drei große Nischen sind wie Ruhebetten ausgearbeitet und mit farbigem Marmor verkleidet. In ihnen stehen Porträtbüsten, die vermutlich die Verstorbenen darstellen. Zum Inventar der Kammer gehörte auch ein hochwertiger Sarkophag und zwei Sessel in Korboptik. Ihr Design unterscheidet sich kaum von heutigen Modellen aus dem Möbelcenter. Nur sind sie nicht aus Rattan natürlich, sondern kunstvoll aus Kalkstein geformt und über 1800 Jahre alt. Hier unten gibt es nichts Modernes, noch nicht mal eine Infotafel. Entsprechend hoch ist der Indiana-Jones-Effekt.

Moderne Technik in alten gemäuern

Tief unter der Erde hat das Köln der Römer überdauert. Zum Beispiel ihr Prätorium, der Statthalterpalast. Er wäre nie gefunden worden, wenn das Zentrum von Köln im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden wäre. Heute kann man das Prätorium unterirdisch umwandern, es ist täglich außer montags geöffnet.

Das Prätorium war der Statthalterpalast der Römer
Das Prätorium war der Statthalterpalast der Römer. Foto: dpa Picture-AllianceFoto: dpa Picture-Alliance

Direkt daneben spazieren die Besucher durch einen antiken Abwasserkanal. Die Römer führten das Frischwasser über eine mehr als 100 Kilometer lange Leitung aus der Eifel an. Das Schmutzwasser entsorgten sie in den Rhein. Der Stand ihrer Technik wurde erst im 19. Jahrhundert wieder erreicht.

Ein antiker Abwasserkanal entlang des Prätoriums
Ein antiker Abwasserkanal entlang des Prätoriums. Foto: Rheinisches Bildarchiv KölnFoto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Ständig kommen in Köln durch Archäologen neue Zeugnisse der römischen Kultur ans Licht. Aber auch jeder andere Kölner, der in der Innenstadt gräbt, kann etwas finden. 1965 stieß ein Südstadt-Bewohner beim Ausschachten seines Kellers auf Steinquader, die sich als haushohes Grabdenkmal entpuppten. Es ist heute eines der beiden Prunkstücke des Römisch-Germanischen Museums. Das andere ist das Dionysos-Mosaik, das 1941 beim Ausheben eines Bunkers im Boden aufschimmerte. Es besteht aus 1,5 Millionen Mosaiksteinen – etwas Schöneres ist auch in Italien schwer zu finden.

Das Dionysos-Mosaik im Römisch-Germanischen Museum
Das Dionysos-Mosaik im Römisch-Germanischen Museum. Foto: Rheinisches Bildarchiv KölnFoto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Baden wie die alten römer

Wer sehen will, wie sich die Römer im Wellnessbad entspannten, muss von Köln einen kleinen Abstecher nach Zülpich machen. Dort sind die gut erhaltenen Römerthermen Teil eines Museums der Badekultur, das die Ausgrabungen anschaulich in Modellen und Filmen erklärt.

Die außen wie innen bunt bemalten Bäder öffneten normalerweise gegen 11 Uhr. Im Umkleideraum legte man zunächst seine Sachen ab und schlüpfte dann nackt in die Badelatschen. Im Schwitz- oder Warmbad – einem angenehm erwärmten Raum – ölte sich der Badegast ein oder ließ sich massieren. Anschließend stieg er im Heißbad in eine mit 40 Grad warmem Wasser gefüllte Wanne, um sich danach im Kaltbad zu erfrischen.

Das Museum der Badekultur in Zülpich
Das Museum der Badekultur in Zülpich. Foto: Christoph DriessenFoto: Christoph Driessen

Haarausreißer, Mediziner und Köche kümmerten sich um die Gäste. In Gemeinschaftslatrinen ohne Trennwände saß man zusammen auf der Toilette und redete über Götter und die Welt. Im Keller hielten Sklaven ständig ein Feuer in Gang, dessen Wärme durch Hohlräume in die Fußböden und Wände geleitet wurde. Als die Wälder im Umland abgeholzt waren, wurden über den Rhein Tannenstämme aus dem Schwarzwald angeführt. Das war Ressourcenverschwendung im großen Stil – aber was kümmerte es die Römer? Hauptsache, sie hatten es warm.

Zur Besichtigung des Römergrabes muss man einen Termin ausmachen. Zuständig sind Thomas Metz und Sabine Abraham von der Bezirksregierung Köln (Tel.: 02234 73399). Führungen gibt es ab sieben Personen werktags zwischen 8 und 16 Uhr. Der Eintritt kostet 50 Cent.

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