30. Oktober 2026, 15:50 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Unser Autor besuchte kürzlich zum dritten Mal die ungarische Hauptstadt Budapest und erlebte dabei trotzdem eine tolle Premiere. Bei seinem jüngsten Aufenthalt war er nämlich mit Einheimischen unterwegs, die ihm die beliebte osteuropäische Metropole noch einmal von einer ganz anderen, unbekannten Seite zeigten. Hier verrät er, wo Sie den besten Kaffee trinken, von wo aus man die besten (nicht überlaufenen) Ausblicke auf die City hat, und natürlich, wo es den leckersten Lángos gibt.
Als ich kürzlich zum dritten Mal in die umwerfend schöne ungarische Hauptstadt Budapest reiste, hatte ich eine Einladung von ein paar dort wohnenden Bekannten. Und so erlebte ich die pulsierende City aus ganz anderen, für mich gefühlt authentischeren Blickwinkeln. Gerne nehme ich Sie heute mit auf einen Spaziergang durch Budapest.
Unsere Reise beginnt natürlich doch an einem absoluten Touri-Hotspot, und zwar der Straße Wesselényi Utca mitten im ultrahippen Jüdischen Viertel. Der Bus 100E, der Gäste vom Flughafen in die Innenstadt bringt, hält unter anderem dort, an der nahen Haltestelle Astoria. Und schon ist man mitten drin im Leben und wundert sich darüber, wie hoch die Nachfrage der Budapest-Besucher nach Gyros Pita, Cafés und Vintage-Shops zu sein scheint. Gefühlt sieht man keine andere Art von Laden bei einem Spaziergang, die Heilige Dreifaltigkeit der Touristen-Bibel sozusagen. Ein guter Ort aber, um sich auf klassische Weise zu stärken, ist das unscheinbare, aber sehr schicke Restaurant „Getto Gulyas“. Der ungewöhnliche Name rührt daher, dass man sich tatsächlich an einem geschichtsträchtigen Ort befindet. Die Wesselényi Utca war auch das Herz des Jüdischen Ghettos in der Zeit des nationalsozialistischen Terrors unter Hitler.
Gulasch und Kaffee
Wie dem auch sei, das „Getto Gulyas“ serviert das namensgebende Gericht in zahlreichen auch vegetarischen Varianten. Wer draußen Platz nimmt, kann das Leben auf der Straße verfolgen, während er sein Essen genießt. Gleich gegenüber befindet sich das deutlich hippere Schwester-Restaurant „Sisters“ mit quasi derselben Speisekarte. Nur eine Straßenecke weiter liegt das absolute Touristen-Epizentrum von Budapest, das einfach unglaubliche „Szimpla Kert“ in der Kazinczy Utca. Es erinnert mich immer wieder sehr an das legendäre Berliner Künstlerhaus „Tacheles“, und man muss es einfach gesehen haben. Im Inneren des gewaltigen Komplexes befinden sich in labyrinthartigen Gängen zahllose Bars und versteckte Räume. Man kann sich hier definitiv verlaufen, vor allem, weil man aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt. Nachts verwandelt sich der Ort in eine Diskothek.
Meine Bekannten empfanden es wohl als so etwas wie ihre Pflicht, mir auch diese Orte zu zeigen, bevor wir dann zu neuen, unbekannteren Ufern aufbrachen. Dafür brauchten wir aber Energie, und wo könnte man die in Budapest besser auftanken als in einem der unzähligen Cafés? Hier ist wirklich für jeden von klassisch über modern bis absolut opulent etwas dabei. Deshalb hier nur eine kleine Auswahl. Mein Tipp schon vorab: Suchen Sie nach Etablissements, die ihren Kaffee auch selbst rösten, denn hier versteht man meist besonders viel von dem Thema. Zudem gibt es die Chance, ungewöhnliche Bohnen zu probieren.
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Koffein-Überdosis
Mein erster Tipp wäre hier das „Bagira“, wo man in schickem Ambiente und zu loungigen Klängen erstklassiges Gebräu serviert bekommt. Das Personal lässt einen die Röstungen, für die man sich interessiert, auch kostenlos probieren. Ein paar ausgewählte Snacks runden das Angebot ab. Nur wenige Schritte weiter befindet sich die Café-Bäckerei „Arán“. Hier gibt es neben dem starken Gebräu auch leckere Sauerteig-Spezialitäten. Eher aber ein Ort für ein To-Go, und schon ist man dann auch am nächsten Spot, dem „Horizont“. Hierbei handelt es sich um die umgebaute Lobby eines alten Studio-Kinos. Neben ausgezeichnetem Kaffee gibt es hier auch sehr leckeres Frühstück. Meine „Eggs Benedict“ versetzten mich auf jeden Fall in diesen trance-artigen Glückszustand des Unterwegs-Seins und Entdeckens.
Gleich gegenüber dann, und das zweifellos berühmteste seiner Art in Budapest, ist das einfach unfassbar bombastische „New York Café“. Stellen Sie sich vor, Sie würden Kaffee in der Sixtinischen Kapelle trinken. Ein klassisches altes Haus aus der Österreichisch-Ungarischen Kaiserzeit mit Stuck und Deckengemälden. Als wir kurz für ein Beweis-Foto reinschauten, spielte gerade ein livrierter Geiger für die Gäste auf. Ein sehr guter Tipp für eine leckere Bohne ist das kleine „’Ohana“, und auch das nüchtern eingerichtete „Architekten“ sowie das schicke „VAJ“ kann man mal ausprobieren. Ja, ich habe in Budapest in wenigen Tagen sehr viel Kaffee getrunken. So etwa vier am Tag. Ihre persönliche Dosis und Ihr Lieblingscafé finden Sie natürlich selbst.
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Stöbern in den Markthallen
Wer jetzt hungrig ist, kann eine der zahlreichen Markthallen ansteuern, in der Einheimische das Frischeste und Leckerste aus ganz Ungarn verkaufen. Die beliebteste ist zweifellos die dreistöckige „Große Markthalle“ (Nagy Vásárcsarnok), in der Feinschmecker locker ein paar Stunden verbringen. Besonders glücklich machte mich hier ein wahrer Schatz, der rohe Schinken des ungarischen Mangalica-Schweins. Der Schinken ist für seinen hohen Fettgehalt bekannt und übertrifft im Geschmack für mich sogar Pata Negra aus Spanien und San Daniele aus Italien. Ein bisschen stöbern lohnt sich hier, denn zum Teil variieren die Preise für das gleiche Produkt bei unterschiedlichen Ständen erheblich.
Wer es wie ich etwas ruhiger und lokaler mag, wird aber garantiert auch in der „Rákóczi-Markthalle“ (Rákóczi téri Vásárcsarnok) fündig. An Prunk steht sie ihrem großen Bruder in nichts nach, und hier findet man meiner Meinung nach auch den besten Lángos in ganz Budapest. Der frittierte und nach Wunsch belegte Teigfladen gehört zu einem Besuch der Metropole einfach dazu. Hervorragend schmeckt er auch in dem schicken Food Court „Karaván“, der sich wiederum im Jüdischen Viertel befindet. Wer lieber abseits der Märkte und in etwas mehr Ruhe speisen möchte, kann das skurrile Restaurant „Nagyi Kifözdeje“ besuchen. Es wirkt, als wäre man zufällig in das Wohnzimmer einer liebenswürdigen Großmutter hineingestolpert, und serviert tolle Gulasch-Suppe und Pilzgerichte. Hier werden Sie unter Garantie der einzige Tourist sein.
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Die schönsten Ausblicke in Budapest
Ganz in der Nähe findet man dann auch gleich zwei der überwältigendsten Aussichtspunkte auf Budapest. Zum einen ist das der Blick von der Margaretenbrücke. Von hier aus staunt man auf die Donau, das weltberühmte Parlamentsgebäude, den Burgpalast und viele weitere Sehenswürdigkeiten. Einen kurzen, aber knackigen Aufstieg entfernt liegt dann das Grab von Gül Baba, einem osmanischen Dichter, der der Legende nach die Rose nach Ungarn brachte. Auch von hier hat man eine sensationelle Rundum-Sicht auf die Stadt. Vor allem bei Dunkelheit toll. Wer zu seiner Aussicht noch einen Drink möchte, kann im Stadtzentrum die „360 Bar“ ansteuern, die auf dem Dach eines Gebäudes liegt. Bei meinem Besuch völlig verwaist, sitzt man hier in der kalten Jahreszeit in lustig aussehenden Plastik-Iglus, geschützt vor Wind und Wetter.
Letztlich lohnt sich ein Besuch des Városliget-Parks gleich aus verschiedenen Gründen. Nicht nur lässt es sich hier besonders schön flanieren, gleich mehrere Sehenswürdigkeiten liegen zudem fußläufig in der Nähe. Da wäre zum einen das Ethnographische Museum, das von außen aussieht wie eine riesige Skateboard-Rampe. Dessen toll begrünten Dachgarten kann man bei einem kurzen Spaziergang erkunden und hat ganz oben gleich wieder einen tollen Ausblick auf Budapest. Sehenswert ist auch das architektonisch ebenso erstaunliche Haus der Musik. Neben vier Ausstellungsräumen und einer Bibliothek (sowie natürlich einem Café) befindet sich hier Europas einziger voll verglaster Konzertsaal mit einer einzigartigen Akustik.
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So reisen auch Sie wie ein Einheimischer
Unweit des Parks befindet sich auch die Széchenyi-Therme, das größte Heilbad seiner Art auf dem europäischen Kontinent. Der Besuch ist aus meiner Sicht sehr teuer, aber quasi Pflicht. Wer in den Becken im Außenbereich im bis zu 38 Grad warmen Wasser liegt, kommt sich vor, als würde er direkt vor der Kulisse von Schloss Versailles baden. Das Wasser der über 20 Becken ist besonders mineralhaltig und kommt aus einer Tiefe von mehr als 1200 Metern. Einheimischen-Tipp: Die Therme ist in den Morgenstunden und vor allem abends sehr viel weniger voll, weswegen ein Besuch hier dann umso entspannender ist. Budapest ist aber an sich berühmt für seine Bäder-Kultur, Alternativen gibt es also reichlich.
Zu guter Letzt noch ein Tipp: Wenn auch Sie einmal reisen möchten wie ein Einheimischer, aber in einer Stadt niemanden kennen, können Sie die tolle App „Spotted by Locals“ nutzen. Hier schreiben genau diese Locals authentisch über ihre ganz persönlichen Lieblings-Orte, und das für aktuell 86 Städte auf der ganzen Welt, Tendenz steigend. Ich selbst bin seit 2014 hier aktives Mitglied, und der Austausch und die Begeisterung in der Community erstaunen mich immer noch. Ich habe Freunde darüber gefunden und diese auch schon in Portugal, Italien, Dänemark und jetzt eben Budapest besucht.