Tipps für die österreichische Hauptstadt

Einheimische verrät, wie man Wien wie ein Wiener erlebt

Wien gehört zu den schönsten Städten in Europa
Wien gehört zu den schönsten Städten in Europa – wer das erste Mal hier ist, sollte einige Tipps beherzigen und manche Dinge lieber sein lassen
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Wien ist eine Stadt, die mehr als nur die klassischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Schönbrunn oder die Hofburg zu bieten hat. Hier verrät eine Einheimische, was unbedingt aufs Programm gehört – und, was man bei einem kurzen oder gar längeren Besuch besser vermeiden sollte.

Wien, die Heimat von Mozart, der Sachertorte, des Schnitzels und mir. Ich bin in der lebenswertesten Stadt der Welt aufgewachsen und habe die Nase voll von den klassischen Touristenattraktionen wie Schloss Schönbrunn oder dem Riesenrad. Wien hat so viel mehr zu bieten.
Ein Spritzer beim Heurigen, tanzen im Flex und ein Abend auf der Bellevuewiese – das würde ich Besuchern empfehlen, wenn sie meine Heimatstadt wirklich kennenlernen wollen. Deshalb gibt es hier meine Geheimtipps, um Wien zu erleben, wie ein echter Wiener!

1. Naschmarkt

Gemüse, Nüsse, getrocknete Früchte, Hummus, Kebab – am Naschmarkt gibts alles
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Wer auf dem Naschmarkt steht, vergisst schon mal, dass er sich in der österreichischen Hauptstadt befindet. Die Händler, die alles von Nüssen über Gemüse und Fleisch anbieten rufen wie auf dem Bazaar, um ihre Waren anzupreisen. Mit den Probierhäppchen kann man sich den Magen schon mal gratis vollschlagen.

Wer nach den Leckereien der Händler noch nicht satt ist, kann sich am Rande des Marktes in eines der Restaurants setzen. Eine Institution ist das Neni. Das orientalische Restaurant hat es sogar schon nach Berlin, an den Tiergarten geschafft. Angefangen aber hat die Restaurantkette hier am Naschmarkt. Das Warten auf einen Tisch, mit dem man leider rechnen muss, lohnt sich.

2. Bellevuewiese

Eine Freundesgruppe sitzt im Gras und sieht sich den Ausblick an

Von der Bellevuewiese kann man sogar den Prater sehen
Foto: Sonja Koller

Ein Aussichtspunkt, bei dem man nur Einheimische trifft. Die Bellevuewiese, deren Namen die Überraschung der grandiosen Aussicht vorwegnimmt, bietet einen Blick über die ganze Stadt. Besonders zum Sonnenuntergang picknicken hier zahlreiche Pärchen und Freundesgruppen.

Die Aussicht muss sich aber verdient werden, denn für den Weg hinauf sollte man genug Zeit und Puste mitbringen. Retter für den Wienbesuch ist übrigens die App scotty, die alle Verbindungen und Abfahrtszeiten vom jeweiligen Standort aus anzeigt.

3. Heuriger in Neustift am Walde

Einige Gäste in einem Gastgarten

In einem typisch Wiener Heurigen verweilt man oft stundenlang
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Wien hat man nicht richtig erlebt, wenn man nicht beim Heurigen war. Backhendl und Spritzer zwischen Weinreben trinken gehört zur Wiener Kultur wie das Wiener Schnitzel. Im Stadtteil Neustift am Walde ist die Auswahl an Buschenschanken groß: Heuriger Wolff, Fuhrgassl-Huber und das Schreiberhaus gehören zu den Klassikern. Wo genau man isst, ist aber egal – Hauptsache man bleibt lange und probiert sich durch die Spritzer-Karte. Was genau einen Heurigen von einem gewöhnlichen Restaurant unterscheidet, finden Sie am Ambiente heraus.

4. Franziskanerplatz

Ein Café, vor dem einige Menschen sitzen

Das kleine Café ist oft voll – zurecht
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Mehr Wien geht eigentlich nicht. Mitten in der Innenstadt liegt der kleine Franziskanerplatz. Schon der Weg dorthin, durch die engen Gässchen der Innenstadt, lassen einen zur Ruhe kommen. Obwohl man Mitten im Stadtkern Wiens ist, ist es hier oft sehr still und verträumt.

Der Franziskanerplatz bekam seinen Namen übrigens von dem Franziskanerkloster, dass seit 1701 hier liegt. Und dann: Kamera zücken und das „Kleine Café“ am Platz fotografieren. Wie der Name suggeriert sind hier aber nur wenige Plätze frei – im Sommer aber kann man direkt auf dem Platz Café trinken.

5. Der Dachboden

Die Terrasse einer Bar

Die Aussicht bleibt eine Überraschung
Foto: 25 Hours Hotel

Den besten Blick der Stadt gibt’s vom Rooftop des 25 Hours Hotel. Die Bar ist quasi immer rappelvoll, und das zu einem großen Teil mit Wienern, die die Terrasse des Hotels für sich entdeckt haben. Wohnzimmeratmosphäre, Cocktails und der Blick über die Innenstadt überzeugen. Zum Dachboden gelangt man über den Aufzug in der Hotellobby in der Lerchenfelderstraße 1-3, im 7. Bezirk.

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6. Servitenviertel

Ein kleines Kloster in der Stadt

Das Servitenkloster in Wien wurde 1639 gegründet
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Obwohl die Gegend quasi direkt neben den großen Attraktionen und dem Ring liegt, fühlt man sich im Servitenviertel wie in einem österreichischen Dorf. Das Viertel liegt im 9. Bezirk und wird von Wienern „Klein-Paris“ oder das schönste Grezl der Stadt genannt. Der Mittelpunkt des Viertels zwischen Währinger Straße, Schottenring und Rossauer Lände ist der kleine Platz vor der Servitenkirche. Ein Lokal reiht sich an das nächste, im Sommer sitzt man gerne vor den Bistros Backsteinpflaster.

7. Alte Donau

Eine Wasserfläche mit Hochhäusern im Hintergrund

Im Sommer kann es an den Badestellen der alten Donau schon mal voll werden
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Entlang der alten Donau gibt es unzählige öffentlich zugängliche Badeplätze. Wer lieber ins Schwimmbad geht, steht die Auswahl zwischen Angelibad, dem Strandbad Alte Donau und dem kultigen Gänsehäufel frei.

Die Alte Donau kann man aber auch auf dem Wasser erkunden. Ruder-, Elektro-, und Tretbootverleihe gibt es genug, die Marina Hofbauer ist Kult.
Besonders schön ist es an der alten Donau, wenn die Sonne am Ende des Tages im Wasser versinkt. Wer den Sonnenuntergang mit einem Abendessen kombinieren will, dem sind „La Crêperie“ und „Das Bootshaus“ zu empfehlen.

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8. Donaukanal

Die Strandbar Herrmann ist eine der Bars am Donaukanal, die Strandfeeling bringen
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Die jungen Wiener findet man ab 17 Uhr am Donaukanal. Dort sitzen Sie am Ufer des Donauarms vor graffitibesprühten Wänden mit einem Drink in der Hand, den sie von einer der vielen „Strandbars“ gekauft haben, die sich dort befinden. Immer wieder kommen Schiffe vorbei, die Anlegestelle des Twin City Liners, der zwischen Wien und Bratislava fährt, befindet sich ganz in der Nähe.

Einigen Bars wie der Strandbar Herman, dem Motto am Fluss und dem Tel-Aviv Beach muss einfach ein Besuch abgestattet werden. Nachts wird die Altersspanne des Publikums größer und die Schlange vor dem Nachtclub „FLEX“ länger. Ein kleines Stück Berlin in Wien, mitsamt abgefucktem Ambiente und Techno Musik.

9. Burggasse/Neubaugasse

Eine Straße im siebten Wiener Gemeindebezirk

Wien kann auch jung, hip und kreativ sein – vor allem im siebten Bezirk.

Das Trendviertel im siebten Bezirk überzeugt mit originellen Shops und Restaurants. Nachhaltig, fair, vegan – die Gegend um Burggasse, Neubaugasse und St. Ulrich Platz ist das Tor zur Hipster-Welt Wiens. Wer einen Kaffee trinken will, und das sollte man bei einem Besuch in Wien immer, kann im Vintage Café und Concept Store Burggasse 24 einkehren.

10. Das Loft

Eine Rooftopbar

Das Sofitel Hotel beeindruckt außerdem mit seiner Deckenbemalung.
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Eine Aussicht, für die sich die gehobenen Cocktailpreise lohnen. Im „Das Loft“ wurden schon so manche Jahrestage und Beförderungen gefeiert. Denn die Bar im 18. Stock des Hotels SO/ Vienna hat es in sich. Die verglasten Fenster bieten einen Panoramablick über die ganze Stadt, der zu jeder Tages- und Nachtzeit sehenswert ist.

Achtung: Fallstricke in Wien!

So, jetzt wissen Sie, was Sie in Wien anschauen sollten, wenn es nach Sicht der Einheimischen geht. Aber wissen Sie auch, wie Sie als Tourist als echter Wiener durchgehen? Es gibt nämlich einige Fallstricke, wenn man als Deutscher in der österreichischen Hauptstadt nicht auffallen möchte.

Hier sind deswegen noch 5 Dinge, die man in Wien auf keinen Fall machen sollte.

1. Brötchen bestellen oder Tüte sagen

Natürlich weiß der Wiener, was ein Brötchen ist. Was eine Tüte ist, weiß er übrigens auch, in dem Fall wird er allerdings nicht nachfragen, aber mitunter nachäffen. Das Brötchen heißt in Österreich nämlich Weckerl, und die Tüte: Sackerl.  Das „-erl“ ist in dem Fall einfach nur die Verkleinerungsform – das Pendant zum deutschen „chen“.

2. Im g’standenen Wiener Kaffeehaus einfach n’ Kaffee bestellen 

Der echte Wiener bestellt nicht einfach einen Kaffee. Die Melange, der Verlängerte, der kleine und der große Braune zeichnen Wien aus. Und selbst wenn es einfach nur Kaffee gäbe, sollte man ihn auf gar keinen Fall bestellen. Dafür schmeckt die Wiener Melange viel zu besonders.

3. Beim Essen sparen

Die österreichische Küche ist ganz schön authentisch und der Wiener ein Genussmensch. Ein Grund, wieso beim Essen nicht gespart wird. Und das sollten auch Wien-Touristen nicht tun. ´

Hier die wichtigsten Speisen, die man in Wien auf keinen Fall auslassen darf – und
am besten wortwörtlich so bestellen sollte:

  • G’röstete Knödel mit Ei
  • Wiener Frankfurter mit Senf und Kren (auf keinen Fall mit Ketchup); besonders gut in allen Kaffeehäusern & am Würstelstand
  • Gulaschsuppe, gerne extra scharf
  • Apfelstrudel mit Vanillesauce, richtig heiß serviert
  • Ein gut gemeintes Stück Sachertorte
  • Wiener Schnitzel mit Preiselbeeren & Erdäpfelsalat mit Kürbiskernöl
  • Schinkenfleckerl, eine große Portion
  • Schweinsbraten im Saft mit Semmelknödel

4. Dinge allzu persönlich nehmen

Wiener gelten zuweilen als etwas raunzig und grantig, aber das ist auch einer der Gründe dafür, dass man hier nur selten etwas persönlich nimmt. Das gscherte Reden und Schimpfen gehört in Wien einfach zur Sprache. Wer also bei seinem Besuch in der Stadt auf die charmante Wiener Unfreundlichkeit trifft, sollte sie ganz wie ein Wiener nehmen: eben nicht persönlich.

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5.  Menschen in der U-Bahn anlächeln

Hier sind wir wieder bei der bekannten Wiener Mentalität. Charmant ist der Wiener ja, sehr charmant sogar. Unfreundlich aber eben auch. Wenn man also in der U-Bahn ist und jemanden absichtlich anlächelt, muss man damit rechnen, dass das schnell unangenehm wird.  Man bekommt einen schnellen, sehr irritierten Blick zurück, nicht selten auch einen bösen. Einfach weil der Wiener sehr introvertiert, gehemmt und vor allem skeptisch gegenüber seiner Außenwelt ist.