Projekt Mose

Hochwasser in Venedig – weil das neue Schutzsystem versagt hat

Venedig Hochwasser Schutzsystem Mose
Wieder steht Venedig unter Wasser – das Hochwassersystem Mose half nicht
Foto: Getty Images

Venedig steht wieder unter Wasser. Die Stadt wurde von einem schweren Unwetter überrascht, das neue Hochwasserschutzsystem namens Mose hielt die Wassermassen nicht von der Stadt fern. Wie es dazu kam und was hinter dem Flutschutz steckt.

Schwere Unwetter mit Starkregen haben in Venedig für heftige Überschwemmungen gesorgt, das Hochwasser auf dem weltberühmten Markusplatz stieg auf 1,37 Meter über dem Meeresspiegel und drang sogar in den Markusdom ein. Eigentlich soll eine neue Hochwasserschutzanlage solche Überschwemmungen verhindern. Doch der Schutzwall braucht einen Vorlauf von 48 Stunden, der in diesem Fall nicht gegeben war, da das Unwetter stärker als erwartet ausfiel.

So funktioniert Venedigs umstrittener Schutzwall

Der Flutschutz Mose (kurz für: „modulo sperimentale elettromeccanico“; zu Deutsch: „elektromechanisches Versuchsmodul”) war erst vor zwei Monaten in Betrieb genommen worden. Er besteht aus insgesamt 78 beweglichen, gelben Stahl-Barrieren, die an den drei Zugängen zur Lagune errichtet wurden. Jeder Kasten ist rund 250 Tonnen schwer, 20 Meter breit, 30 Meter hoch und bis zu fünf Meter tief. Hunderte Mitarbeiter waren am Aufbau beteiligt. Die Barrieren liegen normalerweise mit Wasser gefüllt am Meeresboden. Werden sie in Betrieb genommen, wird das Wasser mittels Pressluft herausbefördert. Ein Kasten nach dem anderen richtet sich dann auf, so dass sie gemeinsam eine Barriere bilden. Das dauert bis zu einer Stunde und soll in Zukunft die Hilfe von 18 Mitarbeitern benötigen.

Venedig Mose

Das neue Hochwasser-Schutzsystem Mose in Venedig wurde am 3. Oktober 2020 erstmals bei einer Gefahrenlage in Betrieb genommen
Foto: Getty Images

 

Der Bau der Schutzanlage begann bereits 2003 und sollte bis 2011 vollendet sein. Die geplanten Kosten: rund 1,8 Milliarden Euro. In Betrieb genommen wurde die Anlage erst jetzt. Tatsächliche Kosten: rund sechs Milliarden Euro. Wegen zahlreicher Verzögerungen, Korruptionsskandalen und viel höheren Kosten als geplant, geriet das Bauprojekt in Verruf. Umweltschützer sehen Mose außerdem kritisch, da sie befürchten, dass es das fragile Ökosystem der venezianischen Lagune stören könnte. Hochwassergefahr in Venedig

 

Besonders im Herbst und Winter besteht für das beliebte Touristenziel in Italien Hochwassergefahr. Im November 2019 kam es zu den schlimmsten Überschwemmungen in der Stadt seit mehr als 50 Jahren. Damals wurde der Notstand ausgerufen. Die Stadt erlitt schwere Schäden (TRAVELBOOK berichtete). Wie hoch die Schäden beim aktuellen Hochwasser sind, bleibt erst noch abzuwarten.