Projekt Mose

Venedig setzt zum ersten Mal Hochwasser-Schutzsystem ein – mit Erfolg!

Markusplatz Venedig
Der Markusplatz in Venedig am 3. Oktober 2020 – ohne Mose hätte er unter Wasser gestanden, stattdessen gab es nur Regenpfützen
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Venedig hat zum ersten Mal seinen neuen Hochwasserschutz bei tatsächlicher Gefahrenlage getestet – mit Erfolg. Die Anlage namens Mose hielt die erwarteten Wassermassen von der Stadt fern. Trotzdem ist der neue Flutschutz umstritten.

130 Zentimeter Wasser wurden erwartet. Zum ersten Mal wurde deshalb das neue Schutzsystem „Mose” bei voller Belastung getestet. Und das mit Erfolg. Die Wassermassen blieben größtenteils der Stadt fern, von Überschwemmungen an ikonischen Orten wie dem Markusplatz keine Spur. Hier gab es lediglich Pfützen vom Starkregen. Der Pegelstand innerhalb des Schutzwalls lag bei 70 bis 75 Zentimetern, jenseits der Sperrvorrichtung waren es 125 Zentimeter.

So funktioniert Venedigs umstrittener Schutzwall

Der Flutschutz Mose (kurz für: „modulo sperimentale elettromeccanico“; zu Deutsch: „elektromechanisches Versuchsmodul”) besteht aus insgesamt 78 beweglichen, gelben Stahl-Barrieren, die an den drei Zugängen zur Lagune errichtet wurden. Jeder Kasten ist rund 250 Tonnen schwer, 20 Meter breit, 30 Meter hoch und bis zu fünf Meter tief. Hunderte Mitarbeiter waren am Aufbau beteiligt. Die Barrieren liegen normalerweise mit Wasser gefüllt am Meeresboden. Werden sie in Betrieb genommen, wird das Wasser mittels Pressluft herausbefördert. Ein Kasten nach dem anderen richtet sich dann auf, so dass sie gemeinsam eine Barriere bilden. Das dauert bis zu einer Stunde und soll in Zukunft die Hilfe von 18 Mitarbeitern benötigen.

Venedig Mose

Das neue Hochwasser-Schutzsystem Mose in Venedig wurde am 3. Oktober 2020 erstmals bei einer Gefahrenlage in Betrieb genommen
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Der Bau der Schutzanlage begann bereits 2003 und sollte bis 2011 vollendet sein. Die geplanten Kosten: rund 1,8 Milliarden Euro. In Betrieb genommen wurde die Anlage erst jetzt. Tatsächliche Kosten: rund sechs Milliarden Euro. Wegen zahlreicher Verzögerungen, Korruptionsskandalen und viel höheren Kosten als geplant, geriet das Bauprojekt in Verruf. Umweltschützer sehen Mose außerdem kritisch, da sie befürchten, dass es das fragile Ökosystem der venezianischen Lagune stören könnte. Hochwassergefahr in Venedig

 

Besonders im Herbst und Winter besteht für das beliebte Touristenziel in Italien Hochwassergefahr. Im November 2019 kam es zu den schlimmsten Überschwemmungen in der Stadt seit mehr als 50 Jahren. Damals wurde der Notstand ausgerufen. Die Stadt erlitt schwere Schäden (TRAVELBOOK berichtete).