20. September 2025, 14:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein Wochenende in Rom, ein Kurztrip nach London oder ein Abstecher nach Barcelona – mit unzähligen Sehenswürdigkeiten, die auf der Wunschliste stehen. Doch wie lässt sich das Maximum aus wenigen Tagen herausholen, ohne das Reisebudget zu sprengen? City-Pässe versprechen Rabatte, Zeitersparnis und unkomplizierten Zugang zu Attraktionen. Doch lohnt sich der Kauf tatsächlich? TRAVELBOOK klärt auf.
In vielen Metropolen ist das Angebot an City-Pässen groß – und längst nicht auf die offiziellen Tourismuskarten beschränkt. Neben Angeboten städtischer Tourismusorganisationen konkurrieren auch private Anbieter wie Turbopass oder Go City mit Paketen, die Eintritt zu bestimmten Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten bündeln. Doch nicht jeder Pass rechnet sich – und nicht jeder enthält dieselben Leistungen.
Öffentlicher Nahverkehr: Nur ein Vorteil, wenn er auch genutzt wird
Ein zentrales Verkaufsargument vieler offizieller City-Cards ist die kostenlose Nutzung von Bus und Bahn. Doch dieser Vorteil lohnt sich nur, wenn man ihn auch regelmäßig nutzt. „Das macht einen signifikanten Anteil von deren Preis aus – wenn ich sie kaufe, sollte ich also Bus und Bahn schon regelmäßig nutzen“, sagt Patrick Kühne, Betreiber des Portals „Citypassvergleich.de“, der zahlreiche Angebote analysiert.
Ein Beispiel ist die Berlin Welcome Card, die als offizielles Touristenticket vermarktet wird. Für 48 Stunden kostet sie 26,90 Euro und gilt im Stadtgebiet. Bis zu drei Kinder bis 14 Jahre fahren bei einem Erwachsenen kostenlos mit. Dazu kommen Rabatte, etwa 25 Prozent auf ein Ticket für den Berliner Fernsehturm, das regulär 25,50 Euro kostet – mit Rabatt also 19,13 Euro. Bereits diese Ermäßigung kann sich lohnen, denn zwei Tagestickets kosten 21,20 Euro, für Kinder ab sieben Jahren kämen weitere Kosten hinzu. Gerade für Familien, die mehrmals täglich unterwegs sind, rechnet sich der Pass schnell.
Erst planen, dann kaufen
Nicht jeder City-Pass enthält Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr. Umso wichtiger ist es, den eigenen Reiseplan mit den angebotenen Leistungen abzugleichen. Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät: Erst überlegen, welche Attraktionen man wirklich besuchen möchte, dann die verfügbaren City-Pässe mit dem Plan vergleichen. Die Faustregel: Nur wenn die Ersparnis größer ist als der Preis des Passes, lohnt sich der Kauf.
Wer zum Beispiel zwei Tage in London verbringt und gezielt den Tower, das London Eye, Madame Tussauds und eine Stadtrundfahrt erleben möchte, kann auf dieser Basis prüfen, welcher Pass passt. „Einen City-Pass kaufen und dann sehen, was es vor Ort alles gibt, das würde ich nicht machen“, sagt Buttler. Denn nicht selten sind die eigenen Wunschziele gar nicht enthalten – oder die Rabatte fallen gering aus. In London sind zudem viele Museen ohnehin kostenlos. Kühne betont: „Will ich hingegen London Eye, Tower und anderes besuchen, kann sich das lohnen.“ Auch Ermäßigungen für Kinder, Jugendliche oder Studierende sollte man im Blick behalten – diese gibt es oft unabhängig vom Pass und machen ihn in manchen Fällen sogar überflüssig.
Bequem, aber nicht immer günstig
Neben möglichen Einsparungen bieten City-Pässe vor allem eines: Bequemlichkeit. Statt einzelne Tickets auf verschiedenen Plattformen zu buchen, sind die Leistungen gebündelt – oft digital via App. „Das ist ein großer Vorteil, dass du alles an einem Ort hast“, sagt Kühne.
In Rom etwa bietet Go City den „Rom Explorer Pass“ mit vier frei wählbaren Attraktionen für 134 Euro an – darunter Klassiker wie Kolosseum und Vatikanische Museen, aber auch Weinverkostung oder Opernbesuch. Kühnes Einschätzung: „Es ist auf jeden Fall teurer, als würdest du rechtzeitig selbst anfangen, auf den offiziellen Websites Tickets zu kaufen.“ Im Vergleich zu London oder New York lohne sich der Pass in Rom finanziell nicht – punkte aber mit der einfachen Handhabe.
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Zeitfenster: Ohne Reservierung geht oft nichts
Ein oft übersehener Aspekt: Viele beliebte Sehenswürdigkeiten arbeiten mit Zeitfenstern zur Besuchssteuerung – etwa das Kolosseum in Rom, die Sagrada Família in Barcelona oder das Schloss Versailles bei Paris. „Wenn du deinen City-Pass einen Tag vorher erst kaufst, kann es sein, dass es dann für den Wunschtermin keine mehr gibt“, warnt Kühne. Idealerweise lassen sich Zeitfenster direkt beim Kauf des Passes mitbuchen. Falls nicht, ist Vorsicht geboten: Manche Attraktionen verlangen, das Zeitfenster separat auf der offiziellen Seite zu reservieren – und dafür einen Code aus dem Pass einzugeben.
Buttlers Empfehlung: Erst auf der offiziellen Website prüfen, ob gewünschte Zeitfenster noch verfügbar sind – und erst dann den Pass kaufen. Denn: „Eine Rückerstattung des Geldes, weil am Wunschtag in einer der enthaltenen Attraktionen alles ausgebucht ist, kann in den Geschäftsbedingungen ausgeschlossen sein.“
Auf die richtige Gültigkeit achten
Viele Pässe gelten ab der ersten Nutzung für eine bestimmte Dauer, meist ein bis sieben Tage. Doch nicht jede Laufzeit ist sinnvoll. „Der optimale Bereich liegt bei drei bis vier Tagen Gültigkeit“, sagt Kühne. Bei einem Tag Laufzeit sei der Pass meistens so teuer, dass man wirklich viele Sachen machen müsse, damit er sich lohne. Bei längeren Laufzeiten bestehe eher das Risiko, dass einem die lohnenden Aktivitäten ausgehen.
Ein City-Pass kann sich also lohnen – muss es aber nicht. Wer frühzeitig plant, Angebote vergleicht und ehrlich einschätzt, was er wirklich sehen will, kann sparen. Wer ohne Plan kauft, zahlt im Zweifel mehr.
Mit Material von dpa