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Staithes Beach

Einer der beliebtesten Surfspots Englands ist total verseucht

Staithes Beach
Staithes Beach mag auf den ersten Blick traumhaft aussehen, jedoch sind seine Wasser seit Jahrzehnten verseucht und potentiell gefährlichFoto: Getty Images

Staithes Beach ist auf den ersten Blick ein malerischer Traumstrand. Und zudem einer der besten Orte zum Surfen in ganz England. Doch leider kann das Baden hier ziemlich eklig, und im schlimmsten Fall sogar gefährlich werden. Denn das Wasser ist völlig verseucht.

Wer den kleinen Fischerort Staithes an der englischen Küste des Yorkshire besucht, wird vermutlich zunächst einmal begeistert sein. Malerisch schmiegt sich das Dorf in eine atemberaubende Kulisse zwischen dem Meer und steilen Klippen. Weniger erfreuen dürfte dagegen ein Besuch des örtlichen Strandes, genauer gesagt ein Bad dort. Denn das Wasser von Stathes Beach ist leider völlig verseucht.

Bereits seit Jahrzehnten besteht das Problem, dass Staithes Beach kontinuierlich und Jahr für Jahr wieder bei Gewässertests durchfällt. In den meisten Jahren erfüllte der Strand nicht einmal die landesweiten bzw. EU-Mindest-Standards für Badegewässer. Und so kann das Schwimmen hier ziemlich eklig werden, denn die örtliche Landwirtschaft leitet, ebenfalls seit Jahrzehnten, ihre Abwässer einfach ins Meer.

Gefährliche Viren und Bakterien

Staithes Beach
Staithes ist ein malerischer Fischerort. Seinen Strand, bzw. das Meerwasser dort, sollte man jedoch lieber meidenFoto: Getty Images

So verschmutzt ist das Wasser von Staithes Beach, dass von ihm sogar eine Gefahr für die Gesundheit ausgehen kann. Denn regelmäßig wurden hier bei Gewässertests Viren und Bakterien gefunden, darunter E.Coli-Bakterien und Erreger für Meningitis, Hepatitis A und weitere Krankheiten. Der Strand ist daher unter Schwimmern berüchtigt, die sich zumeist damit begnügen müssen, sich im Sand zu sonnen.

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Wirklich schlimm ist die Situation aber für die Surfszene Englands, denn Staithes Beach gilt als einer der besten Spots in ganz England, wird unter Kennern auch als das „Kronjuwel an der Ostküste“ bezeichnet. Um auf den unhaltbaren Zustand der Gewässer aufmerksam zu machen, wurde daher bereits 1990 die Initiative „Surfers against Sewage“ gegründet – übersetzen kann man das mit „Surfer gegen Schmutzwasser“.

Schmutziger Trick

Doch die Surfer kämpfen einen scheinbar aussichtslosen Kampf. Denn im Januar 2016 nahm das englische Umweltministerium Staithes Beach von der offiziellen Liste der Badegewässer in England. Wer nun aber denkt, dies sei zum Schutz der Menschen geschehen, liegt falsch. Denn „Surfers against Sewage“ und diverse Zeitungsberichte aus 2016 erhoben damals einen schweren Vorwurf.

So sei Staithes Beach nur von der Liste der offiziellen Badegewässer entfernt worden, weil sich das Umweltministerium damit einer lästigen und peinlichen Pflicht entledigen wollte. Denn ist ein Ort erst einmal von dieser Liste entfernt, müssen hier auch keine Gewässerproben mehr durchgeführt werden. Auch Badegäste muss man dann nicht mehr mit Schildern vor potentiellen Gefahren durch das Schwimmen warnen.

Probleme bewusst ignoriert?

Die Öffentlichkeit reagierte daher auch entsprechend empört auf den eigenwilligen Schritt des Umweltministerium, die renommierte „Times“ bezeichnete die Maßnahme als „schmutzigen Strand-Deal“. Keine weiteren Tests bedeuteten jedoch für das Ministerium keine weiteren schlechten Schlagzeilen. Und so blieb man bei der Entscheidung, Staithes Beach den Status eines Badegewässers abzuerkennen.

„Surfers against Sewage“ bezeichneten den Schritt als Enttäuschung, die Gemeinde sei damit einer Chance beraubt worden, von dringend benötigten Verbesserungsmaßnahmen für die Umwelt zu profitieren. Sie warfen der Behörde gar vor, ihre Entscheidung basierend auf unzureichender Nachforschung getroffen zu haben. Die tatsächlichen Gewässerprobleme am Staithes Beach würden bewusst ignoriert.

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Eine Petition macht Hoffnung

Nachdem jedoch die Aufregung im Netz abgeebbt war, wurde es ruhiger um Englands verseuchten Strand. Genauso, wie es das englische Umweltministerium vermutlich beabsichtigt hatte. Jedoch raten auch 2021 noch englische Zeitungen und Strandführer im Netz davon ab, bei Staithes Beach zu baden. Noch immer sei das Meer dort mit Schmutzwassern aus der Landwirtschaft belastet.

Und noch immer kämpfen die „Surfers against Sewage“ dagegen, dies endlich zu ändern. Das heißt, das Einleiten von Schmutzwasser ins Meer an sich zu verbieten, ob nun in Staithes Beach oder anderswo. Aktuell setzen sie sich daher mit einer Petition dafür ein, Firmen zu untersagen, Abwässer einfach abzupumpen. Damit wollen sie erreichen, dass ein akkurater Schutz von Englands Gewässern in einer neuen Umweltverordnung umgesetzt wird, die gerade erarbeitet wird.

Sie fordern konkret: Jede Gesellschaft, die Abwässer entsorgt, müsse ihr Management derselbigen jedes Jahr kontinuierlich verbessern. Und auch die englische „Environmental Agency“ kommt aufgrund ihres Jahresberichtes zu dem Schluss, dass die aktuellen Bemühungen der mit Abwässern befassten Firmen in England teils noch ungenügend seien. Bisher hat die Petition fast 88.000 Unterzeichner. Es sind Stimmen, die das englische Umweltministerium nicht länger überhören kann.

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Quellen

BBC
Yorkshire Post
Yorkshire Examiner
Surfers against Sewage
The Times
Change.org

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