11. Juni 2026, 17:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die sommerliche UV-Belastung kann in Südeuropa bekanntlich sehr hoch sein. Bei Aufenthalten am Strand ist es daher wichtig, sich vor der Sonne zu schützen. In der Bucht Punta Molentis auf Sardinien sollen dies jedoch künftig nur noch ausgewählte Personengruppen dürfen. So sieht es eine neue Regelung vor, die laut Medienberichten Bürgermeister Gianluca Dessì verabschiedet haben soll. Für wen das umstrittene Sonnenschirmverbot gelten soll und was überhaupt dahintersteckt – TRAVELBOOK geht näher darauf ein.
Die Bestimmung legt fest, dass am Strand Punta Molentis in der sardischen Gemeinde Villasimius mobile Sonnenschirme nur noch Familien mit Kindern unter zehn Jahren nutzen dürfen, außerdem Menschen über 65. Wobei „Sonnenschirmverbot“ eigentlich zu kurz greift: Erwachsenen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, ist auch die Mitnahme anderer künstlicher Schattenspender untersagt. Darüber berichtete zunächst die italienische Tageszeitung „La Repubblica“.
Was zunächst nach reiner Schikane klingt, hat im Kern nachvollziehbare Gründe. Bloß die Umsetzung wirft, gelinde gesagt, Fragen auf.
Was hinter dem Sonnenschirmverbot auf Sardinien steckt
Sardinien versucht seit Jahren, seine beliebtesten Strände vor den Folgen des Massentourismus zu schützen. TRAVELBOOK berichtete in diesem Zusammenhang im vergangenen Jahr über die Einführung einer Reservierungspflicht für Besucher des Tuerredda-Strandes. Diese soll die Einhaltung einer Besucherobergrenze von 1000 Menschen am Tag gewährleisten.
Im aktuellen Fall soll die Maßnahme verhindern, dass die Bucht Punta Molentis durch große Sonnenschirme und andere künstliche Schattenspender überfüllt wird. Zugleich dürfte sie auch dazu dienen, den Besucherandrang zu regulieren: Personen, für die das Sonnenschirmverbot gilt, entscheiden sich im Zweifel gegen einen Besuch. Zusammengefasst soll die Regelung das empfindliche Strandökosystem schützen und zugleich den knappen Schattenplatz jenen vorbehalten, die als besonders hitzegefährdet gelten.
Maßnahme stößt auf Kritik
Wie zu erwarten, begrüßt nicht jeder die neue Regel. Unter dem „La Repubblica“-Artikel mehren sich Kommentare von Nutzern, die auf die Gefahr von Sonnenstichen, Hitzeschäden und Hautkrebsrisiken hinweisen – und zwar auch für Personengruppen zwischen 10 und 65 Jahren. Zudem werden der Gemeinde Altersdiskriminierung vorgeworfen und individuelle gesundheitliche Voraussetzungen angeführt, die bei der Regelung unberücksichtigt blieben. Manche Nutzer echauffieren sich darüber, dass Kinderlose benachteiligt würden, andere nehmen die Verordnung mit Humor und witzeln, sie würden künftig einfach ihre Großeltern mit an den Strand mitbringen.
Auch auf der Facebook-Seite der Gemeinde Villasimius werfen Nutzer den Verantwortlichen vor, Naturschutz mit fragwürdigen Altersgrenzen zu verbinden. Ein Kommentar greift dabei auch das grundsätzliche Problem auf: Wenn man den Strand wirklich schützen wolle, müsse man ihn für einige Jahre vollständig sperren, damit sich Flora und Fauna erholen könnten. Er bezieht sich damit sehr wahrscheinlich auf die Spuren eines Waldbrands in Punta Molentis, dieser ereignete sich im Juli 2025 – BILD (gehört ebenfalls zu Axel Springer) berichtete. Die nun vorgesehene Lösung hingegen sei halbherzig und führe, wie der Nutzer sarkastisch schreibt, bald dazu, dass man einen „Schwarzmarkt braucht, um Kinder oder Senioren zu mieten“.
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Neue Sonnenschirmregelung ist beschlossene Sache
Doch das Aufregen hilft wenig: Das Sonnenschirmverbot, oder nennen wir es die Sonnenschirmregelung, ist beschlossene Sache. Sie ist Teil der Bürgermeisterverordnung Nr. 12 vom 5. Juni 2026, die in verschiedenen offiziellen Bekanntmachungen sowie in der Berichterstattung italienischer Medien zitiert wird. Die Nachrichtenplattform „Isolaonline24“ hat einen Screenshot davon gepostet.
Die Verordnung sieht weiterhin eine Zugangsbeschränkung in Form eines kontingentierten Eintrittssystems vor, daneben zeitliche und zahlenmäßige Limits zur Begrenzung der Auslastung des Küstengebiets. Daneben beinhaltet sie unter anderem Sicherheits- und Brandschutzauflagen für angemessenes Verhalten im sensiblen Küstenbereich.
Weitere Maßnahmen gegen Überfüllung an Italiens Stränden
Mit seinen strengen Nutzungsregeln ist Punta Molentis auf Sardinien nur ein Beispiel für die zunehmende Zugangsregulierung zu beliebten Stränden in Italien. Parallel dazu steigen auch etwa die Preise für Strandservices, wie TRAVELBOOK berichtete. Auch wenn diese Preisanpassungen nicht offiziell der Besucherlenkung dienen – sie tragen faktisch dazu bei, dass sich Strandnutzung stärker nach Kosten strukturiert. Gleichzeitig erhöhen sie den Druck auf die wenigen verbliebenen freien, öffentlichen Strände.