28. September 2025, 7:45 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Kunsthofpassagen Dresden sind seit mehr als 25 Jahren eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten in der sächsischen Landeshauptstadt. Besonders ein Gebäude im sogenannten Hof der Elemente fasziniert. Denn bei Regen erzeugt ein an der Fassade montiertes Kunstwerk aus Rohren und Trichtern eine eigenwillige „Musik“. TRAVELBOOK sprach mit der Künstlerin Anette Paul, die das Werk damals mit zwei Kollegen erfand, über dessen Bedeutung.
Die Kunsthofpassagen in Dresden sind wohl eine der ungewöhnlichsten Attraktionen in der sächsischen Stadt an der Elbe. 1999 eröffnet, begeistern die insgesamt fünf Höfe mit unterschiedlichen Thematiken und Sehenswürdigkeiten jedes Jahr unzählige Besucher. Und unter diesen ist auch ein ganz besonderes Kunstwerk, das sich im sogenannten Hof der Elemente über eine gesamte Wand erstreckt. Auf den ersten Blick ist es nur eine Installation aus Rohren und Trichtern, die entfernt an die Werke von Hundertwasser erinnert. Aber wenn es regnet, entfaltet die Kreation, entworfen von drei Künstlern, ihre besondere Magie. Denn die Regentropfen erzeugen eine Art „Musik“.
Die Kunsthofpassagen Dresden entstanden laut offizieller Website, um die damals „heruntergekommenen Hinterhöfe der Dresdner Neustadt zu beleben.“ Daher lud man unter anderem Künstler ein, um die einst tristen Orte neu zu gestalten. „Jeder Hof greift dabei ein eigenes Thema auf und zeigt das in seiner Fassadengestaltung.“ Die insgesamt fünf Hinterhöfe sind seitdem nicht nur originell aufgewertet, sondern tragen auch fantasievolle Namen. Da gibt es den Hof der Fabelwesen, den Hof des Lichts, den Hof der Tiere und den Hof der Metamorphosen. Der vielleicht größte Besuchermagnet aber ist die bizarre Klanginstallation im Hof der Elemente.
Die Inspiration kam aus Russland
Erschaffen haben diese damals die drei Künstler Annette Paul, Christoph Roßner und André Tempel. TRAVELBOOK erreicht Anette Paul „mitten in den Vorbereitungen für eine Installation“, wie sie per Mail schreibt. Dennoch nimmt sie sich die Zeit, zu erklären, was es mit ihrem Klang-Kunstwerk auf sich hat. Die Inspiration kam ihnen demnach bei einer Reise in die russische Stadt St. Petersburg. „Uns haben die dicken Regenrohre beeindruckt, die wir zeitgleich im Winter 1996 dort entdeckt haben.“ Denn diese erzeugen eben bei Niederschlag einen ganz eigenen Klang.
Auch interessant: Die verrückte Kugelhaus-Siedlung in den Niederlanden
1999 realisierte Paul mit ihren zwei Kollegen dann ihre eigene Installation bei der Neugestaltung der Kunsthofpassagen Dresden. Das Besondere daran? „Der Regen fließt vom Dach in die Rohre und von dort wie bei einem Wasserspiel in die nächsten Rohre oder Trichter, und macht dabei Geräusche.“ Doch ist es wirklich eine Art Musik, wie zum Beispiel auf der offiziellen Seite des Stadtmarketings von Dresden nachzulesen ist? Paul relativiert: „Es wird keine Melodie gespielt, sondern je nach Wetterlage wird das ohnehin vorhandene Geräusch verstärkt und geleitet: Plätschern, Tropfen, Rauschen, Anschwellen, Abschwellen, Fließen, Platschen, Spritzen.“
„Fast wie ein Wahrzeichen“
An die genauen Kosten für ihre einzigartige Klanginstallation erinnert sich Paul nicht mehr. „Allerdings konnte es recht günstig umgesetzt werden, weil wir es selbst angebracht haben.“ Nur die Hilfe eines Spenglers, also eines Metall-Arbeiters, hätten sie damals zum Formen ihrer einzigartigen Rohre und Trichter in Anspruch nehmen müssen. Heute ist das Regen-Instrument in den Kunsthofpassagen Dresden auch überregional bekannt. „Es ist auf vielen Kalendern zu sehen und wird mittlerweile fast wie ein Wahrzeichen wahrgenommen.“ Laut Pauls Schätzung besuchten etwa 250 Menschen täglich ihre Installation, also etwa 90.000 im Jahr.
Paul, Roßner und Tempel haben danach übrigens nie wieder zusammengearbeitet, wie sie sagt. Jeder von Ihnen habe aber weiterhin im Laufe der Jahre eigene Installationen erschaffen. Was assoziiert Paul selbst mit ihrem Klang-Kunstwerk in den Kunsthofpassagen Dresden? „Die Regenrohre erzählen hier eine Geschichte und suggerieren Musik.“ Auch die Fassaden der anderen vier Höfe sind sehr kunstvoll gestaltet und lohnen einen Besuch. Genauso wie die vielen Läden und Ateliers, die man hier findet.
Auch interessant: In diesem riesigen Schuh kann man wohnen
Geöffnet haben die Kunsthofpassagen Dresden wochentags bereits ab 6 Uhr. Am Wochenende sind sie ab 8 Uhr betretbar. Sonntag bis Donnerstag schließen sie um 23 Uhr, Freitag und Samstag erst um Mitternacht. Auf dem Portal Tripadvisor zeigen sich Besucher begeistert von der Location: „Schöner Ort zum Spazierengehen und Zeitvertreib“, schreibt einer. Ein zweiter meint: „Die bunten Häuser sind einen Besuch wert. Auch die kleinen Ateliers und Läden haben uns gefallen.“ Ein dritter ergänzt: „Wer Streetart mag, ist hier genau richtig.“