Kernie's Familienpark im Wunderland Kalkar

Der absurdeste Freizeitpark Deutschlands

Im niederrheinischen Kalkar steht der wohl ungewöhnlichste Vergnügungspark Deutschlands. Einst als Atomkraftwerk gebaut, das jedoch nie ans Netz ging, dienen der Kühlturm wie die gesamte Anlage heute als absurde Attraktion für die ganze Familie. Wegen einer Art Spaß-Flatrate lange als Suff-Park verschrien, wollen die Betreiber jetzt anspruchsvoller werden, wie sie TRAVELBOOK verrieten.

Das Wunderland Kalkar mit Kernie's Familienpark ist wohl einer der ungewöhnlichsten Vergnügungsparks des Landes. Er wurde auf dem Gelände eines alten Atomreaktors gebaut, der allerdings nie in Betrieb war.
Das Wunderland Kalkar mit Kernie's Familienpark ist wohl einer der ungewöhnlichsten Vergnügungsparks des Landes. Er wurde auf dem Gelände eines alten Atomreaktors gebaut, der allerdings nie in Betrieb war
Foto: dpa picture alliance

Was heute laut Angaben der Betreiber jedes Jahr Hunderttausende Besucher begeistert, war früher ein Prestige-Projekt, ein sogenannter „Schneller Brüter“: Hier sollte aus Uran spaltbares Plutonium entstehen – die Anlage in Kalkar sollte nicht weniger werden als ein Atomkraftwerk, ein „nukleares Perpetuum mobile“, wie unter anderem der „Spiegel“ schreibt.

Das Herzstück von „Kernie's Familienpark“ ist der 46 Meter hohe Kühlturm, der mit einem Alpenpanorama bemalt ist. Im Inneren befindet sich ein Karussell, an der Außenwand kann man klettern.

Das Herzstück von „Kernie’s Familienpark“ ist der 46 Meter hohe Kühlturm, der mit einem Alpenpanorama bemalt ist. Im Inneren befindet sich ein Karussell, an der Außenwand kann man klettern. Foto: DPA Picture-Alliance

Das Projekt, das bereits 1970 gestartet wurde, stand aber von Anfang an unter einem schlechten Stern: Immer wieder gab es Demonstrationen in Kalkar, befeuert von zahlreichen Unfällen weltweit, zum Beispiel dem teilweisen Schmelzen des Reaktorkerns des Atomkraftwerks Three Mile Island in Harrisburg, USA. Spätestens nach der atomaren Katastrophe von Tschernobyl 1986 war das erst ein Jahr vorher fertiggestellte Kalkar dann bereits wieder am Ende – als die Anlage 1991 geschlossen wurde, hatte sie sieben Milliarden Mark verschlungen, ohne jemals ans Netz gegangen zu sein.

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Das Konzept: eine Spaß-Flatrate

Kalkar verfiel ungenutzt, bis 1996 der niederländische Geschäftsmann Hennie van der Most das Gelände kaufte, wie auf der Webseite des Parks nachzulesen ist. Im Wunderland Kalkar und dem dazugehörigen Vergnügungsbereich Kernie’s Familienpark gibt es heute neben vielen Restaurants unter anderem eine Wildwasserbahn, Karussells und ein Riesenrad, insgesamt sind es Dutzende Attraktionen. Der Ansatz des Parks: Im Eintrittspreis ist alles inklusive – neben den Fahrgeschäften auch Essen und Trinken, eine Spaß-Flatrate sozusagen. Das verleitete die „FAZ“ allerdings 2013 zu folgendem vernichtenden Urteil: „Sich sorgenfrei zulaufen lassen zu können, scheint für viele der Hauptgrund, hierherzukommen.“

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Weit über den Tellerrand hinaus: der Ausblick von ganz oben, vom Karussell im Kühlturm

Weit über den Tellerrand hinaus: der Ausblick von ganz oben, vom Karussell im Kühlturm. Foto: DPA Picture-Alliance

Man will weg vom Suff-Park-Image

Ein Image, von dem man sich heute weit entfernt habe, wie Geschäftsführer Han Groot-Obink im Gespräch mit TRAVELBOOK betont: „Wir möchten zukünftig auch anspruchsvollere Urlauber begeistern. Dafür führen wir momentan ein Upgrade unserer Hotelzimmer durch. Es werden auch keine harten Spirituosen mehr ausgeschenkt.“ Auch plane man, die angeschlossenen Tagungsräume aufzuhübschen und eine Schiffsanlegestelle für den Park zu bauen; das Wunderland liegt direkt am Rhein.

Der Eintrittspreis von 96 Euro, berechnet auf eine vierköpfige Familie, ist nicht eben günstig. Die Werbung auf der Park-Webseite klingt dafür mehr als vollmundig: „Erlebt den schönsten Tag Eures Lebens in Kernie’s Familienpark!“

Angeschlossen an den Park sind gleich sechs Hotels, in denen man übernachten kann, falls man einen mehrtägigen Aufenthalt plant. Wer die Umgebung erkunden möchte, kann sich ein Fahrrad ausleihen.

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Früher Reaktor-Kühlturm, heute Touristen-Attraktion

Früher Reaktor-Kühlturm, heute Touristen-Attraktion. Foto: DPA Picture-Alliance

„Aktuell kommen pro Jahr etwa 600.000 Besucher“, verrät Groot-Obink. „Herr van der Most hat bisher etwa 45 Millionen Euro in den Park investiert, alles aus eigener Tasche.“ Besonders Kinder würde das All-inclusive-Angebot begeistern, denn für die gäbe es ja so viel Eis und Pommes, wie sie essen könnten, dazu endlos Softdrinks.

Das Wunderland Kalkar ist übrigens nicht die einzige Attraktion des Unternehmers Hennie van der Most: In Deutschland hat er auch noch den Funpark Meppen sowie das Dorf Wangerland gebaut. Übrigens: Früher habe man in „Kernie’s Wunderland“ schon noch oft die Frage gehört, ob denn hier auch nichts mehr strahle, sagt Han Groot-Obink lachend. „Kommen sie mal her. Sie werden danach tatsächlich strahlen – aber nur, weil es Ihnen bei uns so gut gefallen hat.“

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