TRAVELBOOK sprach mit dem einsamen Touristen

Japaner allein in Machu Picchu: „Ich war überglücklich!“

Jesse Katayama in Machu Picchu, Peru
Jesse Katayama hat die komplette Inka-Kultstätte Machu Picchu für sich allein
Foto: Reuters

Die berühmte Inka-Ruinenstadt Machu Picchu in Peru wird normalerweise jedes Jahr von mehreren Hunderttausend Menschen besucht. Doch seit Mitte März ist der Zutritt für Touristen wegen Corona gesperrt. Jetzt aber hat ein Japaner es geschafft, Perus größte Attraktion ganz für sich alleine zu haben. TRAVELBOOK erreichte den einsamen Touristen in den Bergen Südamerikas.

Eigentlich wollte Jesse Katayama nur ein paar Tage in Peru verbringen. Doch wegen Reiserestriktionen strandete der 26-Jährige Mitte März in dem kleinen Dorf Aguas Calientes am Fuße des Berges, wo die Inka die Stadt Machu Picchu errichtet hatten. Weil zeitgleich der Zutritt zu der Ruinenstadt gesperrt wurde, fiel auch sein geplanter und lange ersehnter Besuch oben auf dem Berg flach.

Sieben Monate lang musste Katayama in dem vereinsamten Dorf, das normalerweise von Touristen lebt, ausharren. TRAVELBOOK erreichte ihn in den Bergen – und er erzählt von seinen Erfahrungen. Zu Hause in Japan arbeitet er als Boxlehrer. Während seiner Weltreise unterrichtete er Boxen in einigen Ländern, so auch in Peru. Während der sieben Monate, die er nun schon in Aguas Calientes festsitzt, bringt er den einheimischen Kindern den Kampfsport bei. „Mein Traum ist es, ein eigenes Box-Studio zu besitzen“, sagt er TRAVELBOOK. Auch Yoga hat er während seiner Zeit dort praktiziert – schließlich habe er ja genug Zeit.

Machu Picchu in Peru

Die Weltkulturerbestätte Machu Picchu hatte in den vergangenen Jahren mit Touristenmassen zu kämpfen. In den vergangenen Monaten gab es eine Verschnaufpause.
Foto: Getty Images

Die erste Person am Machu Picchu nach dem Lockdown

Mittlerweile hat er sich einen anderen Traum erfüllt – auf spektakuläre Art und Weise. Denn Katayama hat es geschafft: Er durfte Machu Picchu besuchen – als einziger Mensch, seitdem die Stätte geschlossen wurde. Wie hat er das geschafft? Immer wieder fragte er nach, ob er die Inkastätte nicht doch einmal besuchen dürfe – auch beim Bürgermeister von Aguas Calientes. Mit Erfolg! Er bekam eine Sondergenehmigung und somit den Zutritt zu Machu Picchu, wie Perus Kulturminister Alejandro Neyra zu „BBC“ sagte.

Jesse Katayama in Machu Picchu, Peru

Katayama (l.) an der Seite von Oscar Valencia, dem Chef des Tourismusbüros von Machu Picchu
Foto: Reuters

Am Samstag, den 10. Oktober war es dann so weit: Jesse Katamaya durfte Machu Picchu betreten, mit an seiner Seite: der Bürgermeister von Aguas Calientes und Mitarbeiter des Tourismusbüros Machu Picchu. Damit ist er einer von wenigen Urlaubern, die die Weltkulturerbestätte so leer erlebten. „Als ich Machu Picchu betreten habe war ich überglücklich! Ich habe so lange gewartet und Unterstützung von vielen Peruanern bekommen, die die Regierung davon überzeugt haben, dass ich Machu Picchu sehen kann“, sagt Katayama zu TRAVELBOOK.

Er postete nach seinem Besuch Fotos von sich und dem Bürgermeister an dem Touristenziel auf Instagram und schrieb in der Bildunterschrift: „Die erste Person auf der Erde, die seit dem Lockdown nach Machu Picchu gegangen ist, bin iiiiiiich.“ Der Besuch scheint das Warten wert gewesen zu sein. Zu TRAVELBOOK sagt er: „Eine unglaubliche Erfahrung. Ich liebe Peru!“

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Bald wieder reguläre Besuche erlaubt

Perus größte Touristenattraktion soll im November für reguläre Besucher öffnen. Allerdings sind nur 675 Besucher täglich erlaubt, das sind 30 Prozent der Touristenanzahl, die sich Machu Picchu davor an einem Tag ansehen durften.

Legendäre Ruine: Forscher lösen Rätsel um Machu Picchu

Die antike Inkastadt liegt auf 2360 Metern Höhe in den Anden. Sie wurde im 15. Jahrhundert erbaut und später verlassen. Wozu die Stadt diente und wer ihre Bewohner genau waren, ist bis heute ein Geheimnis. Erst 1911 wurde die Kultstätte wieder entdeckt.

In Peru sind seit Beginn der Corona-Pandemie 849.000 Personen am Coronavirus erkrankt, 33.000 Menschen starben daran. Das besagen Daten der Johns Hopkins University.

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