Welterbestätte

Neuer Flughafen in der Nähe von Machu Picchu im Bau

Machu Picchu
Noch mehr Besucher für Machu Picchu? Nahe Cusco entsteht ein neuer Flughafen
Foto: Getty Images

Damit noch mehr Touristen Machu Picchu in Peru besichtigen können? Nahe der legendären Ruinenstadt entsteht bis 2023 ein neuer Flughafen – und es gibt heftige Kritik!

Einheimische Historiker, Anthropologen und Wissenschaftler sind laut der spanisch-sprachigen Webseite der „BBC“ entsetzt, denn der neue Flughafen soll in der Gemeinde Chinchero entstehen, mitten im sogenannten „Valle Sagrado“, dem Heiligen Tal, in dem sich jahrhundertealte Indio-Kultstätten befinden. In einem Protestbrief warnten die Flughafen-Gegner Perus Präsidenten Martín Vizcarra unter anderem, „der Ort und seine gesamte Umgebung“ könnten durch den Bau „irreparable Schäden“ erleiden.

„Die Harmonie des Universums wird beeinträchtigt“

„Die unvergleichliche Landschaft (…) wird dadurch zerstört werden.“ Weiter heißt es in dem Protestbrief: „Dieses Projekt wird die jahrtausendelange Harmonie des Universums beeinträchtigen.“ Man fürchte unter anderem Schäden durch Lärm, erhöhtes Verkehrsaufkommen und unkontrollierte Verbreitung der Urbanisation rund um den zukünftigen Flughafen –außerdem auch eine Unterversorgung mit Trinkwasser für das nur 30 km entfernte Cusco. Präsident Vizcarra ist von dem neuen Megaprojekt, das auf einer Fläche von mehr als 480.000 Quadratmetern entstehen soll, dagegen überzeugt: „Wir werden für die Region und ganz Peru Vorteile schaffen, besonders für die Gemeinde Chinchero.“

Auch interessant: Zugang zu Machu Picchu noch stärker eingeschränkt

Auch der Bürgermeister von Chinchero, Luis Héctor Cusicuna, freut sich über den Bau, der bereits begonnen hat. Schon seit den 70er-Jahren habe man gefordert, für Cusco einen größeren Flughafen zu bauen. Auf der kurzen Landebahn des bereits existierenden Airports können keine großen Maschinen landen, doch das soll sich mit dem neuen Flughafen ändern.

Verdacht der Preisabsprache

Pläne für den Flughafen wurden bereits 2014 genehmigt, im Februar 2019 erfolgte die Grundsteinlegung. Die einheimische Historikerin Natalia Majluf warnt anhand der möglichen Folgen: „Künftige Generationen werden sich daran als einen der schlimmsten Anschläge auf das kulturelle Erbe Perus erinnern.“ Auf der Seite „Change.org“ hat sie daher eine Petition gestartet: „Salvemos Chinchero, patrimonio cultural de la humanidad“ („Retten wir Chinchero, das Kulturerbe der Menschheit“). „Wir müssen klären, wie ein Projekt mit einer derartigen Einwirkung genehmigt werden konnte“, fordert sie.

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Hintergrund: Bevor er Präsident wurde, war Martín Vizcarra Verkehrsminister – gegen ihn und andere Politiker wurde im Februar von der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen mutmaßlicher Preisabsprachen eingeleitet. Vizcarra war daraufhin von seinem damaligen Amt zurückgetreten. Übrigens: Gerade erst hatte das Kultusministerium Perus angekündigt, den Zugang zu Machu Picchu testweise beschränken zu lassen. 2017 besuchten laut „Guardian“ 1,5 Millionen Menschen die Welterbestätte – fast doppelt so viele wie von der Unesco empfohlen.

Neue Bahnstrecke

Schon jetzt gibt es eine neue, leichtere Anreise für Toursiten. Denn es gibt eine direkte Zugverbindung von „Inca Rail“, die Cusco und Aguas Caliente, den Ausgangspunkt für einen Besuch von Machu Picchu, verbindet. Das teilt die Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika mit.

Mit der neuen Verbindung, die am Bahnhof San Pedro in Cusco startet, entfällt für Reisende die Busfahrt in den Ort Ollantaytambo. Von dort fuhren auch bisher schon Züge nach Aguas Caliente ab. Diese Strecke bleibt bestehen.

 

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